Review

Kontrovers ist immer gut. Nichts ist langweiliger, als wenn man komplett einen Film als scheiße oder genial abnicken und durchwinken kann.
Und wenn man dann noch ein paar heilige Kühe schlachtet und sich inhaltlich an den organisierten christlichen Kirchen vergreift, dann wird’s deftig.

Wobei Jahre nach dem kleinen Skandal, den Kevin Smiths Religionskomödie aufwarf, die Meinungen sich hauptsächlich deswegen teilen, ob dieses Raunen im Blätterwald denn überhaupt der Mühe wert gewesen war. Die Einen halten den Film nun für witzig-brachial, nicht selten intelligent die Kirche durch den Kakao ziehend, die anderen für eine Satire ohne Biß, von einem Comicliebhaber adaptierte Zurschaustellung gängiger biblischer Mystikmotive mit schwachen Tricks und ohne Aussage.

Komischer hat die letztgenannte Befindlichkeit auch „Das Leben des Brian“ nicht geschadet, aber das nur nebenbei. Fakt ist: es ist erneut eine typische Kevin-Smith-Universum, das irgendwo in New Jersey liegt und nun zum Schauplatz einer leichten Auseinandersetzung kosmischen Ausmasses wird.
Das Ergebnis ist eine Mischung aus der typischen Smith-Comedy (Schimpfworte, Sexwitze), etwas satirischer Zivilisationskritik, Horror, Fantasy und Road Movie, eine wilde Mischung, die um ihrer selbst Willen genossen werden will.

Dabei kann man jetzt argumentieren, daß Smith im Skript sein Pulver einfach nur mit lautem Knall verschießt, ohne eine Plan zu haben, hauptsache, es sei möglichst kontrovers und grell. So läßt man einfach eine Muse auftreten, einen schwarzen 13.Apostel und die letzte Nachfahrin von Jesus arbeitet ausgerechnet in einer Abtreibungsklinik. Gleichzeitig fängt der Teufel Gott ein, der sich gerade auf so etwas wie Urlaub befindet und will die Negierung des kompletten Seins herbeiführen, die durch zwei gefallene und auf Erden wandelnde Engel verursacht werden könnte, wenn ihnen ihre Sünden vergeben würden, die ihnen jedoch der Himmel aufdiktierte.

Der Plot ist zweitrangig, die Aussage auch, aber Smith erfreut sich an einer hervorragenden Kollektion kleiner Spitzen und reißt alle religiös-verwandten Themen, die ihm wohl schon mal sauer im Magen lagen, einfach mal an und bastelt damit eine Collage, mit der er seinen Bibel-Action-Horror ausstaffiert. Wenn die zwei gefallenen Engel (Damon und Affleck harmonieren hervorragend) eine Vorstandssitzung von Sündern aufmischen, deren Produkt tatsächlich ein „goldenes Kalb“ ist, dann ist das ebenso direkt wie platt. Erfrischend säuerlich das genervte Genöle von Gottes Sprecher und Boten Metatron (Alan Rickman wieder mal launig in seinem Element) bezüglich des Bibelwissens der Menschen, das lediglich aus Hollywoodfilmen zu stammen scheint. Und zwischendurch wartet stets, wie weilend Treibsand der Sarkasmus pur.

Es hilft ungemein, ein leicht zynisch-sarkastisches Weltbild zu haben, um „Dogma“ zu lieben, Bibelgläubige und andere Leute, die man leicht aus der Fassung bringen kann, wenn man an ihrem Weltbild ein bißchen rüttelt, werden sofort auf die Barrikaden gehen, aber letztendlich kann man einem Film nicht böse sein, wenn er dafür plädiert, aus Jesus endlich mal eine coole, positive Daumen-hoch-Figur zu machen, um auch die desinteressierten Massen zu bewegen (etwas was die vorwiegend „schwarzen“ Kirchen eh schon seit langem in Ansätzen tun).

Natürlich geht viel von dem Potential verloren, weil zwischendurch Jay und Silent Bob wie üblich ihre Klamauknummer abziehen, aber da der Film nicht völlig auf sie fokussiert, wirken sie besser eingearbeitet, als in ihrem Solo-Streifen „Jay and Silent Bob strike back“, der eine viel kürzere Halbwertzeit hat.

Ganz bibelfilmlike gibt es natürlich eine Beinahe-Apokalypse und wenn dann jemand die Chuzpe hat und Alanis Morrissette als Gott castet und sich mit ihr noch einen Schöpfungsjoke zu machen, dann ist das eine Empfehlung wert. Die auf bombastisch gemachten FX, die vielleicht nicht ganz perfekt sind, unterstreichen das nur noch, auch wenn der Film zwischen Humor und Dramatik manchmal im Ungleichgewicht hängt.

Aber diese wilde Hatz hat Struktur und mehr gemeine, böse Wahrheiten und gute Einfälle für die Kirche parat, als alle König-der-Könige-Filme zusammen. Dafür wähle ich ihn dann auch zu den interessantesten Filmen der 90er (9/10)

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