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Wir erinnern uns noch alle zu gut an "Shaun of the Dead", jener britischen Horrorkomödie, die mit viel Liebe zum Detail, die allseits bekannten und beliebten Zombiefilme, auf wunderbare Art und Weise, durch den Kakao zog, sich dabei aber nicht über sie lustig machte, sondern ihnen stattdessen eine tiefbeugende Hommage bescherte. Zombie-Fans in aller Welt lachten über den Loosertypen Shaun und seine grotesken Versuche, den Zombies zu entkommen. Genauso gelacht haben wohl auch die Independent-Filmer Chuck Hartsell und Chance Shirley, die mit "Hide and Creep" eine ganz ähnliche Komödie drehten, die zwar von Storywegen anders ist, aber ebenfalls als liebevolle Zombie-Verehrung durchgehen kann. Und auch "Hide and Creep" kann man als unterhaltsam bezeichnen, aber leider nicht unbedingt als guten Film.

Und das liegt an zwei Dingen. Zum ersten an der Geschichte, die so lachhaft dünn und tiefenlos geraten ist, dass man nach ihr schon mit der Lupe suchen muss. Im Grunde geht es um einen Videothekar, einige Hinterwäldler, einen nackten Mann und einige Polizisten, die sich allesamt gegen die androhende Seuche, welche ihre Mitmenschen bereits in blutrünstige Zombies verwandelt haben, antreten... Was anders gibt es nicht zu berichten, denn das ist im Grunde schon die ganze Story. Weder werden die Figuren charakterisiert, noch kann man irgend einen entfernten Sinn hinter dem Treiben ausmachen, noch sonst etwas Spannendes oder Interessantes finden. Neuigkeiten gibt keine und Logik natürlich erst recht nicht. Da hätte, selbst für eine Independent-Horror-Produktion, doch etwas mehr herausspringen dürfen, als irgendwelche unsympathische Figuren, die steif durch die Gegend latschen.

Des weiteren macht auch die billige Inszenierung dem Ganzen zu schaffen. Auch wenn es jetzt nicht mehr unbedingt Amateur-Niveau ist, was der Zuschauer hier zu Gesicht bekommt, so ist es dennoch eine Inszenierung, die an allen Ecken krankt. Die Kameraarbeiten wirken unsauber, der Schnitt schlecht gesetzt und die Arbeit der Soundabteilung ist unter aller Kanone, da es immer wieder Stellen gibt, an denen Geräusche regelrecht vergessen wurden. Zudem klingt auch die Musik etwas unpassend, wenn auch auf ihre eigene Art und Weise ungewöhnlich und nicht so ganz nach dem üblichen Horrorgesäusel. Auch in diesen Punkten muss eindeutig noch geübt werden.

Aber nun genug gemeckert, denn trotz allem kann man eigentlich doch seinen Spaß an "Hide and Creep" haben. Das liegt zum einen daran, das die Humornote nicht schlecht geraten ist. Auf allzu alberne Szenen wird verzichtet, immer wieder gibt es einige nette Seitenhiebe zu betrachten, die aber nicht immer nur auf Zombiefilme getrimmt wurden. So wird z. Bsp. auch das etwas merkwürdige Sehverhalten der Amerikaner auf die Schippe genommen, als ein Videothekenbesucher sich beschwert, warum denn bei seiner "kaputten" DVD oben und unten solche dicken Streifen im Bild sind und natürlich nicht verstehen will, dass diese Vorgehensweise bei Kinofilmen doch ganz normal ist und man ihm daraufhin "Casablanca" empfiehlt, da dieser ja noch keine solchen Streifen hatte. Oder so manch cleverer Gedankengang, wie die Erkenntnis des Videothekars, dass es in Amerika doch eigentlich nur drei gute Zombie-Filme gibt, welche alle Romero gedreht hat. Und so weiter und so fort. Man merkt wirklich zu jedem Zeitpunkt, dass hier spürbare Filmliebhaber am Werk waren, die halt nur noch nicht ganz so dolle im selber Filmemachen sind. Und das muss man dem Streifen dann doch hoch anrechnen.

Des weiteren können sich auch die Splattereffekte sehen lassen. Auch wenn es insgesamt nicht unbedingt viele Gore-Sequenzen zu betrachten gibt, so sind die Vorhandenen aber doch sehr ansehnlich ausgefallen, zumindest für Independent-Verhältnisse Noch schön auf Oldschool getrimmt, dürfte jeder Splatterfan seine Freude daran haben.

Die Darsteller sind dagegen allerdings wieder nicht allzu viel wert. Allesamt Anfänger, die nicht nur völlig übertrieben agieren, sondern auch ihre Figuren in keinster Weise glaubhaft herüberbringen. Aber nun gut, wir wollen bei einem Independent-Film mal nicht so sein.

Fazit: Alles in allem also ein ganz nettes Zombie-Horror-Komödchen, dass vor allem durch seine vielen Insider-Jokes zu unterhalten weiß. Auch wenn die Story keinen Pfifferling wert ist und die Inszenierung an allen Ecken krankt, so dürften sich Filmkenner doch über die ein oder andere Anekdote amüsieren und zu jedem Zeitpunkt merken, dass hier richtige Filmfreaks am Werk gewesen sind, die halt bloß alle noch etwas üben müssen. Wer mal wieder etwas "von Filmfreaks für Filmfreaks" sehen will und dabei seine filmischen Ansprüche auf ein Minimum schrauben kann, der dürfte an "Hide and Creep" durchaus seine Freude haben.

Wertung: 5/10 Punkte

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