Review

Eine gute Comedy-Serie!

"My Name Is Earl" war mir schon seit langem namentlich bekannt, aber da ich schon mit  Gewalt auf Serien gestoßen werden muss, hat es bis ins Jahr 2013 gedauert, bis ich einen wirklichen Kontakt hatte.

Natürlich beginnt man eine Serie mit dem Pilot, zumal man auf DVD ja beliebig anfangen kann und nicht eine zufällige Fernsehfolge zu Gesicht bekommt. Und bereits der Pilot hat mich so gut unterhalten, dass ich mit großem Vergnügen alle vier Staffeln binnen kürzester Zeit durchgeschaut habe.

Der lausige Kleinganove Earl Hickey wird als abschreckender und vollblütiger Tunichtgut eingeführt, bzw. stellt er sich als Stimme aus dem off selbst vor. Bereits hier ging mein Griff zur Fernbedienung, um den Originalton einzustellen. Und Zack: Da hatte die Sendung mich. Der grundsätzliche Enthusiasmus, mit dem Jason Lee seine Rolle verkörpert und die Sprechparts übernimmt, ist schlichtweg ansteckend und lässt den Charakter Earl einfach sympathisch wirken.
Dann gesellt sich noch eine stimmige und recht aufwändige Inszenierung mit viel Situationskomik dazu und ein komödiantisches Serienhighlight ist komplett.

Natürlich ist es auch nicht ganz so einfach, aber dennoch gewinnt die Serie durch einen kontinuierlichen Drive an Schau- und Unterhaltungswert, zumal die Folgen mit 20 Minuten recht knackig konzepiert sind.

Die Idee des Kleinganoven, der nach einem Unfall, bei dem er ein 100000-Dollar-Rubbellos verlor, als er vor Freude auf die Straße rannte, der aber dann in einer Late-Night-Talk-Show von der Philosophie des Karma hört und eine Liste mit wiedergutzumachenden Schandtaten erstellt, die dann nach und nach abgearbeitet werden muss...ist lustig. Ein langer Satz...

Durch die Liste gelingt es den Autoren immer wieder, skurille Szenerien zu entwerfen, die nur so vor Komik strotzen, mit schrägen Typen aufwarten und die USA in allerbester White-Trash-Manier präsentieren.

Neben Earl und seinem Schnurrbart begleiten wir als Zuschauer weitere Charaktere, die Earl unterstützen, ausbremsen, auslachen, ermorden wollen - je nach Stimmungslage.

Da wäre zum einen Randy Hickey, Earls zurückgebliebener und wohlbeleibter Bruder, der mit Earl ein Motelzimmer und auch sonst alles teilt. So einfältig Randy ist, so wichtig ist er als Konterpart für seinen Bruder, der ihn vor sich selbst schützt und ihn als sein bester Freund durchs Leben begleitet. Allein wäre Randy nicht überlebensfähig.

Earls Ex-Frau Joy, die zwei Kinder zur Welt brachte, die beide nicht von Earl sind, ihn mit massig Alkohol hochschwanger nach Vegas an den Traualtar buxierte, ihn aber dann mit ihrem neuen Partner Darnell betrog, ist der fleischgewordene Alptraum eines jeden Mannes. Der blonde Barbieverschnitt mit Eiern aus Stahl...sowohl Earl, als auch Randy, als auch Darnell leben in Angst vor Joy.

Darnell ist der Geschäftsführer im Crabshack, einem Diner mit der Spezialisierung auf Schalentiere, das auch die Stammkneipe aller Beteiligten ist. Darnell ist schwarz und erweist sich zeitweise als der einzige Lichtblick was Vernunft und Verstand im White-Trash-Moloch angeht. Auch wenn er gerne Atari spielt, meist ziemlich bekifft wirkt und sein bester Freund Mr. Turtle die Schildkröte ist, so sind Earl und er diejenigen, die rationale und emotional korrekte Entscheidungen bevorzugen. Außerdem heißt Darnell eigentlich Harry Monroe und befindet sich im Zeugenschutzprogramm des FBI...

