Wie auch die Fernsehserie aus dem Jahr 1972 basiert die Devil Man OVA auf der Mangareihe von Go Nagai, wird jedoch nicht durch das TV-Format in der Expression limitiert. Das Ergebnis lacht den Zuschauer bereits in der Einleitung mit Bildern an, die wie ein primitives Abbild einer Interpretation Hieronymus Bosch‘ von H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythen anmuten.
In der Tat trügt dieser Vergleich nicht, weiht uns diese Episode doch in eine verborgene Welt der Dämonen ein, die zwar für manch mysteriöse Meldung verantwortlich, jedoch im Gros ihrer Population noch im Permafrost schlummern. Man scheut sich nicht, bereits hier die globale Erwärmung als weitläufiges Erwachen dieser urzeitlichen Monstren zu beschwören, geht jedoch leider zu wenig auf diesen Aspekt ein, der auf den humanistischen Botschaften beruhen könnte, welche Go Nagai in einem Essay umreißt.
Devil Man: The Birth beschreibt die Wandlung eines Teenagers reinen Herzens zu einem dämonischen Wesen. Der Ansatz richtet sich im Wesentlichen also an den adoleszenten, männlichen Jugendlichen, der unsicher wie die von juvenilen Delinquenten herumgeschubste Hauptfigur, gerne einer Vorstellung von Unsterblichkeit und Stärke unterliegt. Ein wenig beißt sich die stilisierte Gewaltdarstellung dabei schon mit seiner Zielgruppe.
Bei dem angesprochenen Protagonisten handelt es sich um den Waisen Akira Fudoh, der bei seiner Schulfreundin Miki aufgenommen wurde. Ruppig von seinem alten Kameraden Ryo aufgefordert, weist ihn dieser in die Existenz der dämonischen Anderswelt ein. Devil Man: The Birth erzählt dabei in seinen bummelig 50 Minuten gerade einen Überblick über das Vorgeschehen bis zu Akiras erster Verwandlung, was vielleicht das größte Manko dieser damals noch als einzelnes Video erhältlichen OVA darstellt.
Zeichnerisch zweckmäßig gehalten, gibt es wenig stilisierte Ausbrüche, wohl aber vereinfachte Zwischenbilder, die ihrerseits schon fast eher an Pop-Art erinnern. In ihren zeitgenössisch noch eher grellen als düsteren Farben sind es am ehesten die Dämonen, die das Auge auf sich ziehen. Im Detail zwar nachlässig gestaltete Monstren bestechen durch mannigfaltige Mutationen und Metamorphosen, so daß der Freund des Surrealen hier durchaus auf seine Kosten kommt.
Unbefriedigend jedoch ist, wie man sich hier wohl auf eine Kenntnis des in Japan durch Wiederveröffentlichungen des Mangas und Wiederholungen der Fernsehserie bekannten Devil-Man-Kosmos verläßt, was eine Grundlage dafür zu sein scheint, diesen Ausschnitt als eine für sich stehende Umsetzung genießen zu können. Nichts gibt einen Ausblick darauf, wohin sich der Plot nun insgesamt entwickeln soll. Gleichzeitig wird aber zu wenig Gebrauch von der vorgestellten Dämonenwelt gemacht, die zwar für einen paar markante Splatterszenen herhalten darf, in der stereotypen Superheldengeschichte aber keinen Platz hat, um wirkliches Grausen auszuüben. Diesen Eindruck verstärkt das eigenwillige Figurendesign des Devil Man zudem bedeutend.