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Juhu, da ist er wieder, der britische Humor oder besser der fade, einfallslose und alle Klischees müde durchorgelnde Abglanz desselben. Eine sympathische alte Tante mordet sich extrem unkreativ und unrealistisch (Boing, Bratpfanne aufs Haupt... ts, ts, ts) durch ein Konvolut überzeichnet unsympathischer Zeitgenossen. Maggie Smith, eine hochprofilierte britische Schauspielerin, hätte sich diesem Schrott verweigern sollen, obwohl oder gerade weil die Figur der Rosemary so durchsichtig und einfallslos auf ihre Persönlichkeit zugeschnitten ist. Am beeindruckendsten agiert Kristin Scott Thomas und lässt einen um so mehr bedauern, dass diese so natürliche, subtil attraktive wie auch feinfühlige Darstellerin in der Rolle einer sexuell unerfüllten Pfarrersfrau die Sätze eines debilen Drehbuchs abhecheln muss. Es gelingt ihr, sich in ihrer begehrenswert-unaufdringlichen Art zum Mittelpunkt des Geschehens zu steigern - diese Frau will man einfach in besseren Filmen sehen. Rowan Atkinson schwankt auf seltsame Weise zwischen Ernst und Komik. Als Pfarrer, der seine Predigen mit langbärtigen Religionswitzen aufmotzt und sich so in die Herzen von Gemeinde und Kollegenschaft labert, wirkt er seltsam unentschieden, da seine Rolle eigentlich ernst angelegt ist, man aber in manchen Szenen fast mit einer Bean-Grimasse rechnet. Nur peinlich ist die komplett und schamlos als Teenieschlampe angelegte Tochter, deren nahezu einzige Funktion in abwechselndem Typen-Abschlabbern und sich ausziehen besteht. Und dann wäre da auch noch Patrick Swayze, der inzwischen Gefallen an der Rolle des Widerlings gefunden zu haben scheint und so auch hier schleimt und lüstern herumbaggert, daß es keine Freude mehr ist.
Warum hat dieser Mist übrigens eine Freigabe ab SECHS Jahren?? Ist die FSK nun endgültig durchgedreht? Soll hier Grundschulkindern vermittelt werden: "Wenn dich deine Kameraden ärgern, erschlag sie doch gleich oder schneide ihnen zumindest die Bremsschläuche durch"? Z. B. das Bild einer Wasserleiche am Schluß ist Kindern unter wenigstens 12 Jahren einfach nicht zuzumuten. Die überaus perfide Bremsen-Aktion, der in der Realität ein Leben im Rollstuhl für das Opfer folgen würde, wird als Glanzpunkt des ach so britischen Humors hingestellt und könnte die Altersgruppe ab 6 Jahren auch zum fröhlichen Nachmachen animieren. Einfach daneben.
Was noch ganz nett rüberkommt, ist das Wiedererwachen der Beziehung zwischen dem Pfarrer und seiner Frau. Das ist unter scherzhaftem Einbezug der verqueren Vergleiche des "Hoheliedes" geradezu poetisch geraten. Wie katastrophal schlecht so was anderswo sein kann, davon möge man sich in "Wie im Himmel" überzeugen.
Ansonsten hat man in hölzernster Weise alles zusammenrührt, was man für nötig hielt, um das Endprodukt "Typisch-britische-schwarze-Komödie" herauszugepresst zu bekommen. Bei einem solchen Zwangsverfahren kann nichts Anständiges herauskommen. Schade, dass einige Leute (auch unter den hier vertreteten Kritikern) dem Film seine verkrampfte Genreanforderungs-Erfüllerei so hoch anrechnen.
Ein letzter Rüffel an die blöde deutsche Synchronisation. Das englische Wort "vicar" kann man nicht mit "Vikar" übersetzen (wie etwa dreihundertmal in diesem Film zu hören), sondern es entspricht unserem Begriff "Pfarrer". Ein Blick ins Lexikon hätte da geholfen.

Fazit: Billig, klischeehaft und durchschaubar. Eine Enttäuschung mit Ausnahme der großartigen Schauspielerinnen Kristin Scott-Thomas und Maggie Smith und einer malerischen Dorfkulisse.

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