Louis Pergaut schrieb seinen Roman Der Krieg der Knöpfe im Jahre 1912. Dass 1994 das Remake der vorliegenden Verfilmung von 1961 und 1954 mit William Goldings Herr der Fliegen ein ähnlicher Stoff um die Anarchie unter rivalisierenden Banden von Pubertierenden, welche sich dem Einfluss von Erwachsenen entziehen entstand, zeigt, wie zeitlos die dargestellte Problematik um den Aufbau einer frühen hierarchischen Gesellschaftsstruktur ist, welche entsprechend der gesellschaftlichen Umstände nur auf die zeitlichen Gegebenheiten angepasst werden muss.
Im Krieg der Knöpfe geht es nun - wie schon vage angerissen - um rivalisierende Jugendbanden aus zwei verschiedenen französischen Dörfern: Auf der einen Seite die Kinder aus Longueverne unter der Führung von Lebrac (André Treton), auf der anderen die Kinder aus Velrans unter der Führung von L´Aztec (Michel Isella). Die kleineren Kabbeleien schlagen dabei immer höhere Wellen: Als den Kindern von Longueverne ein Kind aus Velrans in die Hände fällt, werden ihm zu dessen Erniedrigung die Knöpfe abgeschnitten, sowie Hosenträger und Schnürsenkel durchtrennt. Später wird ein selbst zusammen gezimmertes Haus der Kinder aus Longueverne durch den Traktor von L´Aztecs Vater niedergerissen...
Den Film kann man sicherlich als Allegorie auf das Versagen der Generation der Eltern bei der Kindserziehung sowie die Überholung archaischer Herrschaftsstrukturen verstehen: Die Kinder von Longueverne, welche immer ein Lied um „Liberté", also der Freiheit trällern, streben eine demokratische Struktur in ihrer Gruppe an in Abkehr der Monarchie. Ein Gedankengerüst, welches schon bei der französischen Revolution und ihren Idealen (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) eine Rolle spielte. Yves Robert liegt dabei jedoch nicht nur der politisierende Unterton am Herzen, sondern auch das Porträt eines rebellischen Jungen namens Lebrac, dem Anführer von Longueverne. Robert räumt der Entfaltung dieses ambivalenten Charakters, welcher die andauernde Rivalität vorantreibt aber auch diplomatisch zu verhandeln versteht, viel Zeit ein. Doch trotz aller Ernsthaftigkeit haftet dem Plot eine wohltuend leichte und zum Teil sogar humoristische Atmosphäre an, welche der in Sie küssten und sie schlugen ihn, einem etwa zeitgleich entstandenen und vergleichbaren Film von Francois Truffaut eher kontrapunktisch gegenübersteht. Der Streit weitet sich bspw. auf die Erwachsenen aus, welche ihren naiv ausgetragenen Zwist mit dem gemeinschaftlichen Alkoholgenuss beilegen. So ist Der Krieg der Knöpfe ein zeitloser Kommentar zu pädagogischer Repression, welcher bei allem Realismus nicht mit einer süffisant servierten Polemik geizt.
Fazit: Eine mittlerweile klassische Romanverfilmung mit politischen Seitenhieben und humoristischer Jugendfilm zugleich. Der Krieg der Knöpfe ist ein Plädoyer für die Konstituierung eines eigenen Denkens bei Jugendlichen und zudem eine brillante Studie über die Doppelschneidigkeit von Fairness und Feindschaft.