Junior Bonner (Steve McQueen) ist ein nicht mehr ganz junger, chronisch abgebrannter Rodeo-Reiter, der mit seinem alten, verdreckten Chevy-Cabrio und seinem Reitpferd im Anhänger von Stadt zu Stadt tingelt, von einem Rodeo zum nächsten: ein aus der Zeit gefallener Vertreter einer im alten, noch "wilden" Westen wurzelnden Subkultur harter Männer, die von der modernen Zeit gnadenlos überrollt wird und inzwischen zur Folklore und Jahrmarktsattraktion verkommen ist.
Der Broterwerb führt Junior Bonner nach langer Zeit wieder einmal in seine alte Heimatstadt Prescott in Arizona, wo er gleich als erstes mit ansehen muß, wie sein Elternhaus - eine kleine Ranch - von Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht wird. Ausgerechnet Junior's Bruder Curly (Joe Don Baker) hat als erfolgreicher Immobilenhändler seinem Vater die Farm für einen Spottpreis abgeluchst, als der mal wieder dringend Geld brauchte...
Junior besucht daraufhin erst mal seine Mutter (Ida Lupino) in ihrem kleinen, gemieteten Häuschen am Stadtrand. Des Vaters Hund liegt davor und knurrt Junior an. Der knurrt unwirsch zurück: "Stell dich nicht so an, ich beiss dich schon nicht!", bemüht sich dann aber doch behutsam und geduldig darum, Zugang zu dem mißtrauischen Tier zu finden, bis ihn die Mutter hereinbittet.
Die beiden alten Leute leben getrennt. Eigentlich lieben sie einander immer noch, aber Elvira hat es aufgegeben, ihrem Ace (Robert Preston) durch sein unstetes, von unrealistischen Träumen und voraussehbaren Abstürzen durchzogenes Leben folgen zu wollen: auch ein Rodeo-Reiter, von dem Junior seine Haltung und Lebensweise übernommen hat und mit dem zusammen er vor langer Zeit seine ersten Rodeo-Erfolge feierte - ein ganz eigener Menschenschlag, untauglich zu einem "normalen" Leben, aber nicht zu ändern. "Kennst du einen, dann kennst du sie alle." Dieser resignierende Schlüsselsatz von Juniors Mutter fällt im Verlauf des Films noch öfter.
Der alte Ace - ein sehr vitaler, lebensfroher, leicht halbseidener Charmeur und Grobian, bei uns in Süddeutschland würde man so einen halb bewundernd, halb tadelnd "Hallodri" nennen - liegt gerade im Krankenhaus: "Mal wieder vom Weg abgekommen" kommentiert es Elvira kurz und trocken. Momentan träumt er davon, nach Australien zu gehen, dort nach Gold zu buddeln und Merino-Schafe zu züchten. Aber das bißchen Unterstützung, das er von seinem Sohn Curly - dem Immobilienhändler - kriegt, reicht noch nicht mal für die Reise dort hin...
Als Junior seinen Bruder besucht, bricht zwischen den beiden der Generationen- und Kulturenkonflikt voll auf. Curly bietet Junior an, in sein erfolgreiches Immobiliengeschäft einzusteigen: "Ich arbeite an meiner ersten Million - du immer noch an deinen 8 Sekunden" (auf die Zeit anspielend, die sich ein Reiter beim Rodeo mindestens auf dem bockenden Tier halten muß). Aber Junior lehnt das brüsk ab: das sei nichts für ihn. Geld bedeutet ihm wenig; er will weiter in seinen Träumen, Sehnsüchten und überkommenen Idealen der alten Zeit leben, egal wie unrealistisch die inzwischen sein mögen. Den Traum des alten Ace, nach Australien zu gehen, kommentiert Curly verächtlich mit einer wegwerfenden Handbewegung und der Bemerkung, er wolle nicht, dass auch noch sein Bruder "so ende wie sein Vater". Junior, der sich doch gerade in solchen Dingen mit seinem Vater identifiziert, fühlt sich dadurch persönlich angegriffen: "Jetzt reicht's" sagt er nur, und befördert Curly mit einem mächtigen Faustschlag hinterrücks durch eine geschlossene Glaswand.
