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Die 1960 erschienene H.G.Wells-Verfilmung DIE ZEITMASCHINE ist ein Klassiker des Science-Fiction-Genres. Regisseur George Pal, der zuvor auch schon den Wells-Roman “War of the Worlds” als Produzent verantwortete, legte gesteigerten Wert auf die Spezialeffekte, was man sieht und was dem Film auch einen Oscar in dieser Kategorie einbrachte. Pals Augenmerk auf die Tricktechnik ist keine Überraschung, sieht man sich seine Vita an. In den frühen 1930er Jahren war der gebürtige Ungar Zeichentrickchef der UFA und nach seiner Emigration in die USA machte er sich einen Namen als Schöpfer von ca. 40 Puppentrickfilmen (sog. Puppetoons), die ihm sieben Oscar-Nominierungen (Kategorie Bester Kurzfilm, Cartoon) und einen Ehrenoscar einbrachten. Zu Beginn der 1950er Jahre wandte er sich dann dem Realfilm zu, zunächst als Produzent, später auch als Regisseur.

Die Handlung beginnt am 5. Januar 1900 als der britische Forscher George vollkommen zerzaust zu einem Dinner in seinem Haus erscheint. Danach beginnt seine Erzählung von dem, was er in den vergangenen fünf Tagen erlebt hat. In der Silvesternacht 1899, als der er seinen Bekannten das Modell seiner Zeitmaschine zeigt, nehmen diese ihn nicht für voll. Er wagt daraufhin im Selbstversuch eine Zeitreise. Nach kurzen Zwischenstopps während der beiden Weltkriege und beim Abwurf einer Atombombe landet er schließlich im Jahr 802701. Dort hat sich die Menschheit in zwei Teile aufgespalten. Zum einen in die unterirdisch lebenden Morlocks und zum anderen in die auf der Erdoberfläche lebenden Eloi. Die Eloi zeichnen sich dadurch aus, dass sie alle sehr jung und sehr naiv sind, und von den Morlocks geht Gefahr aus.

Man merkt dem Film an, dass er 1960 gedreht worden ist. Die während des Kalten Krieges vorherrschende Angst vor dem Atomkrieg ist zu spüren. Auch der Fortschrittsglaube, den vor allem George an den Tag legt, wirkt heute ein wenig anachronistisch. Dass der Film noch heute funktioniert hat andere Gründe. Zum einen sind es die liebevollen Details, die den Film ausmachen, das Modell der Zeitmaschine beispielsweise oder wie George anhand einer Schaufensterpuppe die verschiedenen Modetrends des 20. Jahrhundert erlebt und zum anderen sind es die Morlocks, die auch heute noch als Kinderschreck nicht zu verachten sein dürften. Das täuscht zwar nicht darüber hinweg, dass die moralische Überlegenheit, die George in der Zukunft fühlt, ein bisschen daneben ist, macht aus DIE ZEITMASCHINE genauso wie die für seine Zeit überragende Tricktechnik ein kurzweiliges Vergnügen. (8,5/10)

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