Review

Sind Gaffer schlimmer als Täter? 

Man Bites Dog ist ein Kultklassiker, wie es ihn nur einmal gibt. Schockierend, bitterböse, futuristisch, kritisch, zeitlos, wunderschön, einfach, spontan, realistisch, brutal, unfassbar, französisch & unglaublich pointiert lustig.

In diesem satirischen Höhepunkt der Filmgeschichte, verfolgen wir in einer Art Mockumentary (Jahre bevor es den Begriff überhaupt ansatzweise gab) einen Serienkiller. Dabei nimmt das Kamerateam nicht nur unzählige grausame Morde & Schandtaten auf, hilft bei der Beseitigung (& Durchführung), es gerät auch selbst in die Schussbahn eines ausweglosen "Berufszweiges".

Der Film trifft einen wie ein Tritt von hinten in die Eier - unglaublich schmerzhaft, aber dann doch irgendwie verdammt witzig. Unser Killer ist ein durchgeknallter, rassistischer, brutaler Familienmensch ohne Reue oder Gefühle. Dafür aber mit alltäglichen Problemen, Humor & einer liebenswert direkten Art. Er spricht Vieles aus was sich anderes nicht trauen auszudenken, überspitzt dies, hält uns einen grauenhaften Spiegel vor. Paradies & Hölle für Gaffer im Big Brother-Zeitalter zeitgleich. Selten war eine Medien- & Gesellschaftskritik drastischer & wertvoller. Selten war Humor schwarzer. Und selten wurde selbst die Vergewaltigungsszene in Clockwerk Orange getoppt. Das Ende ist unausweichlich & der Film schlägt allgemein eine rutschige Brücke von Breathless zu Reservoir Dogs & zurück zu Henry: Portrait of a Serial Killer. Egal wie versaut dein Humor ist - hier bleibt einem das Lachen öfters im Hals stecken, als einem lieb ist. Aber echte Kritik muss schmerzen, auch wenn hier die Menschenverachtung sehr nahe kommt. Aber ist unsere Gesellschaft nicht genau das?

Fazit: bitterböse Satire, die ihrer Zeit in vielen Belangen weit voraus war & bei der tiefschwarzer Humor Pflicht ist!

Details
Ähnliche Filme