Woody Harrelson spielt einen viel versprechenden Bowlingspieler, dessen Karriere ein jähes Ende findet, als er durch die Rache eines Kontrahenten, gespielt von Bill Murray, seine Wurfhand verliert. Jahre später ist er ein abgehalfterter Alkoholiker. Doch dann läuft ihm zufällig ein Bowlingtalent, gespielt von Randy Quaid, über den Weg, das nur drauf wartet, gefördert zu werden, dumm nur, dass es sich bei diesen um einen Amish handelt, der sich nur schweren Herzens davon überzeugen lässt, in den professionellen Bowlingsport einzutreten.
Zwischen ihren beiden überaus bekannten Kultkomödien "Verrückt nach Marry" und "Dumm und Dümmer" gelang den Farrelly-Brüdern, die sich damals noch auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befanden, mit ihrer Sportkomödie "Kingpin" eine weitere überaus ansehnliche Arbeit, die unverwechselbar die Handschrift der Brüder trägt und perfekt unterhält.
Der Humor ist unverwechselbar für die Farrellys. Teilweise sind wirklich gelungene Gags dabei, deren Niveau gar nicht mal so niedrig ist, darüber hinaus variieren die Farrellys verschiedene Klischees des Sportfilmgenres und amüsieren auch hiermit, genauso, wie mit ein paar zynischen Blicken auf die Religion der Amish. Natürlich gehen dabei, wie es zuvor bei "Dumm und Dümmer" der Fall war, auch ein paar Gags unter die Gürtellinie, was aber nicht weiter stört, da die Dreistigkeiten und Respektlosigkeiten der beiden Regisseure durchaus etwas erfrischendes und amüsantes an sich haben. Ebenfalls zu unterhalten wissen auch die Slapstickeinlagen, ja sogar der teilweise sehr derbe Fäkalhumor, wobei bei dieser, alles in allem ausgewogenen humoristischen Mischung natürlich auch der eine oder andere Rohrkrepierer nicht zu vermeiden ist. Damit unterhält "Kingpin" durchaus gelungen.
Aber auch ansonsten machen die Farrellys vieles richtig und nur wenige Fehler. Die musikalische Unterlegung des Films ist geschmackvoll gewählt und auch die Bowling-Szenen, die teilweise sogar ein bisschen spannend werden, überzeugen auf ganzer Linie. Das Erzähltempo gestalten die Brüder ebenfalls recht gut, wobei es im Mittelteil leider ein paar kleinere Hänger gibt, die jedoch schnell überbrückt werden können.
Der wesentliche Fehler, den die beiden begehen ist, dass sie der Dreiecksbeziehung zwischen dem Ex-Bowler, dem Amish und der attraktiven Beifahrerin zu viel Zeit eingestehen und stellenweise Versuche starten, doch noch einen Hauch von Emotion und Dramatik in die Komödie zu bringen, was dem Film stellenweise mal die Fahrt nimmt. Ansonsten gibt es an der Story jedoch nichts zu bemängeln, so ist die Handlung alles in allem als Vehikel für die hervorragenden Gags ausreichend und auch als Parodie auf das Sportfilm-Genre ist der Film mit seinen unvorhersehbaren Wendungen, die bewusst die Klischees des Genres umkehren, durchaus gelungen.
Woody Harrelson, der mit "Natural Born Killers" und "Money Train" bereits Erfahrungen mit amüsanten Charakteren sammeln konnte, macht sich als ehemaliger Bowling-Star hervorragend und verbucht einige Lacher. Zudem ist er in seiner Rolle so sympathisch, dass man ihm auch die Gags auf Kosten der Amish durchaus verzeihen kann. Randy Quaid, der zuletzt in "Independence Day" ein paar Lacher verbuchen konnte, spielt den dümmlichen, leicht zurückgebliebenen, aber enorm sympathischen Amish ebenfalls überaus gekonnt und bildet mit Harrelson ein perfekt aufgelegtes und harmonisches Duo. Vanessa Angel spielt ihre Rolle zwar ordentlich, hat aber einen relativ überflüssigen Part und bleibt daher hinter ihren beiden hervorragenden Kollegen zurück. Der restliche Cast überzeugt ebenfalls, wobei Bill Murray als fieser Kontrahent besonders positiv hervorsticht.
Fazit:
Peter und Bobby Farrelly unterhalten auch mit "Kingpin" mit einer hervorragenden Mischung aus Slapstick, Parodien auf ein ganzes Genre und derben Schlägen unter die Gürtellinie prächtig, wobei auch die bestens aufgelegten Darsteller ihren Teil dazu beitragen. Bis auf ein paar Rohrkrepierer und kleinere Längen im Mittelteil ist die Komödie damit überaus gelungen und auf jeden Fall zu empfehlen.
79%