Review

Ein leicht baufälliges Herrenhaus im ländlichen England:
Weil der Vater dringend verreisen muss, übernimmt ausgerechnet der geistig behinderte Sohn die Pflege der bettlägrig erkrankten Mutter. Zwar wurde eine Krankenschwester eingestellt, doch die lässt der Sohnemann nicht ins Haus. Schnell stellt sich heraus, dass er mit der Pflege völlig überfordert ist...

Bis hier hin ist the living and the dead ein wirklich skuriller und verstörender kleiner Thriller. Der Sohn (gut gespielt und vor allem auch gut synchronisiert) hat so seine ganz eigenen Vorstellungen von häuslicher Pflege und setzt diese auch gegen den ausdrücklichen Willen der Mutter durch. So ergibt sich in diesem Psychoterror eine ganz neue und originelle Variante von Täter und Opfer. Der Sohn handelt aus Liebe und erkennt aufgrund seiner Behinderung nicht, was er seiner Mutter zumutet.

Leider schlägt dann der Kunstanspruch des Regisseurs durch. Es folgen Traumszenen (oder Szenen aus einer Parallelrealität), die das bisher Gesehene in Frage stellen und einen verwirrten Zuschauer zurücklassen. Auch formell wird mit Zeitraffersequenzen und anderen Stilmitteln experimentiert. Leider kann bis zum Einsetzen des Abspanns dem Kauderwelsch aus sich widersprechenden Szenen kein wirklicher Sinn entlockt werden. Zunächst glaubt man noch einem Puzzle aus verschiedenen Zeitebenen ausgesetzt zu sein, doch auch das entpuppt sich als falsche Fährte.

Nun ist nicht alles schlecht, was man nicht auf Anhieb versteht, doch habe ich zunächst einmal die Erwartungshaltung, gut unterhalten zu werden. The living and the dead ist als kommerzieller Unterhaltungsfilm leider ein Flop, als ambitionierter Arthouse-Streifen kann er hingegen sein Publikum finden. In diesem Zusammenhang ist es seitens des Verleihs unfair, mit einem Horrormotiv auf dem Cover auf Zuschauerfang zu gehen (das hier eingestellte Cover auf der Übersichtseite ist wesentlich neutraler). Enttäuschungen sind somit vorprogrammiert.

Sicherlich ist es schön, wenn ein Film mal die ausgetretenen Pfade des Mainstream verlässt und sich links und rechts der Spur herumtreibt; mitten durchs Gebüsch muss hingegen aber auch nicht sein...


Fazit:

Ohne kommerzielles Grundgerüst dürften die meisten Zuschauer irgendwo in der Mitte das Interesse verlieren

03/10

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