Bestsellerverfilmung mit deutscher Mega-Besetzung - und ich muß mir nach Ansicht die Blöße geben, daß als Buchunkundiger erst mal fleißig nachlesen mußte, was ich da jetzt eigentlich gesehen habe und wieso.
Ich bin zwar kein Fan der Phrase "mir fehlt jetzt der Zugang dazu", aber hier habe ich wirklich das Gefühl, daß man sich mal wieder an ein Prestigeprojekt gemacht hat, das laut Spiegel-Bestsellerliste so ziemlich jeder im Schrank hat, obwohl die Hälfte ihn noch gar nicht durchgesehen hat.
Kurz gesagt: es geht um zwischenmenschliche Beziehungen und den Problemen damit, bzw. über das Ausleben der sexuellen Identität in unseren modernen Zeiten und die Abgrenzung davon.
Ein ehrenvolles und sicher auch wichtiges Thema, doch paradieren hier praktisch alle drei Minuten diverse bekannte deutsche Gesichter durchs Bild, die sich der schwierigen Rollen annehmen, ohne daß bei mir der Hauch von Mitgefühl oder Nachvollziehbarkeit der Charaktere aufkam.
Sicherlich, Moritz Bleibtreu als sexuell frustrierter Lehrer, der seine Phantasien nie ausleben konnte, mag eine sichere Bank sein, aber da er sich die Hauptrolle mit asexuell abgegrenzten Halbbruder, dargestellt von einem sehr schaumgebremsten Christian Ulmen teilen muß, fokussiert "Elementarteilchen" niemals konkret auf irgendwas.
In Form eines netten Puzzlespiels kriegt man nach und nach gewisse Informationen, wie es zum Zustand bzw. zum Verhalten der einzelnen Figuren gekommen ist, Rückblicke streuen Informationen aus, die die Entwicklung von der freien Liebe bzw. sexuellen Revolution der 68er-Phase dokumentieren (und was in der Folge falsch gelaufen ist, so daß wir heute mit ziemlich vielen verstörten Existenzen konkurrieren in einer Zeit, in der Sexualität freies Allgemeingut geworden ist).
Aber ein geschlossenes Bild kommt nicht zustande, der Film wirkt wie eine Schnipselcollage der wichtigsten Buchteile, die keiner der Figuren wirklich gerecht werden und das stete "spot the german movie star"-Spielchen lenkt noch dazu von den transportierten Inhalten ab.
Oscar Roehler, der ähnliche Thematiken rund um Zwangszustände, Psychosen und sexuelle Frustrationen und Lebensängste schon mehrfach beackert hat, leistet sicherlich was er kann, aber mit diesem plakativ angerichteten Häppchenskript hat er sich keinen Gefallen getan, da kann sich Bleibtreu noch so sehr den Arsch abspielen (und er tut es mit nackter Gewalt), es paßt einfach zu wenig zusammen, so daß der Film eindrucksarm an einem vorüber zieht und sich nicht wenige fragen werden, was das Ganze soll, obwohl die Betrachtungen zur zukünftigen Entwicklung von Familien, Beziehungen und Mann und Frau ganz allgemein sicherlich aufschlußreich und nicht wenig satirisch-realistisch wären.
Natürlich kann ich bei Nichtkenntnis der literarischen Vorlage da nur argumentativ die Waffen strecken, aber wenn man bedenkt, daß ein Produkt eigentlich um seiner Selbst willen verstanden und genossen oder erfahren werden muß und dies hier nur bedingt möglich war, neige ich mal zu der Prognose, daß man besser aufgehoben ist, wenn man die Schwarte endlich aus dem Bücherschrank holt.
(5/10)