Horrorspezi David Cronenberg lässt in „Shivers“ ein Hochhaus von Parasiten-Mördern heimsuchen, die in der deutschen Fassung sogar titelgebend waren.
Der Film beginnt allerdings ziemlich unsubtil, denn Cronenbergs Frühwerk kann man doch unter Schmuddelhorror einordnen ohne dem Mann Unrecht zu tun. Zu sehen ist, wie ein Arzt mit einer 19jährigen, die noch dazu in Schulmädchenuniform gekleidet ist, kämpft, sie überwältigt und ihr den Bauch aufschneidet. Anschließend verätzt er ihre Innereien mit Säure und begeht Selbstmord, indem er sich selbst die Kehle durchschneidet. Das hat zwar noch Bewandtnis für die Story (im Gegensatz zu vielen anderen Auftakten in Horrorfilmen), soll aber auch in erster Linie Zuschauer zum dranbleiben animieren.
Recht bald wird man aufgeklärt, was das Ganze sollte: Der Arzt war Wissenschaftler, der einen Parasiten zur Organtransplantation geschaffen hatte, der aber außer Kontrolle geriet. Die Ermordete war seine Testperson und zeigte Ausbrüche von Sex und Gewalt. Diese Erklärung macht zumindest der Partner des Wissenschaftler Roger St. Luc (Paul Hampton), einem befreundeten Arzt. Der ist praktischerweise noch baldiger Held der Geschichte, womit die Erzählung direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hätte.
Doch die Ermordete hat in ihren nymphomanischen Anwandlungen den Parasiten direkt an andere Bewohner ihres Hochhauses weitergegeben. Roger kommt dahinter, als sich mehrere männliche Patienten mit den gleichen unerklärlichen Symptomen melden. Er sucht den Apartmentkomplex auf, doch dort verbreiten sich die Parasiten bereits…
Was „Shivers“ den Aufstieg in Kategorie jenseits von ganz nett verweigert, ist die schlappe Story. Bereits nach kurzer Zeit ist abzusehen, wie der Film wohl endet, sodass das Ende kaum als Überraschung angesehen werden kann. Ebenfalls nervig ist der Schmuddelfaktor des Films, denn zu oft packt Cronenberg unnötige nackte Haut in den Film, was eher peinlich und uninspiriert als provokant wirkt (z.B. die lächerliche Umkleideszene der Krankenschwester).
Doch aus dieser Prämisse macht Cronenberg das Beste und das ist mehr als ein herkömmlicher Regisseur getan hätte. Konsequent nutzt Cronenberg den Hochhaus-Schauplatz aus und schafft im weiteren Verlauf ein ordentliches Gefühl des Eingesperrt-Seins, als die Parasiten immer mehr Bewohner und damit auch die Kontrolle über den Komplex übernehmen. Flotte Hetzjagenden und Bedrohungen an jeder Ecke für die Charaktere sorgen dann auch immer wieder für kleine Spannungspunkte, was zumindest teilweise dafür entschädigt, dass Cronenberg keinen Spannungsbogen über die komplette Filmhandlung aufbaut.
Zudem zeigen sich in diversen Szenen schon Ansätze von Cronenbergs späterer Wegrichtung: Neben der vordergründigen Handlung über sexuelle, orgiastische Ausschweifungen kann Cronenberg sein Lieblingsthema auch unterschwelliger anbringen. So durchzieht eine ziemliche Phallus-Symbolik seinen Film, angefangen bei der Form der Parasiten bis zur Verwendung von interessanten Requisiten immer wenn man über die Parasiten spricht (Gurken oder der Aal im Aquarium). Zwar fehlt „Shivers“ noch die Hintergründigkeit und hier wird eher gezeigt als hinterfragt, aber auch Cronenberg musste noch lernen.
Darstellerisch sollte man seine Erwartungen allerdings weit genug runterschrauben: Keiner der Schauspieler kann hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen und auch die Hauptrolle geht Charisma fast vollkommen ab.
Unterm Strich ein ganz nettes Cronenberg-Filmchen, wenn auch mit Handlungsschwächen. Aber immerhin sieht man wovon Filme wie „Night of the Creeps“ inspiriert wurden.