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Als Robert Zemeckis, im Jahre 2004, mit seinem Weihnachtsmärchen "Der Polarexpress" in die Kinos kam, staunten die Zuschauer nicht schlecht. Denn was sie da auf der großen Leinwand für Animationen zu Gesicht bekommen sollten, sprengte so ziemlich alles, was es bis dato in dieser Hinsicht zu sehen gab. Unglaublich realistische Figurenbewegungen in atemberaubend prächtiger und detailreicher Umgebung, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Auch wenn z. Bsp. Pixar mit seinen Bombastanimationen ebenfalls für ein wahres Fest der visuellen Sinne bekannt ist, so mussten sie sich, zumindest in Sachen realistische Figurenbewegung etc. hier geschlagen geben. Das Motion-Capture-Verfahren leistete wirklich beste Dienste. Das es da, trotz aller Perfektion, dennoch einige Nörgler gab, die mit den angeblich zombiehaften Bewegungen der Figuren nichts anfangen können ist natürlich logisch, doch der Erfolg und die unterschiedlichsten Anerkennungen gaben Zemeckis Recht. Er hatte etwas bis dato einmaliges geschaffen. Nun gut zwei Jahre später allerdings, soll es endlich wieder einen Film mit dieser grandiosen Technik geben. "Monster House" als etwas verfrühtes Halloween-Märchen soll nun zeigen, ob man das Verfahren auch über einen Film hinaus am Leben erhalten werden kann. Und Ja, man kann es!

"Monster House" ist im Animationsjahr 2006 das nächste absolut prächtig geratene Animationsspektakel, bei dem wirklich alles stimmt, um für grandiose Unterhaltung gut zu sein. Egal ob man da den Inhalt nimmt oder das Drumherum, alles funktioniert hier prima. Aber hübsch der Reihe nach. In Sachen Story hat man sich eine knackige und wirklich ungemein gruselige Geschichte ausgedacht, die wie geschaffen ist, um das angestrebte Zielpublikum der 9-99 Jährigen auf angenehme Art und Weise zu erschrecken. Vor allem die Kleineren dürften es hier mit kindgerechten Angstzuständen zu tun bekommen. Es geht um die Freunde DJ und Kevin, genannt Chowder, die einige merkwürdige Vorkommnisse im Haus gegenüber beobachten. Der griesgrämige Hauseigentümer Nebbercracker jagt jeden von seinem Grundstück fort und wer dem Haus auch nur einen Schritt zu nah kommt, muss anscheinend um sein Leben fürchten. Als der alte Mann allerdings eines Tages stirbt, wägen sich DJ und Kevin in Sicherheit, doch das Haus scheint plötzlich ein Eigenleben zu führen. Und wie 10-jährige Rotznasen nun mal so sind, gehen sie, zusammen mit der Neunmalklugen Jenny, dem mysteriösen Gebäude auf den Grund. Was die Geschichte von "Monster House" angeht wird dieses Mal wirklich eine wahre Pracht an skurrilen Vorkommnissen und verschrobenen Fantasien geboten. Egal ob es nun die cleveren Einfälle der spitzbübigen Kinder sind, oder der ganze Aufbau des Monsterhauses, hier stecken wirklich noch Ideen drin, die für einen angenehm schaurigen Gruselabend gut sein können.

Dabei sind es vor allem die klassischen Angstmach-Motive, die hier so wunderbar funktionieren. Man nehme z. Bsp. die Alptraumsequenz von DJ, in der er durch eine schaurige Schattenhand angegriffen wird. Dann das furchtbare Äußere und Innere des Gruselhauses, bei dem die Fenster die Augen, die Treppenpfosten die Zähne, ein enorm langer Teppich die Zunge und ein Netz voller roter Lichter den Gaumen bilden. Alles auf eine schön schauderhafte Art designt und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Und wenn dann das Haus seiner Bestimmung nachgeht und z. Bsp. ein paar Polizisten verschluckt, oder den ungeliebten Freund der Babysitterin, dann fürchten sich die Kleinen gar sehr und selbst die Erwachsenen dürften hier und da einen leichten Schauer auf ihrem Rücken spüren.

