Oh wie ich diese reißerischen deutschen Titel liebe. Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen. Wenn das mal keine Lust auf die nächsten 90 Minuten macht.
Okay, Spaß bei Seite. Spätestens wenn in den Anfangscredits unter Written and Direct by der Name Jonathan Demme auftaucht, dürfte jedem klar sein, dass hier wohl eher kein WIP-Film ala Women Behind Bars zu erwarten ist, sondern der deutsche Verleih mal wieder versucht hat den braven Bürger mit einem möglichst schlüpfrig klingenden Titel ins Kino zu locken.
Caged Heat enthält zwar durchaus das eine oder andere klassiche WIP-Element (z.B. Catfight in der Dusche), ist aber weit entfernt von dem sexistischen Billigscheiß eines Jess Franco. Die Nacktheit beschränkt sich nahezu ausschließlich auf den Waschraum und Demme verzichtet dabei auch auf die sonst üblichen, minutenlangen Großaufnahmen weiblicher Geschlechtsorgane. Der genretypische Lesbensex fehlt ebenfalls komplett, so dass die angedeutete Vergewaltigung einer Insassin und etwas Fummelei in einer Traumsequenz, die einzigen Szenen dieser Art bleiben.
Der Schwerpunkt liegt auf einigen schick fotographierten Actionszenen, die vereinzelt sogar erstaunlich blutig ausfallen. Eingebettet sind die Ballerein in eine 08/15 Story über ein Frauengefängnis, in dem die Mädchen von einem sadistischen Arzt und einer miesgelaunten Chefin nicht gerade freundlich behandelt werden. Also brechen zwei der Mädels aus, kommen aber bewaffnet zurück um mit den Peinigern abzurechnen und die Anderen zu befreien. Leider sind die Charaktere allesamt ziemlich platt und der Zuschauer erfährt auch nicht wirklich viel über den Background der beteiligten Personen. Das nimmt dem Film etwas an Spannung und Atmosphäre, ebenso wie kleinere humoristische Einlagen (z.B. die Theateraufführung). Dazu kommen ein paar surreal anmutende Traumsequenzen, deren Sinn sich mir nicht ganz erschlossen hat und die auch nicht unbedingt in den Film passen.
Trotz der Schwächen beim Drehbuch kann man auf initiatorischer Ebene nicht meckern. Der Score ist wirklich gelungen und zwei, drei sehr schöne Kamerashots sind auch zu bewundern. Hinzu kommen die schon erwähnten Actionszenen und so hebt sich Caged Heat technisch dann doch deutlich von einer Vielzahl seiner Genregeschwister ab.
Unter dem Strich bleibt ein ganz unterhaltsamer Beitrag zum Women in Prison Film. Auf Drehbuchebene mit ein paar Macken, dafür aber eben ordentlich inszeniert und ganz passabel gespielt, so dass der Frauenknast-Exploitation-Fan sicher seinen Spaß haben wird, auch wenn auf einige genretypische Elemente verzichtet wurde.(6/10)