„Elementarteilchen“ ist einer der 4 deutschen Beiträge zur Berlinale 2006 – das soll jedoch nicht heißen, dass der Film perfekt ist. Regisseur Oskar Roehler („Die Unberührbare“) mühte sich zwar redlich und die durch die Bank großartig aufspielenden Darsteller – allen voran Moritz Bleibtreu – brillieren in ihren dramatischen Rollen, die Emotionalität überträgt sich jedoch nicht auf den Zuschauer.
Zur Story: Die beiden Brüder Michael (Christian Ulmen, „Herr Lehmann“) und Bruno (Moritz Bleibtreu, „Solino“) könnte unterschiedlicher nicht sein. Nachdem sie von ihrer Hippie-Mutter (Nina Hoss, „Die weiße Massai“) verlassen wurden, ist aus ersterem nach etwa 30 Jahren ein anerkannter Mikrobiologie, der an der gänzlich ungeschlechtlichen Fortpflanzung forscht, aus letzterem ein Literatur-Lehrer geworden. Hatte Michael noch nie Sex in seinem Leben, führt ihn Jugendfreundin Annabell (Franka Potente, „Lola rennt“) in die Kunst der Liebe ein. Währenddessen hadert der notgeile Bruno mit seiner Existenz: keine Frau in Sicht und als Schriftsteller erfolglos – bis in einem Esoterik-Camp die sexsüchtige Christiane (grandios: Martina Gedeck, „Bella Martha“) in sein Leben tritt. Doch beiden Beziehungen steht noch ein herber Schicksalsschlag bevor...
Die Namen der Schauspieler liest sich wie ein „Who is who“ des jüngeren deutschen Kinofilms: zu den schon erwähnten gesellen sich weitere bekannte Namen in kleineren Rollen. Da hätten wir Tom Schilling („Napola“) als jungen Michael, Uwe Ochsenknecht („Vom Suchen und Finden der Liebe“) als versoffenen Vater, Herbert Knaup („Irren ist männlich“) in einem kurzen Auftritt als Verleger sowie Corinna Harfouch („Der Untergang“) als Psychologin. Schade nur, dass die Inszenierung zuweilen etwas holprig ist. Moritz Bleibtreu weint zwar ein ums andere Mal und rührt mit seinem intensiven, zwischen Melancholie und Selbstmitleid schwankenden Spiel an (zum Beispiel, als er von einer Schülerin von ihm abgewiesen wird), darf aber auch (z. B. beim Besuch des Esoterik-Camps auf der „Jagd“ nach dem willigen weiblichen Geschlecht oder bei seiner Vergangenheitsbewältigung in der Psychiatrie) derb komisch sein. Und genau dadurch irritiert der Film, der etwas unentschlossen zwischen derber Sex-Komödie und einfühlsamen Beziehungsdrama taumelt. Es gelingt dem Film durch seine unterkühlt wirkende Inszenierung über weite Strecken nicht, den Zuschauer mitreißen zu können. Das, was gezeigt wird, ist tragisch und sehr gut gespielt, lässt aber keine Zeit, so etwas wie Mitgefühl aufkommen zu lassen. Auch kann einzig Martina Gedeck als Schauspielerin neben Moritz Bleibtreu bestehen, alle anderen – obwohl wie Christian Ulmen sehr bemüht – fallen gegen deren Leistung etwas ab.
Fazit: „Elementarteilchen“ überzeugt vor allem durch eine grandiose Ensembleleistung der hochkarätigen Darstellerriege. Inszenatorisch wirkt der Film etwas unentschlossen und unterkühlt. Dennoch einer der besseren deutschen Filme des noch jungen (und besonders bei deutschen Produktionen viel versprechenden) Kinojahres.