Willkommen in Little Wallop, einem verschlafenen englischen Nest mit gerade mal 57 Einwohnern und willkommen bei unserer gestörten Familie der Woche: Walter Goodfellow, der örtliche Vikar, ist ein gutmütiger Depp sowie ein unverbesserlicher Langweiler und vernachlässigt ob seiner Arbeit Gloria, seine Frau. Diese flüchtet sich in eine Affäre mit Lance, dem schnieken Golflehrer. Holly, die Tochter, ist zwar intelligent, aber auch nymphomanisch veranlagt und wechselt die Freunde häufiger als ihre Unterwäsche. Sohnemann Petey wiederum wird an seiner Schule von den anderen Kindern gehänselt.
Doch die Rettung naht in der Gestalt von Grace Hawkins, der neuen Haushälterin der Goodfellows: Die bringt die Dinge in Ordnung, geht dabei aber sprichwörtlich über Leichen: Dass sie dem Vikar humor- und liebestechnisch auf die Beine hilft und Holly eine Lektion über Männer beibringt, mag ja noch angehen, aber sie manipuliert auch die Bremsen an den Fahrrädern von Peteys Peinigern, was in einem unschönen Unfall mündet; ferner muss der ständig kläffende Hund des Nachbarn dran glauben, danach der Nachbar selber. Als nächstes gerät Lance in Mrs. Hawkins’ Visier und da ist ja noch Mrs. Parker, die neugierige Nachbarin. Gloria und Holly finden indes heraus, dass sie sich mit der Haushälterin eine verurteilte Mörderin und langjährige Insassin einer Irrenanstalt ins Haus geholt haben, die keinesfalls so harmlos ist, wie sie wirkt. Die grösste Überraschung folgt aber noch…
KEEPING MUM kommt daher als die englische und etwas nettere Version von John Waters genialem SERIAL MOM. Die Scherze sind harmloser und das Ganze löst sich weitaus versöhnlicher auf, der beissende Zynismus des genannten Streifens liegt in weiter Ferne. Dennoch, auch KEEPING MUM empfiehlt sich nicht unbedingt als Komödie für die ganze Familie, dafür als unterhaltsames Beispiel für schwarzen englischen Humor (wenngleich anzumerken ist, dass es mit Sicherheit bösere und gewitztere solche gibt).
Rowan Atkinson (THE BLACK ADDER, HOT SHOTS! PART DEUX, JOHNNY ENGLISH) erinnert als leicht vertrottelter Gottesmann an eine gebremste Version seiner Paraderolle als Mr. Bean (natürlich ist er dennoch äusserst sympathisch), die Hauptrolle hat aber eh Kristin Scott Thomas (BITTER MOON, THE ENGLISH PATIENT) als Gloria inne. Die überzeugt als verzweifelte Hausfrau am Rande des Nervenzusammenbruchs und trägt den Film ebenso wie Maggie Smith (CLASH OF THE TITANS, A ROOM WITH A VIEW, HARRY POTTER) als resolute Bewahrerin des Familienglücks. (Wobei letztere doch ein wenig zu zierlich und gebrechlich wirkt, um ihr die Mörderin einfach so abzunehmen.)
Grandios ist Patrick Swayze (RED DAWN, DIRTY DANCING, GHOST, DONNIE DARKO) als amerikanischer Sunnyboy und Hausfrauenverführer Lance; der ist ein herrlich selbstverliebtes, versautes und lüsternes Ekel (er betätigt sich gar als Spanner und filmt Holly heimlich beim Umziehen). Er lässt es sich übrigens auch nicht nehmen, im Tanga aufzutreten, aber Warnung: Zwar ist er augenscheinlich immer noch körperlich fit, aber nichtsdestotrotz recht gealtert!
Besonders brutal ist die Sache natürlich nicht; der (eher unbekannte) Regisseur Niall Johnson (THE BIG SWAP) lässt die Kamera in den Mordszenen immer schon wegdrehen, Blut fliesst keines und schlussendlich gibt’s nur ein paar vereinzelte und verhaltene Blicke auf die diversen Leichen. Ansonsten ist der Film angenehm fürs Auge und die visuelle Gestaltung recht dynamisch aber unauffällig; ungefähr das Gleiche gilt auch für den zurückhaltenden Score von Dickson Hinchliffe (der bisher auch durch keine grossen Arbeiten aufgefallen ist).
Letzte Worte: KEEPING MUM ist unterhaltsame und hübsch schwarzhumorige englische Kost mit guten schauspielerischen Leistungen, aber nicht besonders herausragend. Kann man sich gut anschauen, aber ein must see isses nicht. Einen Mord im Pfarrhaus gibt es übrigens keinen einzigen...