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Benoit doziert über das Beschweren der Leichen, bevor er sie in einem Fluss versenkt. So lernt der Zuschauer gerade nebenbei, wie oft das eigene Körpergewicht bei Kindern, Zwergen oder auch alten Menschen hinzugefügt werden muss, damit es kein unangenehmes Auftauchen gibt. Im Dokustil dreht das kleine Filmteam sein Treiben und wird sogar selbst in seine brutale Welt mit hineingezogen, was dramatische Ausmaße annimmt. Das filmische Porträt über Ben zeigt sein einfaches und zutiefst normales Elternhaus, während er alles andere als normal ist. sein Beruf ist der eines Serienkillers, wovon er sich ganz gut über Wassser hält, auch finanziell. Am ersten eines Monats gönnt er sich meistens einen Briefträger und kassiert die Renten. Er benimmt sich wie ein Arschloch und trotzdem ist er in seiner scheinbaren Unbedarftheit schlicht gestrickt, oftmals naiv in seinen Betrachtungen der Welt und es macht ihm sichtlich Spass, seine Ergüsse zum Besten zu geben. Vor allem, wenn er sich als Schöngeist am Klavier oder in Gedichtform gibt, er mag keine Schlagzeilen, sondern macht lieber die kleinen Sachen, also ein paar unauffällige Morde. Trotzdem lässt er keine Gelegenheit aus, sich vor der Kamera zu produzieren, er als Nationalist, der zwischen allen Peinlichkeiten umhereiert, rassistisch, sexistisch, ein dümmlicher Naivling, dessen unfassbare Selbstzufriedenheit schon wieder einnehmend ist, denn eigentlich wirkt er wie der kleine, unschuldige Idiot von nebenan. Er legt sich seine Welt so zurecht, wie er sie braucht. Das ist oftmals total absurd, sorgt aber abgesehen von einigen Lachern ohne Abgehobenheit für Nähe und macht den Zuschauer zum Voyeur und schließlich sogar zum passiven Mitttäter. Genau wie dem Filmteam springt dem Betrachter die eigene Sensationsgeilheit entgegen, die mit einer Selbstverständlichkeit die Grenzen des guten Geschmacks hinter sich lässt und doch fesselt. Die mannigfaltigen Mordszenen (Benoit probiert ja gerne neue Techniken aus) sind teils jenseits der Grenze dessen, was sich andere schwarze Komödien erlauben. Das Lachen kann dem Betrachter ohne robusten Magen dabei auch mal quer im Halse stecken bleiben. Natürlich und zum Glück ist das stellenweise selbstzweckhaft, schließlich spielt dieses exzellente Werk mit der Sensationslust des Zuschauers. "Mann Beißt Hund" mausert sich zu einer bitterbösen Satire, weiterdrehen um jeden Preis heisst es da, ohne Rücksicht auf Verluste. Dass die Amateurfilmer auf ein gleich gesinntes Team stossen, zeugt unterschwellig von der großen Nachfrage an Reality, Doku und Pseudodoku in den Medien. Anders als Oliver Stone mit seinem "Natural Born Killers" fällt die direkte, unvermittelte Art von dieser Pseudo-Snuff-Komödie auf, mit grobem Filmmaterial und einer amateurhaften Kameraführung sowie schwankendem Ton, alles ist auf Authentizität ausgerichtet. SW-Realismus lebt auch von den exzellenten Darstellern, besonders Benoît Poelvoorde in der Hauptrolle. Der spielt nämlich so natürlich, wie auch sein Umfeld funktioniert, nur quasi mit dem inneren Schweinehund nach außen gekehrt. Um Längen besser als "The Last Horror Movie" z.B.

Fazit: Klassiker des tiefschwarzen Humors. Am besten zusammen mit ein paar "kleinen Gregory" geniessen, was das ist, wird hier auch gleich ganz amüsant erklärt. 8/10 Punkten

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