Review

Mit altbacken inszenierten Kampfsportfilmen kann man heute auch keinen Fan mehr vor die Flimmerkiste locken, es sei denn, die Grundidee der Story weckt Interesse.
Hier ist es das Prinzip, dass jeder Passant auf der Straße der nächste Gegner sein könnte und jeder erdenkliche Ort zur Kampfarena umfunktioniert wird.
Nur umsetzen müsste man den Stoff noch ansprechend und das ist Regisseur Peter Sullivan leider nur teilweise geglückt.

Wir begleiten den schwarzen Ex-Knacki Vic (Andre McCoy), der nach seiner Haftentlassung dringend einen Job benötigt. Von einem Freund erfährt er von einem ominösen Syndikat, welches anonyme Kämpfe veranstaltet. Dem Sieger winken 100.000 Dollar, es gibt keine Regeln, aber auch keine anwesenden Zuschauer. Dafür sind am jeweiligen Austragungsort Kameras angebracht, die die Kämpfe via Internet an eingeweihte Zuschauer übertragen.
Seine Gegner kennt Vic nicht, sie werden den ersten Schritt machen, jederzeit und überall.

Die Geschichte hält jedoch zu keiner Zeit, was sie verspricht, sie verläuft vorhersehbar, überraschungsarm und gegen Ende auch komplett unglaubwürdig.
Das geht schon damit los, dass Vic die ebenfalls farbige Violet kennen lernt, als diese soeben von einem Typen überfallen wird, - der erste Kampf. Zum Dank darf Vic als Chauffeur für die wohlhabende Dame arbeiten, wird frisch eingekleidet, wo sich der schwule Designer als nächster Kampfgegner entpuppt und spätestens jetzt weiß der Zuschauer, dass Violet auch ein Teil des Syndikats sein muss, denn wie sollen die Gegner sonst wissen, wann sich Vic wo aufhält.
Ebenfalls auffällig ist der hünenhafte Ringrichter, der Vic nach jedem gewonnenen Kampf 1000 Dollar zusteckt, da vermutet man bereits bei seinem ersten Erscheinen, aha, der könnte der Endgegner werden…

Zwischen den rar gesäten Kämpfen gibt es noch ein wenig Dramenhandlung, der vom Schicksal übel mitgespielte Vic darf seinen Sohn nicht sehen, seine Ex hat auch schon einen Neuen und zu allem Übermaß verlangt ein fieser Cop wöchentliche Unsummen von ihm, ansonsten gibt es Haue oder einen Rückweg in den Knast.
Dazu gehört natürlich auch die Entführung Vics Sohnes und das leichte Anbandeln mit Violet
Das sind so kleine Lückenfüller Sequenzen, die nie bewegend ausfallen und viele Klischees breittreten. Aber schließlich will man ja auch ordentliche Fights sehen.

Es gibt zwar ein paar Kämpfe, jedoch sieht Kampfkunst mit special moves anders aus.
Problematisch ist schon, dass die Hauptfigur zwar einigermaßen muskulös ist, sich aber fast ausschließlich per Boxen verteidigt und zudem etwas ungelenk rüberkommt.
Seine Gegner sind aber auch nur Straßenkämpfer, die außer einfachen Tritten nicht allzu viel hinbekommen, nur ein Asiat, der mit Spielkarten hantiert, kann sich etwas flüssiger bewegen.
So verlaufen die Kämpfe zwar recht temporeich, lassen aber besondere körperliche Fähigkeiten oder Finessen der Teilnehmer komplett vermissen.

Auch die Kamera arbeitet hier nicht immer sauber, besonders negativ fällt da eine Verfolgung zu Fuß aus, bei der das Bild einfach nur hektisch hin und her schwankt, als würde ein Reporter auf der Flucht um sein Leben rennen. In den übrigen Einstellungen arbeitet sie zwar sorgfältiger, aber nie zum Vorteil für die Fights.

Richtig mies ist leider auch wieder die deutsche Synchro ausgefallen, sie klingt durch und durch unprofessionell, schlecht betont und insgesamt katastrophal.
Viel besser sind die Darsteller allerdings auch nicht.
Andre McCoy ist als Hauptfigur Vic zwar sympathisch, aber zu wenig präsent in seinem Auftreten, um als Sympathieträger hervorzugehen. Wirklich auffällig ist hier niemand, allenfalls noch der hünenhafte, glatzköpfige „Ringrichter“, der von Daz Crawford recht markant verkörpert wird, aber wenig Screentime hat.

Immerhin ist viel Bewegung im Geschehen, auch wenn einige Nebenhandlungsstränge ein mildes Gähnen hervorrufen.
Die Grundidee lässt zumindest zu Beginn ein wenig Spannung aufkommen, man sehnt sich immer neue Kampfsituationen herbei, doch auch die wirken im Verlauf immer konstruierter, während das leicht überfrachtete Finale noch nicht einmal einen angemessenen Endkampf bietet, dafür aber jede Menge Kopfschütteln in Sachen Unlogik hervorruft.

Da mögen ein paar Rahmeneinblendungen, die den Kampfbetrachter Informationen über das Geschehen liefern und somit auch den Filmtitel in Richtung interaktives Pc-Prügel-Spiel lenken, durchaus angemessen sein, so hat man innerhalb der ohnehin kurzen Laufzeit von 78 Minuten versäumt, die Chance der an sich guten Idee zu nutzen.

Im Gesamtbild wirkt „Game Over“ immerhin ein wenig naiv, etwa wie B-Movie-Prügelfilme aus den 80ern.
Wem das zusagt, könnte vorsichtig einen Blick riskieren. Wer Kampftechnik im Stil von Tony Jaa erwartet, wird jedoch bitter enttäuscht werden.
4 von 10

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