Rowan Atkinson ist wieder da! Nachdem er sich, aufgrund der (ungerechtfertigt) schlechten Kritiken für seinen letzten Film "Johnny English", für einige Zeit aus dem Filmbusiness zurück gezogen hatte, ist er jetzt wieder da, natürlich wieder mit einer Komödie. Und dieses mal sollte es sogar eine der ganz Bissigen werden. Denn "Mord im Pfarrhaus" ist eine durch und durch britische Kriminalkomödie geworden, so wie sie im Buche steht und wie sie Britcom-Fans lieben.
"Mord im Pfarrhaus" erzählt die kleine aber feine Geschichte des britischen Dorf-Pastors Walther Goodfellow bzw. eher die seiner Frau Gloria. Denn diese ist von dem idyllischen Landleben genervt. Die Nachbarstöle lässt sie keine Nacht mehr ruhig schlafen, ihre Tochter benimmt sich alles andere als wie die Tochter eines Geistlichen, ihr Sohn wird ständig auf dem Schulhof verprügelt und mit ihrem Mann ist im Bett absolut nichts mehr zu wollen. Also bandelt sie eines Tages mit dem schmierigen Ami Lance an. Doch dann taucht plötzlich die merkwürdige Haushälterin Grace auf, die das Leben der Goodfellows tüchtig auf den Kopf stellt und dies teilweise mit mörderischen Argumenten. Ja, "Mord im Pfarrhaus" hat eigentlich wirklich alles, was man von einer britisch-deftigen Krimikomödie erwarten kann. Es gibt herrlich überzogene Figuren, eine Prise Mystery und Humor der absolut schwärzesten Sorte.
Und vor allem der Humor ist es, der den Inhalt bestimmt. Denn dieser ist wirklich so britisch, wie man es sich nur irgendwie vorstellen kann. Ein schwarzer Gag jagt den Nächsten, einer trockner als der andere. Unliebsame Figuren werden da mir nichts dir nichts um die Ecke gebracht, Kinder dürfen schon mal mit defekten Bremsen am Fahrrad einen Straßengraben hinunter fahren, Witze über Gott und die Kirche kommen auch nicht gerade selten vor (herrlich: die (leider noch fiktive) Internetseite namens "Kichern mit Gott") und Rowan Atkinson wird als "hübscher Mensch" bezeichnet. Dazu all die kauzigen Macken und Kanten, übervoll mit den typisch britischen Klischees, die hier aber so genüsslich ausgebadet werden, dass man aus dem Schmunzeln und manchmal sogar aus dem richtigen Lachen nicht mehr herauskommen mag. Zwar können nicht unbedingt alle Witze zünden, gerade in den anfänglichen Minuten wirken manche Jokes arg gedrückt und so mancher Witz wirkt auch irgendwie unnötig auf "schwarz" gezwungen, aber spätestens wenn Lance der Haushälterin Grace, aus versehen, ein verlockend sexistisches Angebot macht und diese das wieder erwarten sogar gerne annehmen würde, lacht sich der Zuschauer wieder schief vor Lachen.
Dazu dann eine feine Prise Krimi, die hier aber wirklich nur dezent eine Randerscheinung bleibt. Durch das Intro, in welchem die 47 Jahre jüngere Grace von der Polizei verhaftet wird, da sie ihren Mann und dessen Liebhaberin auf dem Gewissen hat, weiß der Zuschauer sofort, mit wem es hier die Familie Goodfellow zu tun bekommt. Zwar gibt es zum Ende hin schon noch ein paar kleinere Überraschungen, aber eine wirklich robuste Krimihandlung wird nicht geboten und hätte auch sicher überhaupt nicht gepasst.
Richtig getragen wird die, genauso schlicht wie passend inszenierte, Krimikomödie allerdings vor allem durch ihre großartigen Schauspieler, die hier wirklich allesamt eine wunderbare Leistung abliefern. Da hätten wir als erstes Rowan Atkinson, der sich hier wirklich schön zurückhaltend verhält und in seiner Rolle des Dorfpastors niemals in seine Mr. Bean-Kiste rutscht. Seine Darstellung ist herrlich schlicht und vielleicht gerade deshalb auch so umwerfend komisch ausgefallen. Dazu Kristin Scott Thomas, als geplagte und sexuell frustrierte Hausfrau und Mutter, die auf einen herrlich schmierigen Patrick Swayze hereinfällt, der sich hier wirklich wunderbar selbstironisch gibt und dadurch zwar alle Ami-Klischees bedient, diese aber ebenfalls genüsslich durch den Kakao zieht. So ein schleimiges Ekel gab es jedenfalls selten in einer britischen Komödie zu sehen.
Ein ganz besonderes Lob gebührt allerdings der guten Maggie Smith, bekannt als Minerva McGonagall aus den Harry Potter-Verfilmungen, die hier wirklich eine grandiose Leistung, als Haushälterin mit dem leichten Hang zum Mörderischen, abgibt. Ihre vielschichtige Rolle stellt sie wirklich mit unglaublich viel Liebe zur Figur da und kann sowohl die herrlich stramme Fassade der liebenswürdigen Haushälterin, als auch die der kaltblütigen Mörderin ideal vermischen und darstellen. Wirklich eine unglaublich gelungene Leistung, die man sich kaum von jemand anderes hätte vorstellen können. Gut so!
Fazit: Rabenschwarze und wirklich herrlich komische Britcomedy mit Krimitouch, die vor allem durch ihre herrliche Story, den schräg-kauzigen Charakteren, sowie einem bitterbösen Joke nach dem Anderen, aufs trefflichste unterhalten kann. Auch wenn nicht jeder Witz sitzt und manches etwas gezwungen "schwarz" wirkt, so können doch vor allem die wunderbaren Darsteller diesen Film zu einer richtig guten Komödie machen. Wer auf den typisch britischen, trocken-bissigen Humor steht und mal wieder eine durch und durch britische Comedy sehen will, der darf sich "Mord im Pfarrhaus" jedenfalls nicht entgehen lassen. Die Briten sind in Sachen Humor eben immer noch die Besten!
Wertung: 7,5/10 Punkte