Review

Vogelfrei

Filme über Freundschaften gibt es wie Sandkörner am Meer. Doch wirklich gute kann man, fast wie mit Freundschaften selbst, an einer Hand abzählen. Besonders, wenn Freundschaft wirklich das Hauptthema sein soll. "Ein Freund von mir", vom mehr als talentierten "Victoria"-Regisseur Sebastian Schipper, kann man in dieser Kategorie durchaus empfehlen. Auch gegen internationale Konkurrenz. Die melancholische Komödie (oder das witzige Drama, ganz wie man es sehen will) handelt von zwei vollkommen unterschiedlichen Männern, die sich zufällig kennenlernen und überraschend freundschaftlich annähern, ergänzen, voneinander lernen.

Zwischendrin noch eine bezaubernde Frau, ein paar geklaute Autos und locker-unaufdringliche Lebensweisheiten, doch im Grunde ist es ein Two-Man-Show der Freundschaft, des Spaß am Leben, der Unterstützung und Überraschung. Daniel Brühl und Jürgen Vogel geben ein köstliches Pärchen ab und es gibt keine Sekunde, in denen man ihnen ihre Figuren wie Freundschaft nicht abkauft. Beide nehmen ihre Charaktere vollkommen ernst, lassen Sie nie zu Karikaturen verkommen. Frau Timoteo bezaubert nicht nur die beiden und im manchen Situationen ist die Lebensfreude spürbar und ansteckend. Kein Ausnahmefilm oder einer, den man nie vergisst, doch das Thema Freundschaft muss man erstmal dezenter und treffender einfangen. Und spätestens mit dem einfühlsamen, besonderen Soundtrack zeigt Schipper seine Extraklasse.

Fazit: "Ein Freund von mir" ist zwar nie auf dem Niveau von "Victoria" oder "Absolute Giganten", doch die sympathische deutsche Dramödie punktet mit zwei sich perfekt ergänzenden Hauptdarstellern, einem feinen Soundtrack und seinem befreienden Blick auf das Wesentliche im Leben. Enthemmt und erhellend.

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