Review

State of Violence
(Splendid film) 

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, kann ich nur betonen, dass in meinen Augen die südkoreanische Filmindustrie eine der innovativste und spannendsten Filmlieferanten der aktuellen Zeit ist. Hatte ich zu Beginn zwar den Eindruck, für meinen Geschmack etwas zu viel Patriotismus in den Filmen zu finden (zum Beispiel Typhoon), lieferten mir doch die aktuelleren Filme, wie eben der hier vorliegende State of Violence, ein komplett anderes Bild. Hier wird kritisch auf aktuell existierende Missstände geschaut, der Unsinn hinter der Uniformität gezeigt und das Wohl der mittellosen Bevölkerung über das der Herrschenden gestellt.
Regisseur Yang Yun – Ho (unter anderem verantwortlich für Filme wie Libera Me oder Fighter in the Wind) liefert uns mit seinem siebten Film einen unerfreulichen Blick auf die Strukturen in seinem Land.
Die Geschichte spielt Mitte der 80er Jahre, die olympischen Spiele in Seoul stehen kurz bevor, und die Regierung will für die ausländischen Gäste das eher verkommene Stadtbild verschönern. Darum müssen die Ghettos am Stadtrand verschwinden. Um den zu erwartenden Unwillen der dort lebenden Mittellosen entgegenzutreten, werden die Abrisstruppen von brutalen Schlägertrupps und Strafgefangenen begleitet, um sofort einschreiten zu können. Es kommt zu der erwarteten, äußerst brutalen Aufruhr, in deren Kampf die Bevölkerung chancenlos untergeht, und die Baracken niedergemacht werden. Hier lernen wir den aufrechten Hauptcharakter kennen (Lee Seong – Sae, trat schon in den beiden Public Enemy – Filmen oder Attack the Gas Station! in Erscheinung), der versucht, seinen gehbehinderten Bruder vor den Milizen zu schützen, jedoch mit ansehen muss, wie dieser von dem extrem sadistischen Anführer gnadenlos erschossen wird. Als er auf diesen losgeht, bedeutet das für ihn eine Inhaftierung, die zu der Zeit unter diesen Umständen kein leichte Strafe war. Man sperrte Widerständler schon für weniger Jahrelang ohne  rechtlichen Beistand in brutale Haftanstalten. Was nun folgt sind die üblichen Szenen aus den einschlägig bekannten Knastfilmen. Der Underdog versucht sich gegen das herrschende Knastsystem aufzulehnen, seine Gegenspieler, hier in der Person des mittlerweile die Karriereleiter hochgefallenen Milizführers, der seinen Bruder auf dem Gewissen hat, versucht seinerseits, diesen zu brechen. Es werden Erinnerungen an ähnliche Filme wach, wobei mir eine Mischung aus Ghost of the civil Dead und Story of Ricky vorschwebte. Auf der einen Seite ist die Geschichte sehr ernsthaft und zielgerichtet ausgearbeitet, aber dann kommt dieser comichaft überzeichnete Gefängnisaufseher mit seiner unglaublichen Brutalität. Die Verbrüderung unter den Zellengenossen führt dann zu einem Ausbruch, wo die kleine Gruppe versucht, mit der neugewonnen Freiheit umgehen zu lernen, sich aber schnell in einem Geflecht aus enttäuschten Zukunftsperspektiven und der Hoffnungslosigkeit der von der Polizei Gejagten zurechtfinden muss, und beschließt, ihr Schicksal durch eine spektakuläre Geiselnahme der Öffentlichkeit publik zu machen, und gleichzeitig dem Gefängnisaufseher die wohlverdiente Rache angedeihen zu lassen.
State of Violence ist hart, kompromisslos und wenig lebensbejahend. Recht anschaulich wird das Leiden und in finaler Konsequenz das totale Scheitern von Angehörigen der koreanischen Unterschicht aufgezeigt. Das trotzdem kein total deprimierender, sondern ein visuell beeindruckender, fesselnder und äußerst spannender Film dabei herausgekommen ist, ist der Verdienst des Regisseurs Yang Yun – Ho.
Die Veröffentlichung aus dem Hause Splendid film glänzt wie gewohnt durch Brillanz. State of Violence ist eine der ersten Veröffentlichungen aus dem neuen Label Amasia, welches anspruchsvolle, beeindruckende asiatische Produktionen in verschiedenen Editionen herausbringt. Die hier vorliegende Edition war die Single-Disc, auf welcher sich neben einer Trailershow keinerlei Extras befinden, aber eine Doppel- DVD mit einer großen Menge an Bonusmaterial (Deleted Scenes, Making of, Interviews, etc...) wird in einer Sonderausgabe in einem Goldschuber erscheinen. Das Bild ist sehr plastisch und der Sound ist realistisch und raumfüllend.
State of Violence ist faszinierendes Koreakino, welches wieder mal eindrucksvoll beweist, dass dieses Land momentan die frischesten und beindruckendsten Filme produziert.  

CFS

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