Review

Prinzipiell ist mal eins klarzustellen: US-Remakes von asiatischen Horrorfilmen müssen nicht zwangsläufig scheiße sein!
Es ist möglich, sie hochqualitativ zu transponieren (The Ring) oder sie angemessen neu zu verfilmen (The Grudge). Man kann sie aber auch, wenn man gar keine Inspiration hat, versauen.

Nun hat Jim Sonzero leider weder Inspiration noch Talent noch sonst wie eigene Ideen.
Aber er hat mal ein paar Videoclips gemacht, wie anscheinend jeder zweite Postbote in Kalifornien, und deswegen ließ man ihn jetzt an seinen ersten Film.
Das war leider das Remake des asiatischen Horrorerfolgs „Kairo“, der nun den wahnsinnig zutreffenden Titel „Pulse“ trägt.

Nach eingehendem Studium des Films (ohne einzuschlafen, ich möchte das honoriert wissen), kann ich jetzt mit Fug und Recht sagen: der kann nix!

Schauen wir doch mal in die erste Szene (nach einem ungemein nervtötenden Vorspann), in der so ziemlich alles falsch gemacht wird, was man für einen atmosphärischen Horrorfilm verwenden könnte.
Da ist ein junger, nervöser Student, der über den Campus huscht und sich ständig umsieht – offensichtlich wird er verfolgt. Das soll Spannung erzeugen, weil wir ja nicht wissen, was das ist. Jimmy-Boy aber erledigt sich seiner atmosphärischen Aufgaben auf geschickte Weise.
Er zeigt uns einen Geist im Fahrradrückspiegel, dann einen hinter einer Glastür als Silhouette und so ist der Keks gekrümelt, als Josh dann per Fahrstuhl endlich in einer stockfinsteren Uni-Bibliothek angekommen ist, dem idealen Treffpunkt auf der Flucht vor dem Übernatürlichen. Er hibbelt also durch die düsteren Gänge, stolpert erwartungsgemäß (Buh!) einmal über den senilen Büchersortierer und ruft ständig sinnfrei den Namen seines konspirativen Gegenübers. Irgendwann fallen plötzlich (wir wollen ja nicht behaupten, die Szene sei aus „Ghostbusters“ geklaut) Bücher aus einem Regal. Oha!
Dann flackert das Licht! Beeindruckend!
Und dann geht unser Hero natürlich an die dunkle Öffnung im Regal, aus dem irgendwer munter Bücher rausfeuert. Da ist natürlich nix zu sehen.
Also näher dran…noch näher…es flackert…und whoooooa, da springt ein Geist aus der Öffnung und saugt dem armen Josh irgenwas Energetisches ab.

An diesem Punkt wünschte ich das erste Mal, schon im Tiefschlaf zu sein, ich konnte aber nicht ahnen, das das schon der Zenit von Sonzeros Können war und sich der Rest auf noch niedrigerem Niveau abspielen würde.
Denn von da an wird der Film nur noch origineller (Ironie!)!

Da haben wir also Joshs Freundin, ein Blondbrötchen vom Campus, die mit ihren drei einzigen Kumpels, denen samt und sonders der Schriftzug „überflüssiger Nebencharakter, kann geopfert werden“ auf die Stirn getackert scheint, rumhängt.
Ihr Joschi ist noch alive, hängt sich dann aber baldigst in einer „Sieben“-würdigen Wohnung auf, während sie einen Antrittsbesuch macht. Und im TV reden sie von verstärktem Selbstmordaufkommen…da ist doch was im Busch!

Es folgt das übliche 4-Kleine-Negerlein-Spielchen mit den Kumpels, die allesamt den lebensenergiesaugenden Geistern ("Lifeforce", anyone?) zum Opfer fallen, egal was sie tun.
Die entern nämlich unsere Realität und hat haben gewaltigen Appetit.
Serviert wird das mit den dümmsten Dialogen seit „Fear.Dot.Com“ und Figuren aus dem letzten Teenie-Slasher.

Was man der Story gutschreiben kann, ist, das sie den Geisterfluch auf ein flottes Weltuntergangsszenario ausweitet, aber die Idee hatten schon die Asiaten.
Nur: muß man in solchen Fällen seine Figuren einem veränderten System unterwerfen und nicht das neue System den Figuren!

