Drehbuchautor John Weidner (Defender, Tödliche Wette) hat einige Screenplays zu gutem B-Entertainment auf seiner Habenseite, hier liefert er eine mäßige Zukunftsversion, oder sollte man besser Vergangenheitsversion sagen. "Tote leben länger" spielt nämlich im Jahr 1997 und lockt den Kenner mit einer guten Besetzung. Hier tummeln sich Wings Hauser (Reason to Die, The Firebase), Brion James (Horror House, Tango & Cash), Jeffrey Combs (Re-Animator, The Frighteners) und Sy Richardson (Men at Work, Das Bankentrio). Der Nachteil, dafür ging sichtlich der Großteil des sowieso schon kleinen Budgets flöten. Für Gregory Dark (See no Evil, Justice under Fire) ist es ein passables Debüt, ein erfahrener Regisseur hätte aus dem Stoff mehr machen können.
1997: Ein tödliches Virus ist über die Menscheit hergefallen und so pfercht man alle Infizierten in Quarantäne Zonen. Der Draufgänger John Luger (Wings Hauser) zählt zu den sogenannten "Zero-Man", er ist mit dem Virus infiziert hat nicht mehr sonderlich lange zu leben, doch von ihm geht keine Ansteckungsgefahr aus. Nun tritt der Anzugträger Chaz (Jefferey Combs) an ihn heran und bittet Luger ihm bei einem gefährlichen Auftrag behilflich zu sein. Der brutale Verbrecher Decker (Brion James), ebenfalls ein "Zero-Man", konnte bei einem Gefangenentransport entkommen und hat nun die Tochter eines Geschäftsmann gekidnappt. Luger und Chaz nehmen die Verfolgung auf und bringen sich dadurch in tödliche Gefahr, denn Decker hat nichts mehr zu verlieren.
Die drastischen Sparmaßnahmen spiegeln sich besonders bei den Sets wieder. Der Großteil des Geschehens spielt sich auf abgelgenen Industriegeländen ab, auf einem Schrottplatz oder in einer miesen Spelunke. Trotzdem gelingt es Dark mit einem zurückhaltenden Score, massig Nebelmaschinen und schrägen Kostümen eine gewisse Endzeitstimmung zu kreieren. Die dem Tod geweihten vertreiben sich ihre Zeit mit gefährlichen Spielen, besonders russisches Roulette ist angesagt, welches man hier auch mit einer Kettensäge spielt. Vom Leben außerhalb der heruntergekommenen Quarantäne Zone bekommen wir natürlich nichts mit, jedenfalls dauert es nicht lange bis Decker den schlecht bewachten Gefangentransporter übernimmt und sich die Tochter des Geschäftsmannes schnappt. Die fordern ihr Schicksal quasi heraus und fahren ohne Bewachung durch die gefährliche Zone, wo auch noch Ansteckungsgefahr herrscht. Aber die Story zählte noch nie zu den Stärken solcher Filme und somit konzentriert man sich auf die simple Jagd nach dem gefährlichen Decker. Der ist mit seiner Geisel und zwei Gefangenen auf der Flucht, Chaz und Luger hechten in einem Buggy hinterher.
Dabei mangelt es "Tote leben länger" vor allem an richtigen Actionszenen. Eigentlich gibt es nur einige Hinrichtungen, bis Dark im letzten Drittel endlich das Tempo erhöht. Auf echte Höhepunkte muss man dabei verzichten und die kleine Foltereinlage mit der Autobatterie geht schon sehr in die trashige Richtung. Auch ist Luger wahrlich kein Profi und wird ein paarmal von Decker überwältig. Dabei werden er und Chaz sogar einmal im Sand eingegraben und von einem schrägen Vogel gerettet, der ihnen für ein paar Pillen auch seine infizierte Schwester verkauft. Mit diversen Brutalitäten hält sich Dark nicht bedeckt, einige blutige Einschüsse, übel zugerichtete Leichen und eine Selbstverbrennung rechtfertigen die hohe Freigabe. Ein wenig mehr Mühe hätte man sich mit dem Makeup der Infizierten geben können, denen hat man irgendeine Kleister-Müsli Mischung ins Gesicht geknallt, sieht schon recht billig aus. Das Finale bietet actiontechnisch den Höhepunkt, allzu viel sollte man allerdings nicht erwarten. Warum die Geisel plötzlich vom Stockholm-Syndrom befallen ist, bleibt eine offene Frage, jedenfalls ist ein guter Ausgang vorprogrammiert. Wings Hauser macht seine Sache sehr gut, wird aber von Jeffrey Combs an die Wand gespielt. Trotzdem harmonieren die Beiden erstaunlich gut, während Brion James hier sichtlich in seinem Element ist. Als Decker hinterlässt er teilweise sogar einen furchteinflößenden Eindruck, während der restliche Cast höchstens durchschnittlich agiert.
"Tote leben länger" ist eine unterhaltsame Angelegenheit, obwohl der Plot nicht viel wert ist. Aus seinen drögen Sets macht Dark das Beste, allerdings wäre mehr Action ein dringendes Muss gewesen. Hier gibt es nur kleine Intermezzos und diverse Brutalitäten, doch actiontechnisch sieht es traurig aus. Da hilft auch die B-Prominenz nicht mehr viel, aber alles in allem kann man sich diesen Endzeitstreifen ohne Berührungsängste zu Gemüte führen.