Catalina ist Putzfrau im Motel von Earl und Randy und Stripperin im lokalen Club. Ihr Spezialmove ist das Hüpfen. Sie ist erst vor wenigen Jahren nach Amerika eingewandert. Natürlich unter Einsatz ihres Lebens und illegal. Anfangs nimmt sie noch großen Einfluss auf die Handlungen der Serie, da sie sogar Randy und Earl nach ihrer Abschiebung nach Mexiko lockt. Zudem hassen sie und Joy sich, was es Catalina schwerfallen lässt, Earl bei Wiedergutmachungen seiner Ex gegenüber zu unterstützen.


Weitere immer wiederkehrende Charaktere sind Earls und Randys verzweifelte Eltern, bei denen Earl auch einiges gutzumachen hat, Patty, die als day-time-hooker arbeitet und für Geld jede Dienstleistung bringt, Ralph und Donny, zwei kriminelle und mehr oder weniger geläuterte Freunde Earls...und nich viele obskure Figuren mehr. Zudem gesellen sich mit Alyssa Milano, Burt Reynolds oder Juliette Lewis noch Gaststars hinzu, die teils sehr wichtig für den Handlungsverlauf sind.

Wie zu erkennen ist, setzt "My Name Is Earl" teils auch auf Brechstangenhumor unterhalb der Gürtellinie und verlässt so manches Mal die Pfade der politischen Korrektheit. Jedoch kehrt man auf diese Pfade zusammen mit Earl letztlich immer wieder zurück, der ja im Hauptplot darum bemüht ist, ein guter oder besserer Mensch zu werden. So rennt er beispielsweise zunächst vor einem Schwulen weg, als er diesen als solchen erkennt. Letztlich verhilft er dem verunsicherten, armen Würstchen dann zu seinem coming out.

Dabei wird "My Name Is Earl" niemals kitschig oder rührselig, weil immer die Überzeichnung im Vordergrund steht und man die Inkorrektheit doch mehr feiert als sie zu verdammen. Über die Staffeln hinweg ergeben sich dabei immer wieder ausführlichere Subplots, die jedoch auch dafür sorgen, dass der Serie ab Staffel 3 so langsam die Puste ausgeht. Die nur lose durch die Liste miteinander verbundenen Folgen gefallen mir da deutlich besser, da sie eine höhere Dichte an Gags zulassen und nicht um das Fortsetzen einer geschlossenen Handlung bemüht sein müssen. Aber je länger Serien laufen, desto mehr haben Autoren anscheinend das Gefühl, Charaktere und ihre Beziehungen ausbauen zu müssen, um Zuschauer an die Serie zu binden. Setzen solche Entwicklungen ein, ist von der Grundidee her meist schon alles gesagt worden. Von daher endet die vierte und letzte Staffel auch mit einem Cliffhanger, der wohl nie weitergeführt werden wird.


FAZIT

"My Name Is Earl" hat sich in den letzten Monaten zu einer meiner Lieblingsserien entwickelt, die ich auch gerne mehrmals anschaue. Und ich mag kaum Serien. Beim Kochen mit dem Laptop in der Küche bestens geeignet. Das liegt an dem Vorschlaghammerhumor, der in Verbindung mit den schrägen bis liebenswürdigen Charakteren niemals zu dumm wirkt, bestens inszeniert ist und auch manchesmal einen sarkastischen Blick auf die amerikanische Gesellschaft der Mittel- und Unterschicht wirft. Jason Lee und seine Mimik weben hier einen geschmeidigen Teppich der Sympathie und Unterhaltung, auf dem man über viele Folgen hingleiten kann. Direkt bis vor die Tür der nächsten Scientology-Zentrale. Zu Tom Cruise mag dieser Sekten-Hokus-Pokus ja passen, aber hier bin ich doch recht entsetzt. Jason Lee wirkt so sympathisch und ist dann Mitglied von diesem Lenkungs- und Beeinflussungsveriein? Pfuibäh!!!

Ich habe auch einige Folgen mit der deutsche Synchronisation angeschaut und muss sagen, dass diese so schlecht gar nicht ist. Aber wie immer bei fremdsprachigen Komödien geht trotzdem der größere Teil des Dialogwitzes verloren. Somit funktioniert die Serie im Originalton schlicht besser. Schon die langgezogenen Vokale und der Slang machen "My Name Is Earl" auch hörenswert.

Details
Ähnliche Filme