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CITY OF ROTT
Wurmartige Parasiten, die das menschliche Gehirn zerstören, haben das gesamte Grundwasser und sämtliche Getränke vergiftet und nahezu die gesamte Menschheit in Zombies verwandelt. Einer der letzten Überlebenden ist Fred, ein seniler alter Greis, der ständig Selbstgespräche führt und mit seiner Gehhilfe durch irgendeine Großstadt voller Zombies humpelt, auf der ständigen Suche nach ein paar bequemen neuen Slippern. Fred trifft gelegentlich noch auf andere Überlebende, aber die meiste Zeit ist er auf der Flucht vor den Untoten und wehrt sich verzweifelt gegen eine Infizierung.
Einer der phänomenalsten amerikanischen Independentstreifen der letzten Jahre. Der Zeichentrickfilm als Medium für Splatter und Gore ist im Westen, von den importierten Animes aus Japan einmal abgesehen, noch immer ein relativ jungfräuliches Territorium, in das sich nur die wenigsten Filmemacher hinein wagen. Hierzulande hat es Timo Rose einmal mit ROUT CITY versucht, mit Betonung auf „versucht“, aber in so ein Werk muss normalerweise besonders viel Arbeit investiert werden, wenn es denn auch nur halbwegs taugen soll. Regisseur Frank Sudol hat aber seinen gesamten Film nahezu im Alleingang auf die Beine gestellt, das Drehbuch geschrieben, alle Hintergründe gezeichnet, alle Figuren animiert, alle Stimmen selber gesprochen, die Musik komponiert, den Film produziert, etc. Allein diese Leistung kann selbst im Zeitalter von Heimcomputern und entsprechenden Zeichen- und Filmprogrammen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es stecken so viel Liebe zum Detail und Mühe in COR, dass er allein optisch schon eine Wucht ist und sich wohltuend von allen Realfilmen mit wackeliger Kamera, Zombielaiendarstellern und hausgemachten Makeups absondert. Der Zeichenstil ist relativ einfach, erstaunlich putzig, aber absolut ausreichend und liebevoll gemacht. Zwar wird die amerikanische Fassung oft in Kritiken in die Mangel genommen, weil Sudol seine Stimme angeblich nicht gut genug verstellen kann, um mehrere Figuren glaubhaft zu synchronisieren, aber ich habe den Film nur auf Deutsch gesehen, wo dieses Manko nicht mehr auffällt. Stattdessen gibt es teils sehr lustige und teils auch sehr bewegende Monologe und Dialoge des Helden, der mit seinem Alter und seiner Behinderung wirklich mehr als ungewöhnlich für dieses Genre ist. Mit seiner bunten Art und der Darstellung skurriler, liebenswerter und mit menschlichen Schwächen behafteten Charaktere von nebenan, erinnert COR fast ein wenig an SHAUN OF THE DEAD, auch wenn hier nur eine einzige Figur im Mittelpunkt steht. Dafür drückt er in Sachen Splatter & Gore ganz gewaltig auf die Tube, denn es wird oft und viel gefressen, Körper werden regelrecht in Stücke gerissen und Fred zermatscht mit seiner Gehilfe (!!!) reihenweise Zombies wie damals Lionel mit dem Rasenmäher in BRAINDEAD. Nebenbei gelingt es Sudol sogar, bei besonders dramatischen und brenzligen Situationen eine Hochspannung (z.B. bei der Szene auf der Brücke) zu erreichen, von der viele selbsternannte Filmemacher nur träumen können. Sicherlich wird durch die ewige Reise durch die Zombiestadt und den ständigen Zombieattacken die dünne Handlung auf Dauer auch etwas eintönig, aber Sudol schafft es dadurch auch, ein ständiges Gefühl der Bedrohung und Isolation (in einem Zeichentrickfilm!) zu vermitteln. Ein wenig Sozialkritik gibt es auch, denn es geht auch um die Individualität und das Herausstehen aus der breiten Masse sowie um Konsumterror und dreiste Werbebotschaften (hier in Bezug auf ein Zombiegegenmittel).
Das Ende stellt für meinen Geschmack zu viele Fragen in den Raum, aber insgesamt ist dies ein grandioser Zombiekracher mit viel Blut, Humor und Action. Wer Zeichentrick auch für Erwachsene nicht mag, wird mit COR wohl nicht glücklich werden. Wer aber auch über z.B. die HAPPY TREE FRIENDS oder SOUTH PARK lachen kann, der wird schon eher etwas mit COR anfangen können. Dass es sich eben um Zeichentrick handelt, wertet den Film wegen der investierten Mühe erheblich auf. Aber auch unter den Gesichtspunkten eines echten Zombie- oder Splatterfilms ist COR nicht zu verachten.
Diesen Frank Sudol sollte man im Auge behalten…
9 von 10.

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