Nach dem sensationellen „Pakt der Wölfe“ hier endlich die lang erwartete Fortsetzung des Werwolf-Bombers: „Tal der Wölfe“.
Heute heult der Irak…
Schmarn! „Tal der Wölfe“ ist natürlich kein Werwolf-Film. Nein, „Tal der Wölfe“ ist ein türkischer Kriegsfilm der sich den Irak-Krieg zum Hauptthema gemacht hat.
Das Besondere an dem Streifen jedoch: Hier sind nicht, wie in den meisten Kriegsfilmen oder der Realität die Amis die Guten. Nö, die Guten sind hier die Türken, welche sich gegen den feindlichen Besetzer USA zur Wehr setzen müssen…
Spätestens seit Abu Ghraib oder Moore’s „Fahrenheit 9/11“ dürfte wohl jedem bekannt sein, dass die Amis da unten im Irak ein wenig über die Strenge geschlagen haben. Wenn also heute Schimpansenfresse George W. Bush das Maul aufreißt und irgendwas über „Fight the Terror“, Massenvernichtungswaffen oder Selbstverteidigung brabbelt, glaubt ihm hier zulande sowieso keine alte Sau mehr, zumal das Vorgehen seiner Frieden, Demokratie und Liebe bringenden Truppen eher an Todesschwadronen oder die Kreuzritter erinnern als an sachliche und faire Diplomaten.
Diese Erkenntnis griff auch „Tal der Wölfe“ auf und verlieh den Amis im Film jene unmenschliche Kriegsmaske, welche den realen Troops hierzulande ohnehin schon obliegt.
Praktisch sieht das dann also so aus:
- US-Truppen stürmen eine Hochzeitsfeier und mähen alle, Frauen und Kinder inklusive, nieder
- gewaltgeiler US-Soldat hält mit dem MG auf einen Sattelschlepper voller Gefangener, durchsiebt ihn und mit ihm dutzende Menschen und meint anschließend entschuldigend, er hätte den Viechern nur ein paar Luftlöcher schießen wollen
…und jetzt kommen wir zu dem Vorfall, der Initiator für die Handlung unseres Filmes ist:
- Amerikanischer Oberbefehlshaber (Billy Zane) stürmt ein Restaurant und lässt ein paar hohe Tiere und vermeintliche Terroristen mit vermummten Häuptern abtransportieren, welche sich folglich schwer in ihrer Ehre erschüttert fühlen und auf Vergeltung drängen…
Mit letzterem Ereignis versucht der Streifen also ins Rollen zu kommen…, kommt allerdings schon beim nächsten Kieselsteinchen wieder zum Stillstand.
Hm, woran hapert’s? – Ich will’s euch sagen:
Zunächst einmal ist „Tal der Wölfe“ ja ein türkischer Film, dessen Handlung auch in der Türkei – jedenfalls vermittelt der Film den Anschein – zu spielen scheint. Mit dem Irak hat das Ganze bis auf den Grundgedanken der bösen Amis also eigentlich gar nichts zu tun, was aber an sich ja noch nicht wirklich negativ gewichtet werden kann.
US-Truppen stürmen also das Land, was relativ ohne triftigen Grund zu passieren scheint (jedenfalls wird einem als Zuschauer kein wirklicher Grund vorgesetzt) und fangen heiter damit an, nach irgendwelchen Terroristen zu suchen.
Was diese getan haben sollen, weiß leider auch der Geier, aber so sind sie halt, die bösen Amis…
Dann wird noch ein paar Mal übelst blutig rumgeballert, Torsos tanzen und Schädel platzen, die oben beschriebenen Gräueltaten fallen vom Stapel…
…Handlung will und will aber irgendwie nicht so wirklich aufkommen und der einzige rote Faden, der zu erkennen ist, ist die Blutspur der vielen niedergemähten Zivilisten.
Ein Film ohne Handlung, dafür aber mit massig Shot Outs? …Damit lässt es sich doch leben, oder nicht!?
…Nein, lässt es sich leider nicht! Es tun sich nämlich noch tiefere Erdspalten auf:
Da der Streifen ja hauptsächlich mit Türken besetzt ist, was bei einem türkischen Film ja auch relativ normal ist, hat man ständig damit zu kämpfen herauszufiltern, wer nun die Guten und wer die Bösen sind, sprich: wer nun zu den Amis und wer zu den Einheimischen gehören soll.
Wenn die Chorknaben nämlich mal nicht mit Stars und Stripes aufm Ärmel unterwegs sind, was gar nicht so selten vorkommt, guckt man ziemlich in die Röhre.
Der Gipfel aber:
Bis zum Ende beschäftigt uns der Streifen mit folgenden Fragen:
1.) Wo bin ich hier?
2.) Was wird hier überhaupt gespielt?
3.) Was labern die für ein unverständliches Kauderwelsch?
4.) Um was geht’s hier überhaupt?
