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Immer Ärger mit Harry? Ach nein, Amy heißt die Tote, die als solche nicht enttarnt werden soll. Und eigentlich ist sie eine Untote, ein Zombie, was in diesem Zusammenhang dann eher an „Return of the living dead 3“ erinnert, weil auch hier ein leicht durchgeknallter Typ nicht verkraften kann, dass seine Geliebte tot ist.

Independent-Filmer Brett Kelly hat ein altbekanntes Motiv hervorgekramt und es stellenweise recht witzig verpackt, auch wenn man der Amateurproduktion in nahezu jeder Einstellung seine Herkunft ansieht.
So wirkt das Ganze streckenweise auch eher wie eine Sitcom, die mit simplen Mitteln und wenigem Hokuspokus ein paar Schmunzler hervorruft.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Personen: Lehrer Steve und seine Studentin Amy. Die beiden sind ein ungleiches, aber glückliches Paar, bis Steve eines Tages mit seinem Wagen zurücksetzt und dabei Amy überfährt. Da er den Tod seiner Geliebten nicht einfach so hinnehmen kann, bedient er sich in wirrer Verzweiflung eines alten Zauberspruchs aus einem Hexenbuch und prompt regt sich die Totgeglaubte wieder.
Allerdings ist Amy nun ein Zombie, die ständig Hunger hat und von der Außenwelt versteckt werden muss. Also bringt Steve sie zu einer Waldhütte, wo aber kurz darauf vier Freunde zum Feiern auftauchen, - der Ärger scheint vorprogrammiert.

Der Verlauf im Übrigen auch, denn Überraschungen sollte man bei dieser übersichtlich gestrickten Story nicht erwarten. Erstaunlich jedoch, wie man mit den einfachen Ideen einer Amateurproduktion eine solide Unterhaltung bieten kann, ohne dabei nach den Sternen greifen zu wollen, - was in solchen Fällen oftmals daneben geht.
Der Regisseur besinnt sich von vornherein auf das, was ihm zur Verfügung steht: Wenig Geld, aber Freunde und Kollegen, die mit Herzblut bei der Sache sind, was man dem Geschehen auch eindeutig anmerkt.

Caitlin Delany, die hier zu 85% Screentime die Untote Amy gibt, macht dies mit einem unerwartet gutem Timing und hervorragenden Gesichtsausdrücken und wahnwitzigen Körperhaltungen. Das beginnt schon bei der Auferstehung in Steves Wohnung, wenn sie ihr gebrochenes Genick wieder einrenkt oder später vom Fressen der unmöglichsten Dinge abgehalten wird und beleidigt dreinschaut.
Nur das ständige „Hungry“ wird ein wenig überstrapaziert.

Regisseur Brett Kelly spielt die Rolle von Steve, der im Umgang mit der Untoten kaum ein Fettnäpfchen auslässt und sich später gegenüber seinen Freunden mit doofen Ausreden völlig versabbelt. So klemmt er der Zombiefreundin das Bein in der Autotür ein (was besonders witzig wirkt, weil die Untote zuvor nur einen abwesenden Gesichtsausdruck trägt und plötzlich so etwas wie Schmerz artikuliert), lässt ihren Kopf irgendwo gegen knallen und behauptet später, sie geschlagen zu haben, weil man ja irgendwie den blutverschmierten Mund vom Fressen ihres ersten Opfers erklären muss.

Dabei stehen Dialoge im Vordergrund des Geschehens, mit konventionellem Zombietreiben hat das weniger zu tun. Es wird ein Opfer unter einem Bett erwischt, die Kamera hält jedoch von oben drauf, so dass nur zappelnde Beine zu sehen sind, zu denen Fressgeräusche unterlegt werden. Lediglich der Biss in einen Arm ist etwas deutlicher zu sehen, während andere Attacken entweder aus der Distanz oder im Halbdunkel gezeigt werden.

So weist die Handlung insgesamt auch leider recht wenig Tempo auf, erzeugt selten Spannung und lässt kaum eine durchkalkulierte Dramaturgie erkennen und bei alledem mag den einen oder anderen Betrachter die minderwertige Qualität der Bilder, vor allem während dunklerer Passagen, durchaus stören.

Dafür sind die Darsteller durch die Bank unerwartet gut und das ist für einen Streifen, der durch Situationskomik punktet, nicht zu unterschätzen. Zumindest geben sich die Leute natürlich und versuchen nicht, durch Overacting negativ hervorzustechen.
Bleibt nur zu hoffen, dass die deutsche Synchro nicht wieder die allerletzten Pornostimmen hervorkramt, was mir in der Originalfassung glücklicherweise erspart blieb.

Schlussendlich wird der Film sicherlich die Gemüter spalten, Mainstreamleute werden erst gar nicht zugreifen und typische Splatterkiddies bedröppelt aus der Mütze gucken lassen, weil die wahrscheinlich das gewohnt überdrehte Zombiegemetzel erwarten, da „Braindead“ immer noch die Krone in Sachen Fun-Splatter trägt.
Aber es funktioniert auch irgendwo dazwischen, selbst, wenn inhaltlich recht wenig geboten wird.

Denn einige Szenen erheitern ungemein, manche Dialoge bringen gute Pointen und mit nur knapp 70 Minuten Laufzeit wird man zu keiner Zeit mit Nebensächlichkeiten gelangweilt.
Es ist und bleibt halt ein Amateurfilm, jedoch einer, bei dem man die Motivation der Beteiligten geradezu spürt und das bringt im Endeffekt manchmal mehr als ein lieblos herunter gekurbelter Möchtegern-Horror.
6,5 von 10

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