Was ein riesen Sch...wachsinn. So mein erster Gedanke nach fünf Minuten Film, der sich immer stärker in meinem Hirn einpflanzte und gegen Ende meine gesamten Denkvorgänge überlagerte. Auch jetzt, einige Tage nachdem ich den Film auf mich wirken liess, hat sich daran (leider) überhaupt nichts geändert. Dieser Film ist überflüssig, totaler quatsch, unlogisch aufgebaut, langweilig - kurzum: blöde. Wer sich jetzt schon überzeugt fühlt braucht nicht weiterzulesen. Wer die Begründung hierfür dennoch wissen möchte, nundenn, der lese weiter.
Normalerweise hätte der Film die schlechteste Bewertung verdient, also einen von 10 Punkten. Doch Moritz Bleibtreu spielt zum ersten Mal in seiner Karriere (endlich, endlich) einen so richtig durch und durch unsympathischen Widerling. Für diese erstaunlich glaubhaft dargestellte Profilveränderung gebührt anerkennend ein Pluspunkt - der einzige, der "Elementarteilchen" bei mir ergattern konnte.
Um was geht's eigentlich? Äh ja, keine Ahnung. Es mag wohl eine Inhaltsangabe vorhanden sein, auch lässt sich das Gesehene inhaltlich zusammenfassen, aber um was es tatsächlich geht erschließt sich selbst dem geneigtesten Zuschauer in keinster Weise. Psychisch total fertiger rassistischer Lehrer vergreift sich an Lolita-Schülerin, läßt sich daher prophylaktisch lieber selbst in die Psychiatrie einweisen und knallt irgendwann komplett durch. Sein Bruder, ein Wissenschafts-Genie, hat massive sexuelle Probleme, die durch zeitliche Rückblenden in dessen Jugend als aus seiner Vergangenheit herrührend erklärt werden.
So plätschert diese brüderliche Geschichte so einher und beleuchtet einen mässigen Zeitabschnitt deren Leben. Langweilig! Und für den Kenner des literarischen Originals eine bodenlos freche Zumutung. Michel Houllebeq skizzierte in gewohnt genialer Form menschliche Abgründe und deren abartigen Auswirkungen auf deren soziale Umfelder, blieb sich seit jeher seinem Genre treu. Zahlreiche Filme beweisen, daß eine gute filmerische Umsetzung dieses Genres möglich ist ("Hundstage", "Die Klavierspielerin" usw.) - doch hier versagt der Film bereits im Ansatz.
Verständlich, daß gekürzt werden muß - doch nicht akzeptabel ist und bleibt, wieso dabei logische Zusammenhänge durch Schnitte auseinander gerissen werden und völlig falsche Rückschlüsse zulassen. Und wieso elementar wichtige Handlungen komplett unerklärt bleiben, so daß darauf basierende Ereignisse zur Bedeutungslosigkeit verkommen, verstehe ich hinten und vorne nicht. Statt 107 Minuten hätte man vielleicht doch besser noch zehn Minuten angehängt und die ein oder andere Szene ausführlicher dargestellt respektive komplettiert, so daß wenigstens annähernd an Houllebeqs Buch ein roter Faden möglich geworden wäre. Sowas regt mich immer massiv auf: Wenn ein Film schlecht gemacht ist, obwohl jedem Laien wie mir sofort auffällt, mit welch einfachen Mitteln man weitaus mehr herausholen hätte können. Unsinnige Kürzungen, an den falschen Stellen schrecklich enervierende Längen - für was soll das gut sein? Regisseur Roehler zerstört systematisch den Plot, ein Graus!
Beispiele gefällig? Gut, denn mal los: Wo ist Brunos Frau abgeblieben, wieso ist er mit dem Kind alleine? Und was passiert mit dem Kind, als er in die Psychiatrie geht? Wieso rührt Michael jahrelang seine Freundin nicht an, gönnt ihr nichtmal einen Kuss, beweist so hochgradig sexuelle Störungen um dann unvermittelt, als ob es die normalste Sache der Welt wäre, Sex mit ihr zu haben, als ob er sich grundlos um 180 Grad gedreht hätte? Was ist mit Christiane, wieso ließ sie sich nicht ärztlich behandeln, wieso verschwieg sie Bruno alles, wieso hängt Bruno doch so sehr an ihr? Für all das gibt es Erklärungen beziehungsweise eine Darstellung, die logisch Zusammenhänge aufzeigt, die Roehler komplett unter den Tisch kehrt - eine Frechheit.
Ich weiß nicht was die Macher davon hatten ein so rudimentäres unvollständiges Werk abzuliefern. Hat da eventuell jemand das falsche Masterband kopiert? Absichtlich kann dieses Ergebnis ja nicht gewünscht worden sein.
Die Qualität der Schauspieler geht hierbei leider völlig unter. "Die Gedeck", wie sie gewisse Illustrierte bezeichnen, sticht positiv hervor. Sie spielt die Christiane an den richtigen Stellen verletzlich und stark zugleich, so daß man ihr diese Ambivalenz durchaus abnimmt. Bleibtreu verkörpert einen Kotzbrocken - bravo! Doch schade, daß er zur Mitte des Films hin, spätestens beim Zusammentreffen mit Christiane, zum gewohnten Imgage des Weichspülersympathling zurückkehrt. Ulmen kann nichts reissen, sein dümmlich unpassendes Gegrinse kauft man ihm nicht ab - seine Figur des Michael ist so leider unglaubwürdig geworden, sehr schade drum. Franka Potente wirkt unfreiwillig komisch in ihrer kindlichen Naivität, die sie als erwachsene Frau immer noch ausstrahlt. Hier gilt das gleiche wie für die Figur des Michael gesagten: Potente schauspielert, aber lebt diese Figur nicht, so daß man ihr die Rolle einfach nicht abkauft.
Ein "sich hineinversetzen" ist so leider nicht möglich, weder in die Materie noch in den Film an sich. Das Erlebnis des Versinkens und geistigen Abtauchens in die kaputte Welt der Romanvorlage, des sich Auseinandersetzens mit den Figuren und ihren geistigen Zerrüttungen bleibt einem so gänzlich verwehrt. Fast beschämend wie wenig Mühe man sich hier gab dieser doch erstrebenswerten Wirkung Nahrung zu liefern.
Ein klassisches Beispiel dafür wie die filmerische Umsetzung einer an sich guten Romanvorlage mit reichlich Material für interessante und intelligente Inhalte scheiterte.
(2/10)