Review

Mal sehen, ob die Schweden es endlich schaffen, nach längerer Zeit wieder eine gelungene Vampirkomödie zu präsentieren.
Seit Polanskis „Tanz der Vampire“ und eventuell noch Mel Brooks „Dracula – Tot aber glücklich“ gab es in diesem speziellen Genre leider recht wenig zu lachen und wenn, dann wohl eher aufgrund Unvermögens einiger Amateurfilmer.
Leider will auch das Debüt des Schweden Anders Banke nicht so recht zünden, obgleich ein gewisses Potential erkennbar ist.

Das größte Problem ist die Unentschlossenheit seiner Geschichte: Sie beginnt todernst im Jahre 1944, als sich deutsche Soldaten im tiefsten Schnee in eine Waldhütte zurückziehen und von Vampiren überfallen werden.
Zwar punktet hier die Atmosphäre ein wenig, doch vom ersten Schmunzler ist man noch weit entfernt.

Nach dieser Vorgeschichte wird man in die Gegenwart, in ein kleines Kaff in Nordschweden, versetzt und wohnt im Folgenden gleich mehreren Handlungssträngen bei. Da gibt es Ärztin Annika, die mit Tochter Saga soeben umgezogen ist, um eine neue Stelle im hiesigen Krankenhaus anzutreten. Hierbei trifft sie auf den ominösen Arzt Beckert, der sich rasch als Obervampir (und einer der Soldaten von damals) entpuppt.
Tochter Saga ist neu an der Schule und wird sogleich auf eine Party eingeladen. Hier werden munter rote Kapseln eingeworfen, jedoch keine Droge, sondern ein Mittel, dass die Partygäste im Nu zu Vampiren mutieren lässt.
Und dann gibt es da noch Sebastian, der dem Obervampir eben jene Kapseln gemopst hat, eine testete und bei den gläubigen Eltern seiner Freundin mit argen Problemen zu kämpfen hat.

An sich ist es eine pfiffige Idee, durch mehrere Handlungsebenen ein wenig Tempo in die Sache zu bringen, doch hier geschieht leider häufig das Gegenteil. Befindet man sich etwa zwei Minuten auf der Party und hofft, dass endlich die Vampire zuschlagen mögen, wird das Tempo wieder herausgenommen, weil Obervampir Beckert seinen Vampirhintergrund erläutert. Das Timing liegt zuweilen völlig daneben und die Schauplatzwechsel erfolgen viel zu rasch, man hat kaum Zeit mit den Figuren warm zu werden.
Zudem führen die Handlungsstränge nicht zusammen und stehen eher für sich. Mutter agiert im Krankenhaus, Tochter auf der Party, die Cops mischen auch noch mit und der frische entstandene Vampir muss bei Freundins Eltern die Forelle mit Knoblauch ausspeien.

Auch in Sachen Humor muss sich der Schwede derbe Kritik gefallen lassen, denn der ist für einen Film dieser Art viel zu zahm, ihm fehlt durchgehend der notwendige Biss und nur selten kann geschmunzelt werden.
Die stärksten Szenen hat dabei Sebastian, der plötzlich Hunde sprechen sieht und hört, sein eigenes Spiegelbild nicht mehr sehen kann und beim Händedruck mit dem gläubigen Familienvater eine qualmende Hand bekommt.
Später zünden sogar einige Wortwechsel („Hör auf, mit Zwergen nach mir zu werfen“), aber das ist im Gesamtresultat zu wenig und vor allem zu altbacken harmlos.

So wirkt der komplette Streifen nicht wie aus einem Guss, die parallel laufenden Geschehen ergänzen sich nicht, sondern nehmen Drive heraus, auch wenn der Film gegen Ende mehr und mehr an Unterhaltungswert gewinnt.
Doch wenn man denkt, die Vampirparty würde endlich auf Hochtouren laufen, endet der Film nahezu mittendrin und präsentiert ein relativ abruptes und teilweise offenes Ende.

Dabei wurde handwerklich vieles richtig gemacht, die durch und durch verschneiten Kulissen erzeugen in der Tat eine winterliche Kargheit, die gefällt. Die Darsteller, - mir allesamt unbekannt – agieren mindestens brauchbar und der Score klingt passagenweise gar hollywoodesk nach einer Mischung aus John Williams und Jerry Goldsmith.

Dabei kommt man im Verlauf ohne größeres Blutvergießen aus und die selten eingesetzten Effekte können sich sogar gut sehen lassen, ob kleine Stiche in der Haut, größere Fleischwunden oder die zwei, drei eingesetzten Computereffekte. Selbst das Latexkostüm des Obervampirs sieht ordentlich verarbeitet aus.

Doch leider bringt das den Streifen nicht komplett auf Vordermann, auch wenn sich der Film selbst nicht allzu ernst nimmt, er verfolgt keine klare Linie, die durchgehende Unterhaltung bietet.
Er hat zwar seine kleinen, skurrilen Momente, nutzt aber das Potential bei weitem nicht aus, so bleibt einem allenfalls die Verfolgung eines zynischen Vampirvamps länger im Gedächtnis („Du musst ein Kreuz formen, nicht ein X“) und der frischgebackene Vampir Sebastian, wie er mit blutverschmiertem Gesicht auf einer Laterne hockt und ein rotes Etwas, ehemals Pudel, herunterwirft.
Demgegenüber bremsen jedoch zu viele ernste Szenen das Vergnügen wieder aus und bescheren dieser Komödie leider nur eine Bewertung im Mittelfeld.
5 von 10

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