Man fiebert förmlich mit den Charakteren mit, wenn sie auf ihre Entdeckungsreise gehen, was auch an der idealen Zeichnung der einzelnen Figuren liegt. Egal ob es nun die beiden Loser-Jungs sind, die niemand wirklich ernst nimmt, aber am Ende dann doch als Helden bei den Zuschauern dastehen, ob es die garstige Babysitterin mit ihrem unfreundlichen und hässlichen Liebhaber ist, die beiden depperten Polizisten oder eben der griesgrämige Nebbercracker und sein lebendiges Haus. Alle Figuren kommen beim Zuschauer genauso an, wie man es erwartet, sprich die Kiddies sind durchweg sympathisch und glaubwürdig, während man sich die unfreundliche Babysitterin lieber gleich in den Schlund des Hauses wünscht. Jeder Figur passt, wackelt und hat Luft und das macht die Geschichte um so interessanter und spannender.

Aber nicht nur die Figurenzeichnung sorgen für Spannung und Atmosphäre, auch die ganze Inszenierung an sich klappt einwandfrei. Zuerst natürlich wieder die Animationen, die den "Polarexpress" noch einmal in Sachen Perfektion zu schlagen versuchen und es größtenteils auch schaffen. Wie schon beim Weihnachtsmärchen, so agieren die Figuren auch dieses mal ungemein realistisch und geben in ihren gesamten Bewegungsablauf exakt die Vorgabe wieder, die die Schauspieler, welche den Film vor Blue- bzw. Green-Screen und mit Sonden überhäuft abgespielt haben, um dann am Computer digital animiert zu werden, vorgegeben haben. Kein auch noch guter Pixar-Film kann da in Sachen Bewegungsablauf mithalten. Realistische Bewegungsanimationen sind nun einmal am glaubwürdigsten, wenn sie von einem realen Schauspieler vorgegeben werden. Und das beweist "Monster House" wieder einmal eindeutig, auch wenn ich damit nun die Meisterwerke von Pixar in keinster Weise herabwürdigen will!

Dazu kommen dann noch einige brillante Soundeffekte, sowie ein wirklich beängstigender Score, der absolut bestens in das Geschehen mit eingearbeitet wurde. Und als wäre das noch nicht genug, darf man sich auch über einige wunderbare Kameraschwenks freuen, die das gruselige Treiben manchmal mit einer derartigen Brillanz einfangen, dass man aus dem Staunen wirklich nicht mehr herauszukommen vermag. Einen angenehmeren und besser inszenierten Grusler kann man auf der Animationsschiene jedenfalls noch lange suchen.

Und auch den (verfremdeten) Schauspielern muss natürlich noch Lob gezollt werden. Da wären zum einen Mitchel Musso und Sam Lerner, die den beiden Hauptcharakteren DJ und Kevin wunderbar das Leben einhauchen und wirklich zu jedem Moment ein glaubwürdiges Dasein geben. Dann der grandiose Steve Buscemi, der sich in die Rolle des grantigen Nebbercracker hineinzwengen darf und dies wieder einmal fabelhaft schafft. Dann noch Maggie Gyllenhaal als gemeine Babysitterin, Kevin James als Officer Landers und sogar die Bewegungen des Hauses wurden durch Kathleen Turner dem Computer auf ideale Art und Weise vorgegeben. Abgerundet dann noch von einer wunderbaren deutschen Synchronisation, die dieses mal wirklich keine Wünsche offen lässt und vielleicht noch besser klingt, als das Original. Einfach wunderbar!

Fazit: Nach dem brillanten "Polarexpress", beweist Zemeckis (wenn auch dieses mal nur als ausführender Produzent) mit "Monster House" erneut, was für wunderbare Animationsunterhaltung doch das Motion-Capture-Verfahren bereit halten kann. Eine wirklich wunderbare und absolut rund wirkende Kiddie-Gruselgeschichte, die mit viel Schauder und Schrecken aufwarten kann und eine Inszenierung, die wirklich von vorne bis hinten nur als brillant bezeichnet werden muss, ergeben einen regelrecht genialen Halloween-Gruselspaß, der auf der Animationsschiene wohl soweit einzigartig sein dürfte. Alle Fans von schön schauriger Gruselkost sollten sich diesen Spaß jedenfalls nicht entgehen lassen.

Wertung: 8,5/10 Punkte

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