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Ich hatte vor Besuch des Films einige Bedenken: Wird der Film eine ebensolche biedere und eher lächerliche deutsch-deutsche Vergangenheitsbewältigung wie etwa "NVA"? Oder wird mich ein Bombardement mit Fakten über die STASI und ihre Methoden langweilen? Ich kann es vorweg nehmen: Nichts davon ist eingetreten. Das Kino-Regiedebüt von Florian Henckel-Donnersmarck ist schlicht ein brillanter Mix aus Fakten und Fiktion und für mich die bisher positivste Überraschung im deutschen Film diesen Jahres.

Zur Story: 1985 in Ostberlin: Der Theaterautor Georg Dreyman (Sebastian Koch, "Tanz mit dem Teufel") soll von einem hochrangigen Spitzel der Staatssicherheit namens Wiesler (Ulrich Mühe) auf staats- und parteifeindliche Aktivitäten hin überwacht werden. Mit zunehmender Dauer entwickelt aber der vereinsamte Wiesler Verständnis für Dreymans künstlerische Freiheit und unterlässt es einige Male, Meldung zu machen. Die Lage und der Gewissenskonflikt spitzt sich zu, als Dreymans Schauspielerfreundin Christa (Martina Gedeck, "Elementarteilchen") Wind von einem staatskritischen Manuskript bekommt, welches er im Westen beim "Spiegel" veröffentlichen will. Wird Dreyman ebenso wie einige seiner Freunde ein nervenaufreibendes 48-Stunden-Verhör und anschließende Inhaftierung sowie Berufsverbot über sich ergehen lassen müssen?

In "Das Leben der Anderen" mixt Regisseur Florian Henckel-Donnersmarck Fakten und Fiktion und liefert einen packenden Thriller und eine realistische Vergangenheitsbewältigung gleichzeitig ab. Die Reduzierung auf diesen Einzelfall dokumentiert die Methoden der Stasi, während sich zwischen den Figuren die ohnehin angespannte Situation zuspitzt. Die Beziehung von Christa und Dreyman wird durch ihren Tablettenmißbrauch und seine auf Gerechtigkeit bedachte Gesinnung auf eine Probe gestellt, während Oberleutnant Wiesler am System und seinen Instrumentarien sowie an seinem übermäßig pflichtbewussten Leben zu zweifeln beginnt. Zu der intensiven Charakterstudie gesellt sich die spannende Thrillerhandlung, welche zusehends an Brisanz gewinnt und durch mit eindringlicher Musik unterlegte, teils hoch dramatische Passagen (hier sei nur der Selbstmord Christas erwähnt) mit viel Zeitkolorit in ihrer Intensität zunimmt. Zahlreiche Farbfilter tun für die bedrückende Stimmung ihr Übriges.

Fazit: "Das Leben der Anderen" ist endlich einmal wieder großes Kino made in Germany. Die Darsteller sind durch die Bank brillant, die bedrückende Atmosphäre stimmig und realistisch nachgezeichnet. Einzig das etwas zu platte Ende des Films trübt ein wenig das Vergnügen. Aber sonst: Eine klare Empfehlung. Anschauen!

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