Der leicht zurückgebliebene, überbehütete Sohn James ist abhängig von der Kontrolle seines Vaters Donald, ebenso wie die bettlägerige, todkranke Mutter Nancy auf seine Hilfe angewiesen ist. Als Donald nach London reist, um dort nach alternativen Heilungsmethoden für Nancy zu forschen, sind Mutter und Sohn sich selbst überlassen. Bald entwickelt James ein krankhaftes Verantwortungsbewusstsein für seine Mutter.
Also wenn es das Ziel von Simon Rumley gewesen ist ein möglichst verstörendes Zelluloid zu schaffen, das den Zuschauer am Ende mit offenen Mund zurückläßt, dann kann man nur sagen Mission accomplished. Es ist wirklich nicht einfach das Gesehene irgendwie irgendwo einzuordnen, geschweige denn das Ganze einem Genre zuzuordnen. Eines ist zumindest mal sicher als Partyfilm in einer gut gelaunten Runde, ist the Living and the Dead in etwa so deplatziert, wie der Papst im Freudenhaus.
Sollte jemand zu Filmbeginn gute Laune haben, so zieht einen die Atmosphäre auf der Stelle nach unten. Ein heruntergekommenes Herrenhaus, eine kalte (aber irgendwie doch liebvolle, trifft komischerweise beides zu) Familie lebt dort verarmt ohne jedes Personal. Der Sohn ist zurückgeblieben und sehnt sich nach Liebe und Kontakt, die Mutter ist schwer krank an den Rollstuhl gebunden und der Vater scheint ein wenig überfordert. Man ahnt schnell, eine lustige Komödie wird das hier nicht.
Sollte noch etwas gute Laune vorhanden sein, wir das spätestens im zweiten Drittel korrigiert, als der Sohn überfürsorglich seine zu umsorgen versucht. Wem bei der Pillenfütterung oder dem Darmmalheur nicht endgültig der Appetit vergeht, der vergiftet auch gerne in seiner Freizeit Hundewelpen.
Im letzten Drittel gingen dann wohl Rumley endgültig die Gäule durch. Was hier geboten wird ist ein visueller Pillenrausch (wohl auch hinter der Kamera), wilde Zeitsprünge, surreale Halluzinationen und steigender Irrsinn steuern auf ein echtes Downer-Finale zu. Der Zuschauer wird dabei mehrmals in die Irre geführt, was denn jetzt genau wirklich passiert oder lediglich in der Phantasie entstanden ist (ich werde mich sicher nicht anmaßen zu behaupten alles wirklich lückenlos verstanden zu haben).
Von diesem Film wird sicher jeder seine eigene Meinung haben, die wohl irgendwo zwischen abstoßend und faszinierend liegen dürfte. Besonders hervorheben möchte ich allerdings die schauspielerischen Leistungen. Speziell der mir unbekannte Leo Bill verkörpert den behinderten Jungen extrem glaubhaft. Sogar in einer Dialogpassage achtet er auf die typische Handhaltung, absolut top der Bursche. Einen Bösewicht im eigentlichen Sinne gibt es dabei hier gar keinen, nur eine Verkettung ungewollten menschlichen Fehlverhaltens. Ich denke es wird niemanden geben, der ernsthaft sagen kann, der Film "gefalle" ihm, aber bei mir hat er zumindest ordentlich nachgewirkt.
6/10