Benoit Poelvoorde spielt einen Serienkiller, der von einem Kamerateam begleitet wird. Die Dokumentarfilmer filmen neben Eindrücken aus seinem Familienleben auch seine Morde und sonstige Schandtaten, bei denen sie den Killer schließlich auch aktiv unterstützen.
„Mann beißt Hund“ wurde ähnlich wie Michael Hanekes „Funny Games“ oder Oliver Stones „Natural Born Killers“ als Anklage gegen eine verrohte Gesellschaft verstanden, als Kritik an einer Medienwelt, die einzig an Skandalen interessiert ist und auf der Jagd nach Aufmerksamkeit vor nichts Halt macht, sich von keinerlei Ethik leiten lässt. Ein Vorwurf, den man auch gegen Haneke, Stone und die drei Macher von „Mann beißt Hund“, Remy Belvaux, Andre Bonzel und Hauptdarsteller Benoit Poelvoorde, erheben könnte, bedienen sie sich doch ebenfalls allerhand menschenverachtender Brutalitäten. Geschieht dies, um das Publikum selbst in die Rolle des Voyeurs zu versetzen und zur Reflexion anzuregen wie es der „Truman Show“ so herausragend gelang, oder doch, um genau diesen Voyeurismus zu bedienen, wie es beispielsweise bei den noch weitaus geschmackloseren Machwerken aus der Mondo-Schublade der Fall war. Neben diesem bitteren Beigeschmack, den „Mann beißt Hund“ hinterlässt, gibt es zahlreiche weitere Gründe, den vermeintlichen Kultfilm nicht zu mögen.
Der Titel des Films spielt auf eine uralte journalistische Regel an, wonach ein alltäglicher Vorgang, wie etwa ein Hund, der einen Mann beißt, keine Meldung wert ist. Wenn ein Mann einen Hund beißt, ist das Gegenteil der Fall. Im Film geht es also vornehmlich um Kritik an den Medien in Person der Filmcrew, die gegen ein anderes journalistisches Prinzip verstößt, das der verstorbene Tagesthemen-Veteran Hans Joachim Friedrichs einst so formulierte, dass sich ein guter Journalist auch mit einer guten Sache nicht gemein macht. Nur, dass sich die Filmcrew in „Mann beißt Hund“ mit der schlechten Sache gemein macht und zusammen mit dem Mann, über den sie berichten wollen, vergewaltigen und morden. Dabei überschreiten die Dokumentarfilmer die moralischen Grenzen so leicht und so schnell, dass die Kritik im Grotesken und Geschmacklosen verhallt. Wie die Sensationslust der Medien bissiger und realistischer karikiert werden kann, hat zuletzt „Nightcrawler“ vorgemacht.
Ein zweiter Kniff der Macher sollte wohl sein, dass der Zuschauer den Protagonisten trotz seiner Taten irgendwie sympathisch findet. Daher wird dieser als Sprüche klopfender Familienmensch präsentiert, der die Filmcrew zum Muschelessen einlädt und auf der Straße ein paar spielende Kinder belustigt. Wirklich sympathisch wird einem der schräge Killer mit seinen rassistischen Kommentaren jedoch nicht und das meiste, was er in seinen langen Monologen von sich gibt sind langweilige Banalitäten, mit denen die Zeiträume zwischen den Morden irgendwie überbrückt werden. Wirklich bissig oder interessant sind meist die Szenen, in denen der Killer genauere Auskünfte über seine Arbeit erteilt und z.B. erklärt, wie Leichen am besten beschwert werden, damit sie im Wasser untergehen oder warum es wenig lukrativ ist, Kinder zu töten. Erwähnt sei zuletzt noch der pseudo-dokumentarische Stil mit seinen verwackelten und stilisierten Schwarz-Weiß-Bildern, der vermutlich gewählt wurde, damit „Mann beißt Hund“ als Arthouse-Film durchgeht.
Fazit:
Wer in „Mann beißt Hund“ eine hintergründige Satire über die Verrohung von Gesellschaft und Medienlandschaft sehen will, der möge diese Mockumentary dafür feiern. Festzuhalten bleibt aber auch, dass der Film den Voyeurismus, den er anzuprangern versucht, mit all seinen Geschmacklosigkeiten bereitwillig bedient. Außerdem sei die Frage gestattet, warum man sich einen etwa 90minütigen Film über einen Killer anschauen soll, der die meiste Zeit über Banalitäten faselt.
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