"Sie können doch nicht einfach Leute umbringen, nur weil die Ihnen überhaupt nicht gefallen!"
Der Pfarrer Walter Goodfellow (Rowan Atkinson) von Little Wallop ist mit seinem Job übermäßig beschäftigt. Die Folge daraus ist die Vernachlässigung seiner Familie. So entgeht ihm, dass seine Ehefrau Gloria (Kristin Scott Thomas) eine Affäre mit dem attraktiven Golflehrer Lance (Patrick Swayze) hat, seine nymphomane Tochter Holly (Tamsin Egerton) ständig ihre Freunde wechselt und sein Sohn Petey (Toby Parkes) von Schulkameraden unterdrückt wird. Als die Familie die Haushälterin Grace Hawkins (Maggie Smith) engagiert, sorgt sie für ausgeglichene Verhältnisse... und geht dafür über Leichen.
"Mord im Pfarrhaus“ präsentiert sich als Komödie mit minimalen Krimiversatzstücken, welche das Prädikat "very british“ durchaus verdient. Der Witz bewegt sich im typisch trockenen Bereich, schlägt aber auch über die Grenzen zum bissigen schwarzen oder niveaulosen Humor.
Nach dem gelungenen, in der Vergangenheit spielenden Vorspann verliert der Film erst mal merklich an Fahrt. Nicht jeder Gag will wirklich zünden, was teils daran liegen mag, dass einige Späße etwas zu bemüht und konstruiert wirken oder weit unter die Gürtellinie greifen. Die zumeist bissigen Dialoge wissen hingegen zu gefallen und auch der trockene britische Humor ist immer wieder präsent. Der eigentlich im Vordergrund stehende schwarze Humor kommt jedoch oftmals einen Tick zu harmlos daher. Die erste Hälfte wirkt von ihrer Inszenierung etwas schleppend, dies bessert sich aber mit zunehmender Laufzeit.
Die sensibel erzählte Geschichte um die zerbrechende Familie, die wieder zueinander findet, hält keinerlei Kniffe und nur wenige Überaschungen parat. Durch die weitestgehende Vorhersehbarkeit erscheint der Film stellenweise langwierig, fängt längere Stolperfallen aber durch Unterhaltsamkeit ab.
Nicht immer sind die dargelegten Lösungen der Probleme innerhalb der Familie nachvollziehbar. Denkbar einfach erscheinen manche Lösungshilfen, was zum Verlust der Ernsthaftigkeit der Krimikomödie führt und auch deren Figuren belastet. Denn nach der Beseitigung der Probleme offenbart sich manches Klischee einer Figur, weitere scheiden völligst aus der Handlung aus.
Letztendlich bietet "Mord im Pfarrhaus“ nicht weiter viel was zur Unterhaltung beiträgt. So halbgar und glatt geschliffen manch ein Witz eingesetzt wird, so brav fällt letztlich auch die Moral des Films aus. Probleme sind einfach zu lösen wenn jemand "Drittes" für Überschaubarkeit und Einlenkung sorgt. Gleichfalls ist es im Grunde nicht weiter schlimm sich von lästigen Personen zu entledigen. Man sollte dabei aber bedenken, dass dies womöglich zu neuen "Herausforderungen" führt. Eine relativ grobe und angstfreie Aussage.
Auffällig bei der britischen Komödie sind die namhaften Darsteller, die fast ausnahmslos aus britischen Schauspielern besteht. Rowan Atkinson ("Mr. Bean", "Johnny English") steht hier sicher nur als Werbefigur Pate, denn sonderlich viel trägt er als verträumter Pfarrer nicht bei. Seine Figur ist dafür zu blass geraten. Definitiv erhaben agiert Maggie Smith ("Harry Potter"-Saga, "Sister Act 1 & 2"). Ihrer Spielfreude ist es zu verdanken, dass der Zuschauer nie die Sympathie zu ihr verliert.
Patrick Swayze ("Fackeln im Sturm", "Dirty Dancing") und Kristin Scott Thomas ("Mission: Impossible", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall") vermitteln ihre Figuren glaubhaft und bescheiden.
Eine nette Dreingabe ist Emilia Fox ("Cashback"), die als noch frisches Gesicht die Handlung augenzwinkernd eröffnen darf.
Wirklich inspiriert, innovativ oder energiegeladen ist "Mord im Pfarrhaus“ nicht gerade. Trotzdem finden sich ab einer gewissen Laufzeit recht unterhaltsame Abschnitte, die kurzweilig für Heiterkeit und Schadenfreude sorgen können. Gesamt gesehen ist die Krimikomödie allerdings zu veraltet. Allein der mehr als 10 Jahre davor liegende "Mrs. Doubtfire" bietet bereits im Bereich der Familienkomödien mehr. Vielleicht nicht im Bezug auf schwarzen Humor, definitiv aber im Inhalt. Etwas mehr Biss hätte dem Film sicherlich gut getan.
4 / 10