Es ist schon erfreulich, wenn in diesem so duselig nationalistischen Taumel, in welchen sich das südkoreanische Kino mit Werken wie „Hanbando" oder auch dem ähnlich unsäglichen „Typhoon" gegenwärtig deliriert, überhaupt noch Filme auf die Leinwand kommen, die gegen diesen uniformierenden Gestus - Ein Land-Ein Volk-Eine Zukunft - ganz bewusst anstinken, auch wenn sie dann selbst nicht so wirklich gelungen sind wie HOLIDAY von Yang Yun-Ho. Dessen Finale deutet die angeprangerten Misstände dezidiert hinüber in die koreanische Gegenwart, argumentiert aber über den weitaus größeren Teil seiner Laufzeit an seinem offensichtlichen Anliegen vorbei. Dabei schaut HOLIDAY zu Anfang noch hinreißend nach diesen grandios grimmigen, beißend komischen und anarchischen Underdog-Dramen aus, wie sie sich das koreanische Kino beinahe zu einem eigenen Genre kultiviert hat. Ein Slum im Schatten der neuen Stahl- und Glasfassaden Seouls soll für die bevorstehenden Olympischen Spiele weichen. Die armseligen Anwohner demonstrieren, haben aber gegen Bullen und faschistoide Volksmiliz keine Chance und werden erbarmungslos in den Dreck ihres Viertels geplättet. Die Baracken fallen. Widerständler werden erschossen, durchgeprügelt und in die Kerker des Regimes verfrachtet, das sich mit der Ausrichtung der Großveranstaltung der ganzen Welt als Verwalter einer fortschrittlichen und demokratischen Glücksnation präsentieren will. Darum auch das praktische Gesetz zu Haft und Verwahrung, welches regelt, dass störende Gesetzesbrecher auch über die Dauer ihrer eigentlichen Haftstrafe hinaus hinter Schloss und Riegel bleiben können - ganz nach Ermessen der Knastleitung.
Das bedeutet ganz schlechte Aussichten für die Knackies im Zentrum dieser Geschichte, denn der neue Direktor ihrer Anstalt ist ein wahrhaft fieses Schwein - so comichaft überzeichnet, wie man so einen Schurken wohl seit der legendären Manga-Verfilmung „Story of Ricky" nicht mehr zu sehen bekommen hat. Der fulminant gestartete HOLIDAY vertut sich nun in den Standards der Knastploitation. Erniedrigungen, Folter und das langwierige Feilen am Fluchtbesteck, und er findet auch nachdem sich diese protagonistische Gruppe Häftlinge endlich ihren Freigang erzwingt nicht zu einem angemessen Tempo zurück. Immer ist da Potenzial, immer neckt Yang mit dem, was möglich gewesen wäre - die soziale Ungerechtigkeit in einem Feuerwerk der Kleinkriminalität ausleuchten, den alten Präsidenten kidnappen und ihn zwingen, seine Gesetze zu revidieren, Publicity um jeden Preis. Aber immer sind das nur Andeutungen, den Plot endlich in geilen Wahnsinn anzustoßen - Yang Yun-Ho verspricht nur, er liefert nichts. Dass der Regisseur sich an tatsächlichen Ereignissen orientiert - im Abspann seines Filmes feiert er sich für die Abschaffung des schlimmen Verwahr-Gesetztes während der Dreharbeiten sogar selbst als sozialer Agens - darf man ihm dabei nicht als kreativen Bremsklotz zugestehen. Abgesehen von ein paar selbstgerechten historischen Verweisen beeinflussten ihn die dokumentierten Tatsachen bei der Inszenierung seiner Geschichte und der Entwicklung seiner Charaktere offensichtlich wenig. Mit Zaunpfählen nach den sozialen Tatsächlichkeiten Südkoreas winkend, spielt doch HOLIDAY völlig in seiner eigenen, sich recht hemmungslos aus der zitierten Geschichte loslösenden Welt, an deren Gestade er schlussendlich melodramatischen Kitsch mit erdrückend teerdicken, klebrigen Wellen klatschen lässt.