Und die Königin aller Fragen:
5.) Wer ist überhaupt der Hauptdarsteller?
…Tja, so was wie eine zentrale Figur gibt es nämlich leider irgendwie nicht. Pech gehabt! Zwar laufen einem schon hin und wieder bekannte Gesichter übern Weg und Billy Zane, der in Hollywood nach diesem Intermezzo wohl kein Bein mehr aufn Boden kriegen dürfte, mimt ganz klar und ersichtlich den Oberbösewicht, der auch im Showdown den Löffel abgibt,
so etwas wie einen Helden oder einen herausragenden Charakter, wie bei den Filmen der Kapitalistenschweine, bekommt man aber nicht vorgesetzt, womit dieser mentale Faustfick klar zum Ausdruck bringt, dass er gegen alle Systeme ist, an deren Spitze ein einzelner Mensch thront (…könnt doch sein, oder!?).
Gut, ich fasse zusammen:
Keine Handlung, kein roter Faden, kein Hauptdarsteller… wahre Kritik am US-Regime ist darüber hinaus genauso wenig vorhanden wie ein klares Statement, welches die Gräueltaten jener verurteilt. Die Amis sind halt einfach die Bösen… wer das schon als Kritik wertet, der fühlt sich wahrscheinlich auch schon auf den Schlips getreten, wenn man ihn mit „Alter“ anlabert.
Nein, Kritik am Vorgehen der USA im Irak oder an übertriebener Gewaltanwendung ist nicht wirklich vorhanden. Im Gegenteil: Auf beiden Seiten wird geballert und massakriert, auf die Idee, dass Gewalt einfach grundsätzlich scheiße ist, scheint irgendwie keiner zu kommen, was „Tal der Wölfe“ im Grunde als einen furznormalen Action-Kriegsfilm enttarnt, der in Punkto unangebrachter Gewalt gar „Rambo III“ oder den alten Chuck Norris-Kloppern á la „Missing in Action“ das Wasser reichen kann.
Und obwohl ich mich sogar auf einen sündhaft blöden Hau-drauf-Actioner mit miserabelsten Ansätzen einer Polit-Schelte eingestellt und gefreut hab, hat es der Streifen nicht geschafft, mich zum Schmunzeln zu ringen.
Ich dachte, der Film wäre so übler Trash, so krass dämlich und aus der Luft gegriffen, dass man ihn einfach nur lieben müsste. – Das Gegenteil ist der Fall: „Tal der Wölfe“ ist ein handwerklich absolut versiertes Big-Budget-Ungetüm, das aber anscheinend von so einem Holzkopf runtergekurbelt und zusammengeschustert wurde, dass ihn selbst der Fleischspieß von meinem Lieblingsdöner besser hinbekommen hätte.
Wirklich: Selten so einen miserabeln A-Film geseh’n. Das übertrifft glatt „Get Rich or Die Trying“ und „Blues Brothers 2000“ an Dämlichkeit und mangelndem Umsetzungsvermögen.
Mein Fazit daher:
„Tal der Wölfe“ – ein „Film“ (Entschuldigung, Gott!), den man nicht wegen seiner drastischen Gewaltdarstellung, seiner zu harsch geratenen Kritik oder seiner verqueren, befremdlichen, aber zutreffenden Darstellung von unverzeihlichen Fehltritten von Leitfiguren aus den eigenen Reihen,
sondern wegen seiner dillethantischen Umsetzung, seinen cineastischen Fallgruben und seinem Unvermögen in geraden Sätzen zu sprechen, hassen sollte.
Allzu derbe, betroffen stimmende Kritik am US-Regime? – Das ich nicht lache!!! Diese zusammenhanglose Arschmakrele hält dem Übel nicht den Spiegel vor oder stellt es in Frage, es gießt nur noch mehr Benzin ins Feuer und lässt den Teufelskreis aus Hass und Gewalt auflodern.
Dass da im Irak so einiges schief gelaufen ist und noch immer schief läuft, ist klar. Würd's uns jedoch dieser Leichtmatrose als erster versuchen zu verklickern, wäre die Menschheit gewiss noch heute der Meinung, Bush mache seine Sache als Weltenbummler ganz gut.
Anyway, darüber hinaus ist "TdW" aber auch als Action-Kriegsfilm eine wahre Nullnummer, zumal die Action weder rasant, noch irgendwie sehenswert ausfällt.
Kein Trash, sondern echt der hinterletzte Scheiß und ungefähr so politisch wie mein Arsch!
Von daher: „Hoşçakal!“, „Sonra görüşürüz!“ und „Bana göre hava hoş!“
Ich geh jetzt 'nen Döner einwerfen, hoffentlich ballert Ali mir Dreckskapitalistenschwein, auch wenn ich’s nicht anders verdient hätte, nicht gleich die Eingeweide aus meinem verlogenen Imperialistenarsch…