Der zweite Weltkrieg hat auch in den USA Spuren hinterlassen - so finden sich dort Ende der Vierziger Jahre unter anderem auch einige Kriegswitwen, deren Einsamkeit der schmierige Bonvivant Raymond Fernandez (Jared Leto) in seinem Sinne zu nutzen weiss: Mit wohlgesetzten Worten erobert er die nach Zweisamkeit dürstenden Herzen im Sturm, wobei er es freilich ausschließlich auf deren Vermögen abgesehen hat. Ständig auf der Suche nach weiteren weiblichen Opfern gerät der Hochstapler eines Tages an eine ebenso durchtriebene wie gescheiterte Existenz (Salma Hayek als Martha Beck), die sein Gehabe sofort durchschaut und darin eine formidable Geschäftsidee auch für sich selbst wittert: Fortan unternehmen sie gemeinsam ihre Raubzüge, getarnt als Bruder und Schwester, wobei Martha hierbei zur treibenden Kraft wird und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Parallel dazu lernt man den Alltag der Cops Detective Robinson (John Travolta) und Detective Hildebrandt (James Gandolfini) kennen, die im Laufe der Zeit bei den sich häufenden Morden ein Muster zu erkennen glauben und dem Killer-Pärchens langsam auf die Spur kommen...
Ein Retro-Thriller mit Starbesetzung in zeitgenössisch eleganter Kleidung vor passenden Kulissen routiniert abgefilmt, da kann eigentlich nicht viel schief gehen. Und doch vermag der mit seinem durchgehend pessimistischen Unterton (in personam des an der Grenze zur Verbitterung agierenden Travolta, der seine Frau durch Suizid verloren hat, weil er zuviel gearbeitet hat) auch das Genre Neo-Noir tangierende Krimi nicht vollständig zu überzeugen. Nicht, daß es an dieser Neuauflage der Bonnie-und-Clyde-Story dramaturgisch bzw. drehbuchtechnisch irgendetwas auszusetzen gäbe, allerdings erscheint mir der mit dem Selbstmord der Polizistengattin beginnende, dann zur offiziellen Hinrichtung überleitende und schließlich in einer Retrospektive die ganze Geschichte vom Kennenlernen bis zur Verhaftung des Pärchens darstellende Film trotz Überlänge einfach zu kurz, um jede notwendige Facette dieses bemerkenswert unterschiedlichen Gangster-Duos zu erfassen - gewünscht hätte ich mir etwas mindestens in der Länge von z.B. Scorseses 1975er Meisterwerk Casino, und ich bin überzeugt daß (vor allem) Hayek und Gandolfini diese Aufgabe spielend gemeistert hätten.
Vor allem Gandolfini, dieser wunderbare und leider viel zu früh verstorbene Archetyp des stämmigen Patriarchen (hier bereits auf dem Höhepunkt seiner filmischen Bekanntheit, allerdings ganz entgegen seiner Tony-Soprano-Rolle diesmal als Polizist ermittelnd und zeitweilig als Voice-over, in der deutschen Snychro mit der so vertrauten Stimme von Eberhard Haar) hätte sich mehr Screentime verdient, wobei die filmische Darstellung seines Privatlebens als nonchalanter Cop durchaus ein belebendes Element hätte sein können. Leider unterbleibt dies völlig, dafür darf man in das seelische Tief des stets mürrischen bis verbitterten, aber niemals wankenden Cops Elmer C. Robinson eintauchen, der den Verlust seiner Frau nicht verstehen und schon gar nicht verwinden kann - eine Rolle, die Travolta gewohnt souverän aber ohne (emotionale) Höhepunkte gleichsam herunterkurbelt. Er schafft es kaum, seinem halbwüchsigen Sohn glaubhaft zu erklären, wieso er mit einer Kollegin poppt - immerhin versöhnen sich Vater und Sohn zum Schluß wieder.
Jared Leto als Ray dagegen startet seine Hochstapeleien zunächst in Fred-Astaire-Manier, bevor er an Martha gerät, die ihn sofort in Beschlag nimmt und den bis dato sanften Betrüger zum Mörder macht. Als kühl berechnende Partnerin von Ray hat die vorgebliche Schwester ihre rasende Eifersucht auf die weiblichen Opfer überhaupt nicht unter Kontrolle und führt den ersten Mord gleich höchstpersönlich aus, danach muß der zögerliche Ray, dem dies keinesfalls behagt, selbst ran. Er fühlt sich ihr verpflichtet, seitdem sie zuerst ihm und dann einem sie kontrollierenden Polizisten einen Blowjob verpasst hat, bevor dieser das gestohlene Fahrzeug, in dem beide unterwegs waren, melden kann. Hayek als femme fatale spielt ihre Rolle ganz hervorragend, sie ist Leto jedoch geistig (und vermutlich auch körperlich) weit überlegen - soweit, daß man den schmächtigen Hochstapler in ferner Zukunft ebenfalls in Gefahr sehen könnte, von ihr beseitigt zu werden (was aber natürlich nicht passiert). An dieser Stelle hakt es auch ein wenig, denn irgendwie passen die beiden nicht so recht zusammen, zumal sie sich auch keineswegs ähnlich sehen. Auffällig ist ferner der Umstand, daß der umgarnte Bruder eine Schwester hat, die um Lichtjahre besser aussieht als jedes einzelne der Opfer und sich teilweise recht hochnäsig gibt. Dies scheint keine der einsamen Damen misstrauisch zu machen, aber wie heißt es so schön: Liebe macht blind.
Insgesamt also erwartungsgemäß klassisches Retro-Gangsterkino, das für meinen Geschmack etwas zu kurz ausgefallen ist und dennoch bestens zu unterhalten weiss. 7,5 Punkte.