Es gibt Filme, die werden mit jedem Jahr, das man älter wird besser. Ein bisschen wie Whiskey oder guter Wein. Dann gibt es Filme, die fand man beim ersten mal anschauen großartig, beim 2. Mal auch und dann wurde man älter, ich will nicht unbedingt sagen weiser, aber es muss etwas geschehen sein, denn man sieht sich den Film wieder an und bemerkt: "Hey, was ist denn bitte an diesem Flick gut?". Als ich etwa 12 war gehörte Independence Day zu dieser letzteren Art von Filmen - ein Machwerk, bei dem ich meine frühere Begeisterung nicht nachvollziehen kann. Und leider auch gehört auch Dogma in diese Sparte.
Kevin Smith hat sich ja durch seine Indie-Komödien Chasing Amy, Mallrats, Clerks recht positiv hervorgehoben. Und da dachte sich der Gute: "Dreh ich doch mal eine respektlose Komödie über Engel und Teufel, sozusagen God´s Army light." Und eineis muss man ihm lassen. Er hat sich was dabei gedacht. Nicht nur, dass er sich - zumindest in meinen gottlosen Augen - recht gut mit der Materie beschäftigt hat. Nein, er schafft auch den Bogen zwischen respektloser Satire und "eigentlich ist Gott schon ne coole Socke" zu spannen. Sozusagen beleidigen ohne jemandem auf die Füße zu treten. Dazu hat er eine illustre Schauspielerriege angagiert (die zum großen Teil aus alten Freunden wie Ben Affleck und Jason Mewes besteht). Die Denkansätze, die in einigen - ich nenns mal - philosophischen Gesprächen aufgestellt werden fand ich richtig gut - wenn auch nichts neues. Aber dieses wirre Drumherum ...
Immer wieder muss sich der geneigte Filmfreund durch zähe Durchhänger kämpfen, plattester Fäkal- und Fickhumor inklusive. Nicht dass diese nicht immer wieder durch grandiose Szenen und Witze unterbrochen würden, aber es fehlt irgendwie der nötige Drive. Irgendwie wirkt das Drehbuch zwar im Kern clever, aber andererseits wieder nicht ausgereift genug. so etwa der vollkommen unnötige Auftritt von Muse Salma Hayek, die zwar nettes Eye Candy darstellt - nunja, mehr allerdings auch nicht. Auch finde ich die Hauptdarstellerin nicht gerade optimal gewählt, obwohl andererseits, eigentlich macht sie ihren Job ganz gut - aber es fehlt einfach was. Irgendwas. Richtig doof wird´s allerdings in einigen der "Action"-Szenen. Es scheint als habe Smith an den falschen Stellen gespart. Klar, einen Scheiß-Dämon kann er rendern, kriegts aber nicht hin eine Schlägerei zwischen ihm und einer Gang hinzuzaubern. Auch das wäre erträglich, würde nicht stattdessen eine absolut peinliche Slapstickszene folgen. Auch stellen die beiden Sidekicks Jay und Silent Bob ein großes Manko dar. Klar, ohne die Beiden wäre der Komödienanteil schonmal auf ein Minimum geschrumpft. Aber dieser dämliche Kult den Smith um sich und seinen Buddy Mewes aufbaut ist zwischendrin wirklich zu viel des Guten. Viele Szenen scheinen nach dem Motto zu funktionieren (wollen), lass Jay einfach nur "ficken" sagen und das Publikum wird sich vor Lachen auf die Schenkel hauen. Tja, nur leider funtioniert das bei Zuschauern jenseits der Pubertätsgrenze nur marginalst.
Was mir zudem echt sauer aufgestossen ist, sind die schlechtesten, unpassendsten Filmzitate seit Erfindung der Selbstreferenzierung des Mediums Kino. Wäre ja eigentlich sinnvoll in diesem Kontext einige Bibelfilme zu zitieren oder (Shaun o.t. Dead und Hot Fuzz aus England haben vorgemacht wie man ordentlich zitiert), stattdessen wird - bis auf eine kurze Erwähnung eines einschlägig bekannten Charlton Heston Films, auf Liebesfilmen(!) und Teenage-Komödien(!!!) der 80er rumgeritten. Wie kommt Smith dazu Das Piano oder Breakfast Club zu erwähnen und nicht einen der 100ten Bibelfilme? Als ob jemand der den Film sieht Das Matthäus-Evangelium weniger kennen würde als Das Piano. Die Zielgruppe des Films wird sie beide nicht gesehen haben. Nun gut Smith ist kein Tarantino, aber dann sollte er es lieber gleich lassen. Tja, mit Ben Affleck und Matt Damon hat er sich dann auch zwei der abartigsten Unsympathen des Bizz ausgesucht - aber wir wissen ja, Freundschaft überwindet alles.
Also, lange Rede kurzer Sinn, was ich eigentlich sagen will: Netter Film, der nicht halb so reaktionär, so lustig und so gut ist, wie er gerne wäre, aber andererseits auch keine wirkliche Zeitverschwendung darstellt. Sollte man zumindest mal gesehen haben. ... nur was jetzt am Schnabeltier so lustig sein soll, will mir nicht in den Kopf ;)
PS: Wie kann man nur Alanis Morisette Gott spielen lassen!???! Einen Punkt Minus dafür!!!