Warum alle Welt "A River runs through it" abfeiert, werde ich wohl nie begreifen.
Klar, Redford hat hier einen poetischen, ruhigen Film inszeniert, der sich an Lebensphilosophie versucht und wunderschön komponierte Natur- und Angelszenen bietet, das sagen alle. Da stimme ich zu. Aber der Rest?
Wer sich also auf halber Strecke ein herzhaftes Gähnen nicht verkneifen kann, ist total richtig, denn Redford verzichtet vollends auf so etwas wie eine spannende Geschichte und konzentriert sich wohl auf die Bilder, was aber keine gute Wahl war.
Quintessenz der Geschichte am Ende ist eben, daß man manche Menschen zwar ein Leben lang kennt oder zu kennen scheint, in ihnen doch immer das gewisse Maß an Unberechenbarkeit lauert. Etwas, daß man eben nicht versteht, nicht erklären kann und auch niemals ausgesprochen wird.
Das ist soweit schön, nur leider folgt das Buch dieser Idee konsequent: weder erhält man für diverse Verhaltensweisen im Film eine Erklärung, so seltsam und blödsinnig sie auch sein mögen, noch werden uns diese überhaupt gezeigt. Der Naturalismus der Erzählform hängt so sehr an der Figur des Erzählers (dargestellt von Craig Sheffer), daß wir nur sehen, was auch er gesehen hat. Daß der Film damit fast sämtliche interessanten Bilder nur nacherzählt, ist die unschöne Folge.
Wir sehen also vieles nicht, weder den Krieg, noch den finalen Mord an Pitt. Wir müssen auf dessen Schwierigkeiten im Leben und mit Schuldnern verzichten und ebenso auf das Zusammenkommen von Sheffer und seiner zukünftigen Frau.
Was wir sehen, ist die zarte Annäherung - doch was den Reiz für seine Frau ausmacht, bleibt irgendwie unerzählt. Stattdessen erhalten wir eine unwichtige Nebengeschichte mit seinem zukünftigen Schwager, die aber viel Zeit einnimmt. Pitts schwieriger Charakter verschwindet fast unter der Tatsache, daß er meist nur ein entschuldigendes Strahlen aufsetzt und Dramatik wird reihenweise verschwendet.
Eine besonders sinnfreie Szene sieht Norman, Jessie, Paul (Pitt) und seine indianische Freundin in ein Lokal gehen, wo Indianer nicht gern gesehen sind. Die Dame ist widerspenstig, die Gäste unfreundlich, sie trinkt derbe und tanzt heiß. Irgendwie erwartet man als Zuschauer eine Reaktion: einen kleinen Aufstand, ein Nachspiel, eine Prügelei? Nichts! Beide landen irgendwann in der Ausnüchterungszelle und kurz darauf ist die Dame verschwunden und ward nicht mehr gesehen. Von solchen Ausfällen wimmelt der Film und es ist schwer, da über volle zwei Stunden das Interesse aufrecht zu erhalten.
Wobei die schauspielerischen Leistungen durchaus stimmen. Pitt ist erntefrisch, während Sheffers Eckigkeit kaum stört, Skerritt ist solide, nur Lloyd ist ein wenig zu kurz gekommen.
Darüber hinaus gibt es zwar diverse Angelszenen, doch was das mit Lebensphilosophie und dem restlichen Kontext zu tun, verrät Redford nicht. Hier darf selbst mitgedacht werden, falls einen der Schlaft nicht schon holt.
Den Fans wird das gleich sein, doch schöne Bilder können nicht eine brauchbare Geschichte ersetzen. Als kurioses Gegenüber kann man da übrigens Pitts "Legenden der Leidenschaft" sehen, der genau andersrum vorging. Neben schönen Bildern und einer zum Überlaufen prallen Geschichte wurde so viele klebrige Klischees serviert, daß man es kaum verdauen kann.
This is a silent one - do not disturb! (4/10)