Nachdem Steven Spielberg und Robert Zemeckis mit ihrer ersten Motion Capture Produktion „Polarexpress“ große Anerkennung fanden, wird an dieser Stelle natürlich nachgelegt.
Mit „Monster House“ präsentiert Regieneuling Gil Kenan eine Halloween-Gruselgeschichte für die nicht mehr ganz so jungen Zuschauer. Dabei scheitert der Streifen in mehrerlei Hinsicht.
Da ist zum einen die Story, die irgendwo zwischen Grusel, Pubertätsproblemen und Verständnis für die scheinbar bösen Nachbarn, ziemlich ins Straucheln gerät.
Dabei beginnt das Ganze recht viel versprechend, wenn der animierte Steve Buscemi als grantiger Nebbercracker sämtliche Kinder von seinem Grund und Boden verjagt und die Helden Dj, Ketchup und Jenny das Geheimnis des Hauses zu ergründen versuchen.
Der stilvolle Score bringt eine unheilsschwangere Atmosphäre ins Spiel, das Herbstlaub weht, Kinder bereiten sich auf Halloween vor und von dem scheinbar leerstehenden Haus gegenüber geht eine bedrohliche Stimmung aus.
Die auflockernden Gags „Mädchenschule“ und „Pinkelflasche“ sitzen und auch der Auftritt der punkigen Babysitterin (supercool: Maggie Gyllenhaal) weiß zu gefallen.
Doch dann geht der Spuk los, das Haus führt ein Eigenleben, schnappt sich ein paar Passanten, die Kinder wollen es vernichten, stellen fest, dass das Haus von Nebbercrackers übergewichtigen Frau „besessen“ ist und versuchen es mit Dynamit und einem Schaufelbagger zu zerstören.
Dabei verformt sich das Gebäude zu einem menschenähnlichen Godzilla, das sich zum Finale sogar durch die Straßen bewegt.
Möglichst viel Spektakel, möglichst turbulente Action, - aber die kommt so einfallslos daher, dass es auf Dauer eher ermüdend wirkt.
Was so stimmungsvoll begann, wird durch ein gehaltloses Romms-Bomms zunichte gemacht.
Dabei sind die Charaktere durchaus sympathisch, wenn auch ohne besondere Eigenheiten und insgesamt etwas schablonenhaft.
Besonders hier muss man sich die Frage stellen, ob reale Kinder nicht weitaus mehr Charme in die Geschichte gebracht hätten, wie nicht überhaupt der komplette Film eher als Demonstration technischer Möglichkeiten wirkt.
Doch die Qualität der Animation liegt gegenüber „Polarexpress“ weit zurück.
Besonders die Kinder zeigen wenig mimische Details, Haare kleben unbeweglich am Kopf, und auch der Herbstwind bewegt nur das Nötigste.
Eine liebevolle Ausarbeitung der Figuren wird hier schmerzlich vermisst, auch wenn einige Kamerafahrten und Schwenks durchaus imposant sind. Auf Details wurde hier komplett verzichtet.
Einzig der digitalisierte Buscemi bringt etwas Farbe ins Spiel und die Bewegungen der Figuren wirken recht flüssig.
Ansonsten ist das technisch nicht der neueste Stand, eine real wirkende Animation sieht anders aus.
„Süßes oder es gibt Saures“ heißt es zu Halloween.
Ein paar süße Momente hat „Monster House“ zweifelsohne, der Humor spricht an, die Stimmung in der ersten Hälfte auch.
Doch dann gibt es Saures mit viel Trara, das ist weder spannend, noch sonderlich unterhaltsam.
Letztlich stellt sich noch die Frage, welche Zielgruppe er überhaupt ansprechen will, denn für die Sechsjährigen ist das Szenario eindeutig zu düster und für Erwachsene zu belanglos.
Und Zuschauer im vorpubertären Alter der Protagonisten werden angesichts besserer Beiträge wie „Shrek“ und „Ab durch die Hecke“ (noch nicht einmal dankend) abwinken.
5 von 10