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Während einer Wohltätigkeits-Gala im Polizeipräsidium von Münster gibt Professor Dr. Dr. Boerne den Show-Magier und bittet während seiner Vorstellung die Geschwister Helena und Boris Stettenkamp - Sprößlinge einer wohlhabenden Unternehmer-Familie - als Freiwillige aus dem Publikum auf die Bühne, um sie zu hypnotisieren. Dummerweise werden bei der jungen Helena durch die Hypnose verdrängte Erinnerungen wachgerufen, die nun vor den versammelten Gästen (darunter 60% Polizisten) behauptet, dass ihr verstorbener Großvater in Wahrheit ermordet wurde. Nach erfolgter Exhumierung des Leichnams des Familien-Patriarchen stellt Boerne fest, dass der alte Mann tatsächlich mit Eisenhut vergiftet wurde, den man ihm heimlich mittels Konfekt untergejubelt hat. Kurz darauf kommt es zu einem weiteren Todesfall unter den Stettenkamps, die sich untereinander allesamt eh nicht wirklich grün zu sein scheinen. Ebenfalls seltsam: Der beim Drachenfliegen abgestürzte Tobias Böhm, der mit Helena die Grundschule besucht hatte, ist offenbar mit demselben Gift ermordet worden, wie ihr Großvater... ebenso wie der kleine Hund der ehemals verhassten und nun im Ruhestand befindlichen Klassenlehrerin Zita Keller. Ein Nietzsche-Zitat auf dem Grabstein des alten Stettenkamp bringt Thiel und Boerne schließlich auf die richtige Spur... Rainer Matsutani ist einer der wenigen deutschen Filmemacher, die schon immer eher in Richtung puren Genre-Entertainments geschielt haben, wie man bereits sowohl an seiner frühen Kurzfilm-Fingerübung "Klinik des Grauens" wie auch an der nachfolgenden Fantasy-Komödie "Nur über meine Leiche" (eine echte Seltenheit innerhalb der hiesigen Kino-Landschaft!) sehen konnte. Der Münster-"Tatort" mit seinem skurril-lustigen Personal ist für ihn nun die wirklich ideale Spielwiese für eine nicht allzu ernst angegangene Krimi-Komödie, die sich vom Tonfall her bestens in die bisherigen Auftritte des Ermittler-Duos Thiel und Boerne einfügt... und eigentlich sogar mal wieder ein kleines Ausrufezeichen in Sachen sehenswerter TV-Unterhaltung setzt, wie es zuvor da höchstens noch solchen Flimmerkisten-Exponaten wie "Der Sandmann" (dessen Hauptdarstellerin Karoline Eichhorn hier übrigens auch mit von der Partie ist) oder "Die Handschrift des Mörders" gelungen ist. Dank des von Matsutani selbst verfassten, gut austarierten Drehbuchs steht der Kriminal-Fall, den es zu lösen gilt, zur Abwechselung mal ungefähr gleichauf mit den Comedy-Eskapaden von Thiel und Boerne... und dieser ist sogar recht clever ausgetüftelt und gipfelt in einer charmanten Agatha Christie-Hommage, wenn da zum Schluss à la Hercule Poirot vor versammelter Mannschaft der wahre Täter entlarvt wird. So überzeugt "Das ewig Böse" sowohl inszenatorisch, darstellerisch als auch, was die Geschichte an sich anbelangt, durch die Bank und verbreitet auf keinen Fall den typischen Mief üblicher Fernseh-Krimis vom Öffentlich-rechtlichen Fließband. Fazit: Ein echter Highlight-"Tatort", wie er einem nur alle Jubeljahre mal über den Weg läuft...

8/10

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