Beim Rodeo will Junior den berüchtigten Bullen "Sunshine" reiten: einen besonders wilden Stier, der einem alten Freund von ihm gehört. Es geht darum, sich gegen ein hohes Preisgeld mindestens acht Sekunden auf dem Rücken der tobenden Bestie zu halten, ohne das Tier dabei mit den Händen oder mit irgendeinem Ausrüstungsteil zu berühren. Junior hat dieses lebensgefährliche Kunststück vor Jahren schon einmal vergeblich versucht; jetzt will er es nochmal probieren. Vorher geht er noch zum Krankenhaus, um seinen Vater zu besuchen; aber der eigenwillige Alte ist inzwischen gegen jeden ärztlichen Rat einfach ausgerissen, weil er sich das Rodeo nicht entgehen lassen will. Er sieht Juniors Wagen und Pferd, schnappt sich das Tier und begegnet seinem verblüfften Sohn damit hoch zu Ross. Es folgt eine Reihe lausbübisch übermütiger Eskapaden, in deren Verlauf die beiden erst zu zweit auf Juniors Pferd sitzend Springreiten durch Vorgärten üben, bis sie alle beide auf dem Boden landen; dann versuchen sie im Rahmen des Rodeos gemeinsam wilde Kühe zu melken, und gewinnen prompt diesen Wettbewerb. Junior ist schließlich auch auf dem Stier "Sunshine" erfolgreich: er hält sich über zehn Sekunden lang auf dem wild bockenden Tier und gewinnt damit den Hauptpreis.
Bei der anschließenden Siegesfeier der Akteure begegnet Junior wieder Curly, noch mit Pflastern im Gesicht wegen seiner unfreiwilligen Exkursion durch die Glasscheibe. Junior bläst die Backen auf: er weiß, jetzt gibt's Zoff. Trotzdem versucht er seinem Bruder erst mal versöhnlich ein Bier anzubieten. Aber der streckt Junior mit einem gewaltigen Faustschlag zu Boden. Junior rappelt sich wieder auf, reibt sich die Wange und fragt seinen Bruder: "Möchtest du jetzt ein Bier? Mit einem kaum merklichen Grinsen im Gesicht nimmt Curly das erneute Versöhnungsangebot an.
Die Auseinandersetzung der beiden bildet derweil den Auftakt zu einer wilden Massenkeilerei jeder gegen alle. Nicht aus Feindschaft, nicht um irgend jemandem zu schaden, sondern als eine rücksichtslos grobe Art gemeinsamen Vergnügens, ohne das eine zünftige Feier in diesem Milieu nur eine halbe Sache wäre. Am besten charakterisiert der alte Ace diesen "Kampf" mit seiner an alle gerichteten Warnung vor seinem Hund, der knurrend und zähnefletschend mitten durch das Getümmel trottet: "Haltet Abstand von meinem Hund, der kämpft unfair!" Der Regisseur (Sam Peckinpah) bildet die Lust-Rauferei liebevoll im Detail ab, schon fast meditativ, wie ein cineastisches Stilleben: eine Massenschlägerei als Gesellschaftstanz.
Junior beteiligt sich nicht daran; er findet es albern und nützt lieber das Durcheinander dazu aus, sich mit der bildhübschen Charmagne (Barbara Leigh) zu einem Schäferstündchen zurückzuziehen. Als die aber mit ihm über eine gemeinsame Zukunft reden will, vertröstet er sie mit einem zärtlichen Abschiedskuss auf später: "Vielleicht, irgendwann, in einer anderen Stadt." Genau wie sein Vater ist auch Junior nicht der Mann, sich zu binden: "Kennt man einen von dieser Sorte, dann kennt man alle".
Zum Schluss sehen wir, wie Junior fast sein gesamtes Preisgeld in einem Reisebüro für einen Flug nach Australien ausgibt: ein Ticket für einen Mann und einen Hund, auszustellen auf Ace Bonner. "Erster oder zweiter Klasse?" "Erster Klasse" entscheidet Junior, nachdem er sich vergewissert hat, dass das Geld dafür reicht. Und auf die Frage, wer als Spender genannt werden soll, antwortet Junior mit einem für den Schauspieler Steve McQueen ganz außerordentlich ungewöhnlichen, weichen, fast zärtlichen Blick, der für sich allein schon das Anschauen des ganzen Films lohnt: "Sagen Sie ihm, es ist von Junior".
"Junior Bonner" war der einzige Film mit Steve McQueen in der Hauptrolle, der unterm Strich Verlust machte. Sehr zu Unrecht: der Film wurde von seinem zeitgenössischen Publikum nur missverstanden. Wer angesichts des Regisseurs Sam Peckinpah und Steve McQueen in der Hauptrolle einen knallharten, blutspritzenden Western erwartete, war einfach nicht offen für das liebevoll-melancholische, nostalgische Grundthema dieses Streifens. Da geht es nicht um Leben oder Tod, auch nicht um Gut und Böse, da fällt kein einziger Schuss, niemand stirbt. Es kommt kaum Spannung auf, die fehlt aber auch gar nicht: Der Film ist kein Reißer, sondern eine bei aller äußerlichen Härte doch poetische Liebeserklärung an eine schon fast untergegangene Lebenswelt.
Steve McQueen soll diesen Film trotz des finanziellen Flops als seine künstlerisch wertvollste Arbeit eingeschätzt haben. Ich denke, er hatte recht damit.