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Rowan Atkinson lockt die Zuschauer ins Kino und anschließend in die Videothek, dabei bekleidet er eigentlich nur eine Nebenrolle. Aber der Ruf eines guten Komikers zieht als Werbeträger für die typisch britische Komödie. Und „Keeping Mom“ ist very british ausgefallen, keine Frage, aber das allein reicht nicht aus, wenn der Biss fehlt und das harmlose Treiben wenig schwarzen Humor aufweisen kann.

Atkinson gibt den begriffsstutzigen Vikar Goodfellow in der idyllisch, ländlichen Gemeinde „Little Wallop“, bestehend aus 57 Einwohnern. Nur mit der eigenen Familienidylle ist es nicht weit her: Mutter schläft bis in die Puppen, leidet unter ausbleibendem Sex und schnappt sich einen amerikanischen Golflehrer. Die nymphoman veranlagte Tochter hat ständig wechselnde Männerbekanntschaften und der Sohn bekommt in der Schule täglich Kloppe.
Da taucht eines Tages die neue Haushälterin Grace auf, die vor über 40 Jahren ihren Gatten nebst Geliebter zerteilt im Koffer mit sich führte, - und ihren großen Koffer hat sie nach wie vor dabei…

…und verschafft der Familie Goodfellow eine moralische Reinigung. Angefangen vom ewig kläffenden Hund des Nachbarn über…nun ja, allzu viele Opfer sind es nicht, denn Grace hat trotz markanter Präsenz durch die herausragende Maggie Smith zu wenig Zeit, ihre als selbstverständlich aufgefassten Mordgelüste auszuleben. Immerhin kann sie als Sympathieträgerin beim Zuschauer landen, da ihre trockene, zynische Art mit sichtlich begeisterter Spiellaune wiedergegeben wird
Leider widmet das überraschungsarme Script den überwiegenden Part der vernachlässigten Ehefrau. Die daraus resultierende Liebschaft mit Golflehrer Lance ist nur in den wenigen Momenten witzig, wenn Patrick Swayze es mit der schmierigen Art übertreibt, etwa, als er mit einem widerwärtigen roten String zu beeindrucken versucht. Kristin Scott Thomas spielt nicht schlecht, aber ihre Rolle lädt nie zum Lachen ein.

Ansonsten setzt die schleppende Inszenierung auf harmlose, biedere und zum Teil furchtbar antiquierte Gags. Atkinson ist als unbrauchbarer Torwart beim Fußball allenfalls müde zu belächeln und seine Rede vor dem Konvent will sich so gar nicht in die Stimmung einfügen.
Ebenso die komplette Figur des Sohnes: Erst wird er geärgert, dann wird den Rüpeln das Fahrrad manipuliert, - nicht wirklich witzig - und am Ende verschwindet er ganz aus dem Drehbuch…

Etwas besser durchdacht sind die Dialoge, manchmal zynisch und so britisch, wie ich es eigentlich erhofft hatte und das Tempo in den letzten 20 Minuten ist auch erfreulich. Aber ohne Maggie Smith und der überzeichneten Figur von Swayze wäre ich insgesamt not amused…
„Keeping Mom“ tut niemandem weh, aber ein komödiantisches Highlight sieht für mich anders aus.
4 von 10 Punkten

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