Review

Wie sich aus einer Not eine Tugend gestaltet: Zwei Studenten der Akademie für Bildende Künste in Mainz wollen an einem Kurzfilmwettbewerb teilnehmen, doch der Einsendeschluss ist schon sehr bald.
Also kommt ihnen, Daniel Stümpfig und Sebastian Linke, die Idee, das nahende Chaos in der Stadt mit dem Nützlichen zu verbinden, und lassen Zombies durch die Rosenmontagsumzüge laufen.
Mit etwas exakterer Planung und mehr Mut zum Detail wäre da noch mehr als ein ansehnlicher Kurzfilm drin gewesen.

Unorthodox ist auf jeden Fall der Hintergrund für die Zombiefizierung: Ein alter Nudelsalat.
Von dem isst Siggi, bevor seine Kumpels für die anstehende Party auftauchen und mutiert vom teilnahmslosen Typen zur fleischrünstigen Bestie. Ein Paar flieht aus der Wohnung und lockt die Zombies hinter sich her, - geradewegs in die Fastnachtsumzüge…

Allzu brachial darf man sich jenes Treiben natürlich nicht vorstellen, denn als Amateurfilmer läuft man definitiv Gefahr, bei erhöhter Polizeipräsenz gestoppt zu werden, gerade, wenn jemand als Mischung aus Zombieverkleidung und Spastiker (so muss es für die umstehenden Besucher gewirkt haben) durch die Menschenmassen läuft.
Auch wenn eine kleine Digitalkamera eher unauffällig ist, erfordert es seitens der Laiendarsteller reichlich Mut für derartige Aktionen.

Handwerklich lässt sich hingegen durchaus Positives berichten: Kamera, Schnitt, Ton und Musikuntermalung sind auf solidem Niveau angesiedelt; man versteht die Dialoge gut, die Ausleuchtung der kleinen Wohnung zu Beginn ist in Ordnung und einige Kamera-Wackler während der Temposzenen im Getümmel durchaus nachzuvollziehen.
Die Masken wurden ansehnlich gestaltet, nur, mangelt es innerhalb der knapp zwanzig Minuten an Explizitem.

Denn da bleibt an sich nur der Biss in eine Wange und das Abziehen eines kleines Stückchens Haut, der Rest wird mit schnellen Schnittfolgen nur angedeutet.
Diesbezüglich dürfte der Splatterfreund ein wenig die Nase rümpfen, denn innerhalb der Wohnung hätte man zumindest eine Spur härter zur Sache gehen können.

Auch die kurze Geschichte verfolgt im Kern keine erwähnenswerten Überraschungen, obgleich die Schlussszene einen gelungenen Spezialeffekt aufweist und für Leute, die diese alljährliche Zurschaustellung von Fröhlichkeit nicht mögen, eine gewisse Genugtuung darstellt. Dazu passen auch die Szenen während der End-Credits, die Müllmänner nach dem Spektakel bei der Arbeit zeigen.

Gelungen ist „Carne Vale“ demnach schon, doch aufgrund ordentlichen Handwerks und größtenteils brauchbaren Darstellern, ist daraus auch eine leicht verpasste Chance abzuleiten, die Geschichte noch ein wenig zynischer auf den Punkt zu bringen und mit mehr Detailverliebtheit etwas mehr Charme zu entfalten.
So bleibt die Grundidee toll, die Umsetzung unterhaltsam, aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt man damit nur leidlich.
6,5 von 10

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