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Nach einer wahren Begebenheit: John Hurt spielt John Merrick, der unter dem Proteus-Syndrom leidet und im Bereich des Kopfes derart verunstaltet ist, dass er als "Elefantenmensch" bezeichnet und auf Jahrmärkten dem zahlenden Publikum zur Schau gestellt wird. Dies ändert sich, als ihn ein Arzt, gespielt von Anthony Hopkins, entdeckt und ihn in eine Klinik bringt. Dort stellt dieser schließlich fest, dass es sich beim deformierten Merrick um einen jungen, sympathischen Menschen mit normalem Gefühlsleben handelt.

"Der Elefantenmensch" genießt nach wie vor den Ruf eines Meisterwerks, verschaffte David Lynch dessen Durchbruch und verhalf darüber hinaus auch Anthony Hopkins und John Hurt zu einem erheblichen Karrieresprung. Damit ist das Drama aber etwas überschätzt.

So ist "Der Elefantenmensch" zwischenzeitlich immer mal wieder übertrieben sentimental, was allein schon deshalb sehr deutlich auffällt, da John Merrick im Film sprechen kann, was sein historischer Vorgänger wohl nicht konnte. Dabei wird er derart sympathisch dargestellt, dass die Geschichte, die Lynch erzählt, beim besten Willen nicht mehr so richtig authentisch wirken will. Merrick betet Psalme, verhält sich derart höflich und freundlich, dass es einfach aufgesetzt wirken muss und auch der Arzt, der ihn rettet, erhält kaum Ecken und Kanten, wirkt vielmehr derart aufopferungsvoll, human und gutherzig, dass die Geschichte endgültig recht unrealistisch anmutet.

Dabei merkt man immer mal wieder, welches Potential der Film wohl gehabt hätte. Einige Dialoge sind überaus gelungen, dass der Film teilweise direkt rührend ist und dramaturgisch durchaus zu fesseln weiß, lässt sich ebenfalls nicht abstreiten, so bleibt es jedoch bei ein paar wirklich starken Momenten, die durchaus im Kopf bleiben und ansonsten bei einigen Rührseligkeiten und einem Appell an die Menschlichkeit, der teilweise zu Herzen geht, mitunter aber auch etwas klischeehaft und aufgesetzt wirkt, genauso, wie das ganze Geschehen eben. Die Schwächen fügen sich dabei bei Weitem nicht zu einem wirklich schlechten Film zusammen, bringen aber doch ein paar recht zähe Längen mit sich, die Lynch, der angesichts der Thematik vielleicht zu viele Zugeständnisse an die Mainstream macht, durchaus hätte vermeiden können.

Lediglich inszenatorisch beweist Lynch dabei durchaus Konsequenz und Talent. So ist die Inszenierung in einem düsteren, tristen schwarz-weiß gut gewählt und gibt dem Film, ähnlich, wie die sehenswerte Ausstattung aus dem viktorianischen Zeitalter, einen gelungenen visuellen Rahmen. Dazu kommen einige Szenen, die atmosphärisch wirklich dicht sind und fast schon dem Horrorkino zuzuordnen sind, die wiederum für eine gelungene Abwechslung sorgen, ohne, dass sie der humanen Botschaft schaden.

John Merrick ist mit dem ausgezeichneten Make-up hervorragend rekonstruiert, ohne, dass der brillierende John Hurt darunter leidet. So präsentiert Hurt eine gelungene Leistung, die sicherlich nicht derart intensiv ist, wie seine Meisterleistung in "1984", aber alle Gefühlsregungen, die von ihm zu sehen sind, wirken authentisch und meisterhaft dargestellt. Daneben brilliert auch Anthony Hopkins und trägt damit dazu bei, dass einige der übertriebenen Sentimentalitäten noch im Bereich des Authentischen liegen, so zeigt der britische Charakterdarsteller auch hier eine gewohnt versierte Leistung und überzeugt in jeder Szene, wobei auch der restliche Cast keine Schwächen aufbietet.

Fazit:
"Der Elefantenmensch" ist aufgrund der wahren Begebenheit, auf der er basiert, recht interessant, ist inszenatorisch wie darstellerisch gut gelungen und bietet durchaus einige emotionale Momente auf. Da sich jedoch einige recht übertriebene Sentimentalitäten einschleichen und der Appell an Menschlichkeit und Humanität so mitunter ein wenig aufgesetzt wirkt, bescheinige ich Lynch kein Meisterwerk.

68%

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