Genau das passiert hier nämlich. Mit zunehmender Laufzeit belieben die Geister nämlich, die Uni und den Rest der Welt zu entvölkern und alle müssen dran glauben, nur nicht unsere Heldin (zu der noch ein 3-Tage-Bart-Schnuckel namens Dexter gestoßen ist). Die läuft in Zeitlupe durch Keller und Gänge, bricht in Wohnungen ein, macht Stadtrundfahrten, bleibt aber stets unbehelligt bis zum Showdown, wo sie dann den Geisterhorden immer vorneweg läuft, obwohl die sich sonst wo hinbeamen können. Steht aber so im Handbuch für Hauptfiguren.

Noch schlimmer sind aber die Logiklücken, durch die man den kompletten Lehrkörper schieben könnte. Daß der Film die Frage nach der Herkunft der Geister erst nach gut 70 von 85 Minuten auf die Schnelle beantwortet, ist schon wegwerfend genug.
Es bleiben aber auch so noch genug Fragen, wie z.B. diese: zunächst saugen die Geister die Leutz leer, die dann Selbstmord begehen. Später wird sich das erspart und die netten Leute zerfallen aus ungenannten Gründen und ohne Begründung einfach gleich zu Asche.
Warum?
Keine Ahnung.

Weiter: Woher kommt die Selbstmörderwebsite und wer spielt sie zu welchem Zweck ein? Wieso funktioniert ausgerechnet rotes Klebeband als Abwehrmittel, wenn die Geister aus einem Hochfrequenzbereich einwandern? Wieso hat sich Josh mit einem hochgradig paranoiden Angsthasen ausgerechnet in einer dunklen Bibliothek verabredet und erwartet, daß der dann vor Ort ist? Wieso läuft jeder genau dort hin, wo die Geister gerade rappeln, um ihnen möglichst paßgenau zum Opfer zu fallen? Was fangen die Jungs und Mädels aus dem Jenseits mit der gesaugten Energie eigentlich an? Und wieso brauchen die Geister, die jedes Netz infiltrieren können, eigentlich zwei Hacker, um auf andere Frequenzen aufmerksam zu werden?

Kurz gesagt, der Film ist saublöd.
Garniert wird das aber wie üblich mit einem besonders hippen Look. Das bedeutet, der Film beginnt relativ farbig und wird mit zunehmenden Geisteraufkommen immer grauer und düsterer, bis die Apokalypse vor der Tür steht und er praktisch s/w rüberkommt. Sehr subtil. (Verbinski dürfte nach "The Ring" dafür Gebühren nehmen.)
Und ferner gibt’s den visuellen Overkill. Überall Geistererscheinungen, Phantome, zwanzigmal flackern die Neonleuchten, Kamerazittern, Reißschwenks, Blitzlichter, Verzerrungen, auf der Tonspur wummerts, Sonzero holt aus seinem vermutlich vierjährigen Kameramann das Letzte heraus.

Dazu gibt CGI ohne Ende, jede Menge Geister und Hintergrundkreationen einer zerfallenden Stadt, die allerdings eben wie aus dem PC (also billig) aussehen. Und immer wieder die gleichen Angriffsszenen, wobei hie und da mal ein brauchbarer Schock dabei ist.

Am Ende parken Held und Heldin (dargestellt von TV-Seriendarstellern der arbeitssuchenden Sorte) doch tatsächlich auf der Suche nach einer handynetzfreien Zone (jedes Netz zieht die Geister an) zum Schlummern unter einer Stromleitung bei aktivem Handy – welch Geistes Kind muß man denn noch sein, um seine Figuren so einen Scheiß machen zu lassen?

Wie gesagt, Sonzero kann leider nichts, weder Spannungsaufbau noch Schauspielerführung und nicht eine einzige originäre Idee ist dabei.
Wäre nicht der heute schwer angesagte Buh-Faktor in vielen Szenen, der den Unbedarften ja immer noch reicht, das wäre der totale Rohrkrepierer.

Dennoch: nur für Leute, denen es vor gar nichts mehr graust oder diejenigen, die sich auch regelmäßig vor ihrer Mikrowelle erschrecken. (2,5/10)

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