Sowohl der Stoff von H.G. Wells als auch dessen klassische Verfilmung ist in mehrfacher Hinsicht kulturhistorisch interessant: Neben der technischen Faszination einer Reise durch die Zeitdimension spricht aus der Handlung einerseits deutlicher Kulturpessimismus, wie er eher für die heutige Zeit typisch ist. Andererseits wird eben das wiederum von einem in früheren Zeiten üblichen Kulturchauvinismus konterkariert.
George - von Rod Taylor sehr glaubhaft verkörpert - hat eine Zeitmaschine erfunden und will sie seinen Wissenschaftler-Kollegen präsentieren. Völlig erschöpft und in heruntergekommener Kleidung erscheint er verspätet zu seiner eigenen Einladung, hat aber trotzdem noch Zeit gefunden, Modell wie Original luxuriös mit roten Samtpolstern und vergoldeten Schnörkeln als Gesamtkunstwerk auszustatten: eine aus heutiger Sicht amüsante Reminiszenz an den Symbolismus früherer Zeiten, der ein "standesgemäßes" Äusseres für mindestens so wichtig erachtete wie die innere Substanz.
Die Kollegen sind "not amused": Sie halten das in der Zukunft verschwindende Demonstrationsobjekt für einen Taschenspielertrick und zweifeln an Georges Verstand. Der tritt darauf hin ganz alleine seine erste Reise in die Zukunft an, in der er zunächst technischen Fortschritt, dann aber die Zerstörung der Erde durch einen Atomkrieg erlebt.
George flieht aus dem Kriegschaos weiter in eine sehr ferne Zukunft: in das Jahr 802701. Hier trifft er Menschen, die auf den ersten Blick wie im Paradies zu leben scheinen: die Elois. Alle sind jung und gesund, keiner arbeitet, man vergnügt sich in einer schwelgerischen Natur und isst an fertig gedeckten Tischen köstliche Früchte. Aber diese Menschen zeigen eine absonderliche Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit: als eine der Frauen zu ertrinken droht, rührt keiner ihrer Genossen auch nur einen Finger. Man vergnügt sich unmittelbar daneben weiter, als ob gar nichts wäre. George rettet die junge Frau, worüber Weena - so heisst die von Yvette Mimieux bezaubernd naiv gespielte Schönheit - sich sehr erstaunt zeigt. Mühsam kommt George mit ihr ins Gespräch und erfährt allmählich mehr über das Leben der Elois.
Im Lauf hunderttausender Jahre hat sich die Menschheit in zwei unterschiedliche Arten gespalten: die Elois, die an der Erdoberfläche leben, und die Morlocks, die sich nach der atomaren Zerstörung der Erde in unterirdische Gewölbe zurückgezogen haben und zu Menschenfressern wurden. Sie "arbeiten" mit ihren Maschinen für die Elois, versorgen sie mit Nahrung und Kleidung - aber nur, um sie in regelmäßigen Abständen mit einem Sirenenton zu paralysieren, in ihre unterirdischen Gewölbe zu locken und dort zu verspeisen: nichts weiter als eine Art gezüchtetes Schlachtvieh.
Als Weena auf eben diese Weise in die Hände der Morlocks gerät, nimmt George den Kampf gegen die schauderhaften Wesen auf und befreit Weena und ihre Genossen aus den Händen der Morlocks. Es gelingt ihm, die Welt der Menschenfresser in Brand zu setzen und ihre Gewölbe zu zerstören. Er selbst kann sich aber nur vor den Unholden retten, indem er mit seiner Zeitmaschine wieder zurück in seine eigene Zeit flieht: gerade rechtzeitig zum nächsten, vereinbarten Treffen mit seinen Wissenschaftler-Kollegen.
Die glauben ihm seine fantastisch anmutende Geschichte aus der Zukunft nun erst recht nicht und halten ihn für vollends übergeschnappt - bis auf einen, der sich von einer - mitten im englischen Winter eigentlich unmöglichen - tropischen Blüte überzeugen lässt, die Weena George als eine Art Talisman zugesteckt hat.
George kehrt daraufhin enttäuscht seiner Zeit endgültig den Rücken, um zu den Elois - und natürlich Weena - zurückzukehren und ihnen zu helfen, ihr Leben selber in die Hand zu nehmen. Der Zuschauer erlebt das nur noch aus der Sicht des zurückgebliebenen Freundes Filby, der bei der Suche nach George in dessen Labor das Verschwinden der Zeitmaschine und dreier Bücher unbekannten Inhalts aus seiner Bibliothek feststellt. Nachdenklich stellt er die Frage: "Welche drei Bücher hätten Sie mitgenommen?"
Hier zeigt sich der Kulturchauvinismus: denn um diese Frage zu beantworten, müsste man aus heutiger Sicht erst einmal fragen, was man selber über die fremden Elois erst noch alles wissen müsste, um herauszufinden was sie brauchen - nicht, was wir für essenziell genug halten, um es ihnen überzustülpen, nachdem wir sie schon in reichlich unreflektierter, schwarzweiss moralisierender Weise von der anderen Seite ihrer Kultur "befreit" und dabei mal eben ihre Lebensgrundlage zerstört haben.
Aber das ist die Sichtweise des beginnenden, dritten Jahrtausends, nicht die von H.G. Wells, und auch nicht die des Films von 1960, der im Übrigen spannend inszeniert ist und auch was für's Herz bietet.