Böse, schwarz und abgründig muß er sein – der britische Humor!
Das bringt die besten Ergebnisse und wenn man hört und sieht, wie Rowan Atkinson und Kristin Scott Thomas eine mörderische Haushälterin in Gestalt von Maggie Smith unter ihrem Dach beherbergen, dann klingt das schon mal wie eine gute Mischung.
In letzter Zeit versorgten die Briten uns ja mehr oder minder erfolgreich eher mit ähnlich aufgebauten Komödien rund um Außenseiter, die ihre Umwelt mit bisher unentdeckten Talenten verblüffen (Ganz oder gar nicht, Calendar Girls, Über kurz oder lang, Lucky Break, Greenfingers, Saving Grace), dafür geriet der abgründige Humor ein bisschen in den Hintergrund.
Mit „Keeping Mum“ (der deutsche Titel „Mord im Pfarrhaus“ ist ebenso banal wie unzutreffend) hält das große Talent der Insulaner wieder Einzug in unseren Kinos.
Was soll man sagen: ein Film, den man pflegeleicht und rundum genießen kann, um einfach gepflegt abzulachen, wenn man nicht eine Überdosis „harmlos“ eingeworfen hat und „Political Correctness“ für eine unabdingbare Voraussetzung für den Filmgenuss hält.
Die Story ist dabei so simpel wie effektiv: eine eigentlich disfunktionale Familie in einem britischen Kuhkaff (57 Einwohner, Tendenz fallend….) kommt mit ihren internen Problemchen nicht klar! Der Vater und Vikar und ist nicht durchsetzungsfähiger Langweiler, die Mutter sexuell unterversorgt, die Tochter mit 17 vergleichsweise promiskuitiv und der etwa zwölfjährige Sohn ein Weichei!
Enter Maggie Smith, die nach 43 Jahren Einkastelung entlassene Gatten- und Geliebtemörderin, die sich um eine Haushaltsstelle in diesem ach so perfekten Landlebenfamilienheim bemüht hat und von da an nichts unversucht lässt, um diese Idylle aufrecht zu erhalten. Als erstes wäre da der ständig kläffende Hund des Nachbarn…
Ich kann leider nicht konstatieren, dass das Drehbuch irgendwelche wirklichen Finessen oder Überraschungen serviert, im Gegenteil, das Geschehen läuft ebenso vorhersehbar wie amüsant ab. Natürlich werden alle Familienmitglieder gehörig umgekrempelt, weil alle ihre Probleme und Problemchen drastisch aber unbemerkt aus dem Weg geräumt werden. Gegen solche Einfachheiten ist natürlich nichts einzuwenden, aber ein paar überraschende Wendungen hätten dem Film schon gut getan.
Negativ anzumerken wäre auch, dass der Film vergleichsweise gleichförmig vor sich hinplätschert, weder kommt es zu merklichen Steigerungen in Bösartigkeit oder Tempo, noch gibt es sonstige Höhen oder Tiefen. Es fehlt an der absoluten Überspitzung, um aus einem „schwarzen“ Film einen fiesen Klassiker zu machen. Es fehlt an Highlights und Aha-Momenten, was aber nicht heißen soll, man würde sich langweilen – manchmal kann auch Konsequenz und Folgerichtigkeit eine Menge Spaß machen.
Dennoch hat man eher das Gefühl, es handele sich um ein für das Kino aufgeblasene TV-Mini-Serie, für den großen Saal erwartet man auch irgendwie mehr Größe.
Von den Spielanteilen gehört der Film eindeutig Kristin Scott Thomas, auch wenn die denkwürdigen Szenen und die besten Zitate zugunsten der ehrwürdigen Maggie Smith gehen, die, 71jährig, diesen Film wie ein Altersgeschenk serviert bekommt. Mit großmütterlicher Fürsorge meuchelt sie sich durch die Notwendigkeiten und hat doch immer die Sympathie auf ihrer Seite. Wenig aufsehenerregend die Rolle Rowan Atkinsons, dessen gewohnte Ungeschicksmanierismen nicht so ganz zum Rest passen wollen, ein sonst aber noch eindimensionalere Rolle ein wenig aufwerten. Was aber trotzdem bedeutet, dass die Rolle ein wenig „trocken“ ist.
Die Läuterung der Kinder dagegen ist kaum im Film begründet, weder erhält man eine Erklärung für die Läuterung der Tochter, noch kann die „Lösung“ für den Jungen wirklich überzeugen, obwohl es wohl nur in England möglich ist, fünf Klassenbullis die Fahrradbremsen durchzuschneiden und sie so zu spektakulären Unfällen zu provozieren.
Eine besondere Erwähnung noch für Patrick Swayze, dessen schmieriger Golflehrer dermaßen over the top ist, daß man sich vor Freude und Ekel gleichzeitig im Sessel windet.
Aber es muß ja nicht immer Hollywoodglamour sein, in punkto Treffsicherheit und Bissigkeit kriegt man so etwas heute eben nur noch selten zu sehen und wer herzhaft hämisch ablachen möchte, kann dies hier lockere anderthalb Stunden gemütlich tun, wenn man bereitwillig im Hinterkopf behält, dass dieser Film in punkto Kontruktion, Aufbau und Spannungskurve Klassikern wie „A Fish called Wanda“ nicht das Wasser reichen will.
(7/10)