Review

Der Titel ließe vielleicht auf typischen Tierhorror schließen, doch weder gibt es hier mehr als einen Dobermann, noch ist dieser direkt „Zum Töten abgerichtet“.
Da passt sich der Alternativtitel „Das Teufelscamp“ schon eher dem Inhalt an: Ein relativ unspektakulärer Beitrag aus der Reihe „Unschuldiger landet im Knastcamp, macht die Hölle durch und will fliehen“…

Musiker Paul Ramsey ist mit seiner Gitarre auf dem Weg nach Nashville, als sein Wagen schlapp macht. Er wird vom Politiker Lacey und seiner nymphoman veranlagten Frau mitgenommen. Doch als Lacey nach einem Zwischenstopp sternhagelvoll ein Kind anfährt, wird Paul als Sündenbock herangezogen und soll nun fünf Jahre in einem „Resozialisierungscamp“ verbringen.

Von da an haben wir den typischen Knastfilm mit allen Klischees, die dafür benötigt werden:
Kinsman (George Kennedy), Leiter des Camps, harter Brocken, weicher Kern, liebt seinen Dobermann „Rattler“ mehr als alles andere.
Kinsmans Gehilfe Wacker ist die Hassfigur für den Zuschauer: Fiese Visage, sadistische Veranlagung, Vietnam-Veteran…
Und natürlich die knallharten, aber fast durch die Bank schwulen Insassen, nebst tuntigem Arztgehilfen. Da kneift man schon bei den Dialogen den Arsch zusammen.
Unser Held Paul schlägt sich aber ganz wacker und lässt sich auf keine Schwulitäten ein, sondern meldet sich als neuer „Hundenigger“.
Dieser hat die Aufgabe, als lebender Köder eine Flucht zu simulieren, während ein paar Kampfhunde seine Spur aufnehmen.

Nun ist es aber nicht allzu interessant, wenn Gregg Henry als Paul durch die Pampa läuft und im Zwischenschnitt ein paar Tölen das gleiche tun, ohne dass es bis zum Finale überhaupt zum direkten Kontakt kommt.
So weist der Film vor allem im Mittelteil einige unnötige Längen auf, die auch durch Gitarrespielen und Jointdrehen nicht ausgebügelt werden.
In einer Art Nebenhandlung versucht Pauls Frau beim Politiker Lacey ein gutes Wort einzulegen und erreicht erst bei dessen Frau die Durchsetzung einer Begnadigung.
Paul wiederum erfährt davon noch nichts, weil Kinsman es verheimlicht. Der möchte seinen Liebling „Rattler“ auf Paul loslassen, genau an dem Tag, als Paul seine Flucht plant.

So kommt gegen Ende noch ein wenig Bewegung ins Spiel, doch wirklich fesselnd wird es nie. Auch wenn der Dobermann ein respekteinflössendes Gebiss hat, damit happern darf er nur in Ansätzen. Immerhin muss man konstatieren, dass die Hunde sehr gut dressiert wurden, was sich vor allem in einer Szene im Zusammenhang mit Kokain zeigt…
Die Darsteller sind alle recht markant und die meisten davon wissen auch in ihrer Rolle zu überzeugen, nur Hauptdarsteller Gregg Henry fehlt zu diesem Zeitpunkt noch ein wenig Erfahrung und ist um Ausdruck bemüht.

Insgesamt unterhält dieses doch recht typische Knastdrama ganz ordentlich und wird, bis auf ein paar erwähnte Ausnahmen, flüssig erzählt.
Klischees gehören eben dazu und ohne sie wäre es nur der halbe Spaß, denn der Held fällt beim seltenen Knastbesuch der Frau eben nicht gleich über diese her und der hübschen Tochter des Campleiters kann er auch jederzeit widerstehen.
Hilfsbereit, um „Frischfleisch“ vor dem Pöterpoppen zu bewahren. Hilfsbereit, wenn sein Peiniger während der eigenen Flucht zu ertrinken droht…

Egal, die End-70er Stimmung bringt einmal mehr gute Laune und so bleibt am Ende ein ansehnlicher Straflagerfilm mit ein paar Hunden und anderen interessanten Figuren.
6,5 von 10 Punkten

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