Beim Griff in das Videoregal der unbegrenzten Unmöglichkeiten offenbart sich Time Barbarians als unglaublich worthaltend, sofern man den Code für gequirlten Dünnpfiff zu lesen weiß. Mit Deron McBee, dem ehemaligen American Gladiator Malibu in der Hauptrolle, verheißt diese Konstellation unglaublich billiges Plastikschwertgewedel. Mit der heißen Nadel gestrickt staksen Gestalten durch das wenig exotische Dickicht eines finsteren Forstes. Hervorzuheben die Eloquenz der geschwülstigen Zwiesprache, welche inhaltlich die geschärften Spitzen eines Dialoges bei einem zweiten Frühstück aus Industriefrikadelle und Kakao sicher nicht übersteigt.
Protagonisten wie Antagonisten, klar in zwei Lager geteilt, tragen phantasievolle Namen. Bevorzugt in der ersten Hälfte tragen auch Weiblein wie Männlein ihre Mammae zur Schau. Beim Zwist um einen offenbar nur bedingt nutzvollen McGuffin, einem Stein, gelingt es dem Bösewicht Mandrak nebst seinem engsten Vertrauten, die Flucht in eine andere Dimension anzutreten, in die der Scaenicus Doran mit Hilfe einer Zauberin nachhechtet.
Ganz ehrlich, Malibu in Lederbuchse, das wäre gegenüber Lundgren die bessere Option für einen He-Man gewesen, denn die Ähnlichkeit ist verblüffend. Die Parallelen zum Cannon-Realfilmspektakel der Masters of the Universe aber auch. Gut, Time Barbarians macht noch weniger Getose um den dünnen Plot, läßt vielleicht im Gegensatz die Bösen voran eilen, aber am Ende landen sie halt doch alle in einer kontemporären Stadtkulisse, was ja fast immer geht, wenn gar nichts mehr geht. Schließlich sind die urbanen Spielplätze doch fertig verfügbar, wie der ordinäre Wald auch. Großstadtdschungel, sagt man ja auch. Au weia.
Aber es stimmt, in Time Barbarians knüpfen die Bösewichte an ihre Rolle an und finden sich als verarmter Abschaum durchaus auch schnell mit den modernen Waffen zurecht. Ganz schön sozialkritisch eigentlich, wie hier betont wird, daß es in dieser anonymisierten Welt keine Möglichkeit für eine Integration der Fremden gibt, keine Chance die alten Laster abzulegen und an einem friedlichen Miteinander teilzuhaben. Dieses kalte Gefüge benötigt geradezu den mächtigen Doran, um die Ordnung wieder herzustellen. Sein Auftritt wird dementsprechend zugleich auf Video dokumentiert und seine Person über die Fernsehstation sensationslüstern ausgebeutet. Also medienkritisch ist er noch obendrein, dieser... Film.
Was sagt man dazu, wenn Lieschen Müller, pardon, Joseph John Barmettler, ein Drehbuch verfaßt, wie es ungefähr jeder zu dem Stichwort Time Barbarians und der Prämisse "Irgendwas für mit ohne Geld zu drehen" geschrieben hätte? Was sagt man dazu, wenn er sein Autorendebüt als Regisseur auch noch höchstselbst mit ohne Geld verfilmt? Klasse Autorenfilm!
Nur er kann sich seines Unvermögens ausreichend bewußt sein, um im Ergebnis so zu wirken, als sei alles ernst gemeint, die Konsequenzen tragend, daß auf einen Schwerthieb mit einem unglaublichen "ZWOSCH" mal nur ein kleiner Kratzer an der Wange folgt. Nur sich selbst kann er nicht für den hanebüchenen Schwachsinn verurteilen, den er sich vorgesetzt hat. Nur sich selbst kann der Videofilmfachgeschäftkunde geißeln, wenn er im Ernst geglaubt hat, hinter der vielsagenden Fassade eines Produktes aus dem Tromavertrieb auch nur im Ansatz edleren Trash vorzufinden, als es liquidere Produktionen wie Highlander schon waren. Ein jeder bekommt, was er verdient. Freunde der gepflegten Stupidität sollten dafür ein paar Sesterzen übrig haben.