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Die Psychologie-Studentin Mattie wird Zeugin, wie sich ihr Boyfriend Josh - der sich von unheimlichen Gestalten verfolgt gesehen hat - in seiner Wohnung mit einem Internet-Kabel erhängt... der Beginn einer merkwürdigen Welle von Selbstmorden, die sich epidemieartig im ganzen Land ausbreitet. Als Mattie und ihre Kumpels kurz darauf Chat-Nachrichten von dem Verstorbenen erhalten und der Sache nachgehen, kommen sie der Ursache der mysteriösen Ereignisse auf die Spur: Die Geister der Toten kommen durch das Internet zurück auf die Erde und saugen den Menschen den Lebenswillen aus! Nachdem immer mehr Leute in ihrem Umfeld Selbstmord begehen oder sich ganz einfach in Staub auflösen, versucht Mattie gemeinsam mit Dex, dem neuen Besitzer von Joshs PC, dem Spuk mittels eines auf der Festplatte befindlichen Computer-Virus, an dem ihr toter Freund gewerkelt hat, einen Riegel vorzuschieben, bevor die gesamte Menschheit durch die moderne Technik ausgelöscht wird... Von den vielen, vielen asiatischen Horror- und Geisterfilmen der frühen 2000er, die da im Anschluss ein US-Remake erfahren haben, ist Kyoshi Kurosawas "Pulse" derjenige von allen, bei dem man es mal echt lieber hätte bleiben lassen sollen: Während man nämlich schon bei "Ring", "The Grudge - Der Fluch" und "Dark Water - Dunkle Wasser" über die Güte der Vorlagen geteilter Meinung sein konnte, diese aber zumindest noch deutlich den üblichen Genre-Mustern verhaftet und damit international "verständlich" waren, ist "Pulse" dagegen alleine schon durch die gewählte der Art der Inszenierung mal eher sperrig gewesen und aufgrund der innerhalb seiner ultra-langweiligen Handlung mehr oder minder verklausuliert verarbeiteten Themen rund um die Isolation des Individuums im Angesicht einer fortschreitenden gesellschaftlichen Technologisierung derart landestypisch japanisch, dass er sich kaum auf amerikanische Verhältnise hat übertragen lassen. Da konnte man im Vorfeld schon erwarten, dass bei der Adaption wohl so einiges schief laufen würde und genau so isses dann auch gekommen: Der 2006er-"Pulse - Du bist tot, bevor du stirbst!" (übrigens immer noch einer meiner favorisierten bescheuerten deutschen Titel-Zusätze aller Zeiten!) tilgt weitestgehend den Subtext aus der Erzählung, geht 'ne gute halbe Stunde kürzer als das überschätzte Original und geriert sich dadurch als Quasi-"Best"-Of der erinnerungswürdigeren Momente der Vorlage, die durch das mächtig angezogene Pacing allerdings keinesfalls mehr im Sinne Kurosawas wirken, sondern bei denen die F/X-technisch aufgemotzten Auftritte der Internet-Geister nun nur noch ein paar trashige Spitzen innerhalb eines weitestgehend unverständlichen und sinnbefreiten Genre-Eintopfs setzen. Das daraus resultierende filmische Ergebnis ist wirklich ein einziges großes Ärgernis, bei dem man sich mehr als einmal die Hand vors Gesicht halten will... nicht, weil man vor lauter Angst nicht hinsehen kann, sondern weil man sich so hart fremdschämt. In der amerikanisierten Fassung verkommt die dünne Geschichte dann auch nur noch zu einem "stylish" (naja...) verpimpelten, in lauen PG-13-Bahnen verlaufenden Schock- und Jump-Scare-Gewitter, das bemerkenswerterweise in keiner einzigen Szene auch nur halbwegs funktioniert und über das sich Hauptdarstellerin Kristen Bell in ihrer späteren Comedy "Nie wieder Sex mit der Ex" sogar mehr oder weniger direkt selbst lustig gemacht hat. Die beachtliche Inhaltsleere, mit der das alles daherkommt, lässt da doch direkt mal den Rückschluss zu, dass wirklich keiner der Beteiligten die Vorlage (von der ich mal echt kein Fan bin!) auch nur halbwegs begriffen haben dürfte... weder ein Wes Craven, der hier als Co-Drehbuchautor genannt ist und die Genre-Crowd ziehen soll, dessen Handschrift aber zu keiner Zeit durchkommt (er hätte hier aber eh nichts retten können!), nicht die Weinstein-Brüder als Produzenten im Hintergrund, denen aber vermutlich eh völlig egal gewesen ist, womit sie den gruselwilligen Kids die Kohle aus der Tasche ziehen, und schon gar nicht No-Name-Regisseur Jim Sonzero, der im Anschluss dann auch keinen weiteren Film mehr gedreht hat. Kurzum: "Pulse - Du bist tot, bevor du stirbst!" ist der reinste Dreck und eventuell das schlimmste J-Horror-Remake der Nullerjahre... und das will wirklich etwas heißen! Da reißt auch ein kurzer Cameo-Auftritt von Brad Dourif nichts mehr raus...

2/10

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