Da ist er mal wieder. Britischer Humor hat sich in den letzten Monaten im Kino ziemlich rar gemacht, doch „Mord im Pfarrhaus“ hat es dagegen in sich. Die Besetzung spielt großartig und der Humor könnte schwärzer nicht sein – nur fehlt dem etwas biederen Film etwas die erfrischende Originalität im Mittelteil.
Zur Story: In den 60er Jahren: Die schwangere Rosemary Jones transportiert auf einer Zugfahrt in einem Koffer die Leichen ihres Ehemannes und dessen Geliebter. Das Verbrechen wird entdeckt und Rosemarie für Totschlag ins Gefängnis gesteckt. 43 Jahre später steht bei Pfarrersfrau Gloria Goodfellow (Kristin Scott Thomas, „Der englische Patient“) die resolute Grace (köstlich: Maggie Smith) auf der Türschwelle, die sich als Haushälterin um das leibliche Wohl und den Zusammenhalt der Familie kümmern soll. Doch alsbald häufen sich auch hier, in der 57 Seelen zählenden Gemeinde Little Wallop, die rätselhaften Vorfälle um verschwundene Mitbürger…
Nach einer herrlich lakonischen Exposition in guter alter Krimi-Manier baut der Film leider etwas ab. Im Mittelteil gerät „Mord im Pfarrhaus“ leider zu ereignisarm und geschwätzig. Erst gegen Ende, als die wahre Identität von Grace gelüftet wird (inklusive einer überraschenden Wendung), gewinnt der Plot an Fahrt, sprüht geradezu vor diabolischen schwarzem Humor und häuft einen beachtlichen Leichenberg an. Maggie Smith („Gosford Park“) spielt zum Niederknien elegant und trocken die ältere Dame mit Mord als Hobby. Die übrigen Figuren sind indes auch liebenswürdig und schrullig zugleich gezeichnet: Da hätten wir die entnervte und sexuell frustrierte Gloria, ihren trotteligen Vikar-Ehemann („Mr. Bean“ Rowan Atkinson) der den Humor entdeckt, sowie deren flippige Tochter Holly, welche ihre Liebhaber wechselt wie ihre Unterwäsche. In einer Nebenrolle tritt der faltige „Dirty Dancer“ Patrick Swayze als machohafter US-Golflehrer sowie Glorias Liebhaber auf. Dieses Ensemble spielt zuweilen so charmant und hinreißend komisch, dass die relative Substanzlosigkeit des Films bis zur feurigen und temporeichen letzten halben Stunde nicht ins Gewicht fällt.
Fazit: Altmodische Krimi-Unterhaltung mit einer gehörigen Portion trockenen und schwarzen Humors. „Mord im Pfarrhaus“ ist kein ganz großer Wurf, wohl aber ein gelungener Abschlag unter britischen Komödien mit einer großartig aufspielenden Besetzung geworden.