Review

"Right at your door" aus dem Hause Lionsgate sieht von der deutschen Stahlbox her zumindest schon mal recht schick aus. Und wenn man auf der Rückseite nicht genau hinschaut, dann meint man auch, dieser Öko-/Virus-/Anschlagsthriller sei mit einer Freigabe ab sechzehn Jahren versehen worden, doch Vorsicht. Der Hauptfilm ist FSK 12. Leider ist diese Altersfreigabe beim Film auch ein wenig Programm, doch nicht zu voreilig,...

Brad, ein arbeitsloser Musiker, verabschiedet sich an einem gewöhnlichen Morgen von seiner Frau Lexi, die sozusagen der Mann im Haus ist. Doch nur wenig später merkt Brad beim Blick auf die City von Los Angeles, dass die Kilometer hohen Rauchschwaden über der Stadt da wohl nicht hingehören. Nach einer kurzen, behutsamen Einführung der beiden Hauptakteure kommt der Film hervorragend in Fahrt, denn sukzessive erfährt der Zuschauer, was denn innerhalb kürzester Zeit die Stadt in ein solches Tollhaus verwandelt hat. So erinnert der Film zu Beginn ein wenig an Zack Snyders brillanten „Dawn of the Dead" (2004) - ohne natürlich auch nur ansatzweise dessen Budget anzukratzen. Die ersten 15-20 Minuten des Films sind seine stärksten. Brad fährt auf der Suche nach seiner Frau in Richtung City und erlebt Schlimmes und Schlimmstes. Dabei wird die Spannung gekonnt gesteigert und die Erwartungshaltung gerät entsprechend groß.

Doch leider kann der Film dieses hohe Niveau nicht mehr halten. Aufgrund des geringen Budgets kehrt Brad natürlich wieder ins gemeinsame Haus zurück, denn dort ist es am sichersten - und am preiswertesten zu filmen! Der Rest des Films dreht sich somit nur noch im und ums Haus. Das ist schade und ermüdet mit der Zeit. Die für einen Independent Film hervorragend inszenierte Katastrophe - von der man allerdings kaum etwas tatsächlich sieht; Radio- und Fernsehberichte helfen hier aus - wird zwar logisch fortgeführt, doch bleibt sie inszenatorisch bald auf der Strecke. Die zu Beginn gewonnene Fahrt des Films stolpert über zu häufige und unnötige Gespräche zwischen Brad und seiner inzwischen zurückgekehrten, infizierten Frau und deren Telefonate mit ihrer Familie. Auch ein in die Geschichte eingefädelter Liebhaber Lexis bringt kaum etwas voran und hat im Plot eigentlich nichts zu suchen. Erst recht nicht, wenn, wie hier, der Hahnrei von der Sache nicht einmal etwas mitbekommt.

Ein wenig Bewegung kommt erst wieder mit den sich natürlich unheimlich unheimlich anstellenden, ganz in Schutzanzüge gehüllten Polizisten und Militärs, die sich weigern, dem in sein Haus verbarrikadierten Brad die von ihm gewünschten Informationen und Berichte zu liefern. Der erfahrene Zuschauer weiß, hier redet jemand um den heißen Brei. Und ohne hier irgendetwas zu verraten, so ist es auch. Was für ein Virus es ist, mit dem hier die halbe Stadt infiziert ist, erfährt Brad nicht, während sich seine Frau, auf der ständigen Flucht vor den alle Infizierten einsammelnden Militärangehörigen, inzwischen die Lunge aus dem Leib hustet. Und damit haben wir zwei Kritikpunkte, die kleinere Spoiler beinhalten.

*Kleinere Spoiler* Die Krankheit kommt schlicht zu kurz. Was das Virus anrichtet und warum deshalb also die Angst so groß und berechtigt ist, erfahren wir nicht; wer es überhaupt mit Hilfe einer Kette von Detonationen in der Stadt freigesetzt hat, erst recht nicht. Außer einem bösen Husten und ein paar Tränensäcken haben die Kranken scheinbar wenig zu befürchten. Natürlich nur scheinbar, aber das reicht dennoch nicht, um den Adrenalinpegel des Zuschauers auf Level zu halten. Der hofft indes nämlich nur noch, dass Lexi nicht schon bald wieder zum Hörer greift und mit ihrer Mutter, ihrem Bruder, ihrem Onkel oder sonst wem telefoniert. Ein weiteres, inzwischen doch etwas zum Gähnen animierendes Element des Films ist die im Genre allerdings übliche Militärkritik. Hat George A. Romero mit seinen 1973er „Crazies" noch die Hilflosigkeit der Zivilbevölkerung gegenüber dem Militär im Falle eines ökologischen Supergaus originell in Szene gesetzt, so ist die Leier „Militär hilft der Zivilbevölkerung im Falle einer Katastrophe letztendlich doch nicht" natürlich nicht nur völlig unrealistisch, sondern etwas ausgelutscht. *Spoiler Ende*

Erschwerend für den großen Wurf der DVD hier in Deutschland kommt hinzu, dass die deutsche Synchronisation „Right at your Door" zu jeder Sekunde wie einen Fernsehfilm wirken lässt. Die mangelnde finanzielle Ausstattung und die sich im Laufe des Films immer rarer machenden Drehbuchhighlights nagen sowieso schon am hier durchaus vorhandenen Potential. Wenn die einzigen Schocker die plötzlich an den versiegelten Fenstern auftauchenden Sheriffs sind, dann ist das zu wenig, um in Erinnerung zu bleiben. Auch der nicht ganz zündende Plottwist am Schluss des Films reißt da nichts mehr raus. Schade, aber immerhin nicht schlecht.

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