Review

Keine Naturgewalten, sondern Bombenattentate werden hier zum Gegenstand des Katastrophenfilms gemacht, der eher wie ein Psychokammerspiel anmutet und nicht selten an „Wenn der Wind weht“ erinnert.
Dabei konzentriert man sich nicht auf die globalen Ausmaße des vom 9/11 traumatisierten Amerikas mit Terror und Trümmer, sondern auf zwei Hauptpersonen, stellvertretend „Right at Your Door“.

Es scheint ein ganz normaler Morgen in einem Vorort von Los Angelos zu sein, als sich Lexi (Mary McCormack) zur Arbeit in die Stadt aufmacht, während ihr Freund, der arbeitslose Musiker Brad (Rory Cochrane) noch im Haus bleibt.
Bis im Radio von mehreren Bombenexplosionen mit Giftgasinhalt in der Stadt berichtet wird.
Zunächst versucht Brad, seine Freundin per Telefon und mit dem Auto zu erreichen, muss aber resignieren, da sämtliche Straßen bereits von den Cops abgeriegelt sind.
Wieder zuhause angekommen, schließt er sich, nach dringenden Warnungen durchs Radio, gemeinsam mit seinem Nachbarn Alvaro im Haus ein und versiegelt Fenster und Türen.
Doch wenig später steht Lexi vor der Tür, augenscheinlich unverletzt, aber mit Asche bedeckt und hustend…

Ein grimmiges, wenn auch vom Erzählfluss her eher ruhiges Stück, mit deutlicher Kritik an politischer Willkür gibt den Ton an.
Die ureigenste Sicherheit, die eigenen vier Wände, scheinen einer Verseuchung kaum standzuhalten, hinausgehen könnte den sichereren Tod bedeuten und bei alledem wird man von dem Medien, als auch von den Einsatzkräften verunsichert, da man mit Informationen über das Giftgas und hilfreichen Verhaltensmaßnahmen ziemlich im Unklaren gelassen wird.
Die Unsicherheit und zugleich lähmende Machtlosigkeit schwebt über allem und macht diesen Streifen zu einem bedrückenden und zugleich authentisch wirkenden Erlebnis.

Da man lediglich die Perspektive Brads, zeitweise auch Lexis schildert, kommt man um Bilder des katastrophalen Ausmaßes geschickt herum, indem man beim Blick durch die Haustür nur eine entfernte Innenstadt zwischen aufsteigenden Rauchwolken zu Gesicht bekommt, später auch Bilder des Ascheregens. Die Radiostimmen, die sich zu Beginn beinahe überschlagen, liefern ihr Übriges, was die Vorstellung eines solchen Szenarios glaubhaft abdeckt.

Dass im Verlauf der Gedanke an rasche Hilfe für die Kontaminierten immer mehr weicht, liegt nicht zuletzt am rigorosen Vorgehen des Militärs, was Lexi versteckt anhand des Umgangs mit einem Verseuchten beobachten kann.
Wie Brad ihr bis auf Weiteres den Zugang ins Haus verwehrt, später einzelne Räume für sie betretbar macht, während ihr Husten immer schlimmer wird, lässt die Ausweglosigkeit seiner Figur deutlich werden. Das Telefonnetz ist überlastet, toxikologische Untersuchungen haben noch keine Ergebnisse geliefert und man rät dringend davon ab, Krankenhäuser aufzusuchen, - das Militär werde sich an die Betroffenen wenden.
Und während man sich nur durch Scheibe oder Abdeckfolie im Haus unterhalten kann, schwindet auch für Lexi die Chance irgendwo Hilfe zu erlangen, da sie sich im Verlauf sogar vor der patrouillierenden Polizei versteckt.

Stark untermauert wird die bedrückende Situation von zwei herausragenden Darstellerleistungen, die, überwiegend von einer leicht körnigen Digitalkamera eingefangen, überaus glaubhaft rüberkommen.
Darüber hinaus hält sich die Sounduntermalung angenehm im Hintergrund und lässt die beunruhigende Stille der Umgebung zum Zuge kommen, was das beklemmende Bild durchaus fördert.

Obwohl sich die Handlung überwiegend auf die Räumlichkeiten des Hauses und die gespenstisch wirkende Nachbarschaft begrenzt, ist der an ein Kammerspiel erinnernde Eindruck keinesfalls ein langweiliger, auch wenn einige Szenen etwas zu lang erscheinen und man die nervig besorgte Mutter, sowie einen Anruf beim Bruder hätte weglassen können.
Demgegenüber vermag das Ende punkten, weil die Befürchtung, der Stoff könne irgendwie im Nichts verlaufen, keineswegs zutrifft.
Denn das, was sich in punkto scheinbare Sicherheit schleichend ins Gegenteil umkehrt, trifft final voll ins Schwarze.

Am Ende resultiert doch schon ein wenig der Eindruck eines Endzeitszenarios, wenn in diesem Fall auch „nur“ eine Großstadt wie Los Angelos betroffen ist.
Anhand eines Beispiels von einem nicht nur räumlich getrennten Paar, kann man sich leicht in diese Beklemmung hineindenken, da benötigt es keine Bilder von Massenpanik oder brennenden Gebäuden. Da langt der Eindruck, wie eine scheinbare Sicherheit von Minute zu Minute immer mehr schwindet, - und das in schlicht inszenierter, aber beeindruckender Form.
Knapp
8 von 10

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